Kanalsanierung Am Holtkebach Thema im Ver- und Entsorgungsausschuss
„Wir müssen umgehend handeln“

Rosendahl. Darin, dass sich etwas tun muss, waren sich alle Ausschussmitglieder einig. Wie das aber genau aussehen soll, sorgte am Mittwochabend für Diskussion. In der Sitzung des Ver- und Entsorgungsausschusses berieten die Politiker über die Kanalisation Am Holtkebach in Holtwick. Einragende Anschlüsse, Geröll, fehlende Wandungsteile, Risse, Rohrbrüche: „Auf Dauer ist die Standhaftigkeit gefährdet“, macht Dipl.-Ing. Ingo Osterhues von der Firma T&O Bauen und Umwelt aus Ahaus deutlich, die die Kanäle untersucht hat.

Freitag, 27.09.2019, 11:08 Uhr aktualisiert: 27.09.2019, 11:30 Uhr
Kanalsanierung Am Holtkebach Thema im Ver- und Entsorgungsausschuss: „Wir müssen umgehend handeln“
Bei der Begutachtung der Kanalisation Am Holtkebach wurden große Schäden, etwa an der Decke (links oben) sichtbar. Im Ausschuss wurde beraten, wie eine Sanierung aussehen soll. Foto: T&O Bauen und Umwelt GmbH

Die Schäden hätten außerdem zur Folge, dass Abwasser im Boden versickert – oder durch Undichtigkeit Grundwasser eindringt. „Die Schäden sind so groß, dass wir umgehend handeln müssen“, betont Dipl.-Ing. Christoph Wübbelt (Gemeinde).
Wie eine Sanierung aussehen kann, stellte Osterhues dem Ausschuss in zwei Ausführungen vor. In der ersten Variante wird der Mischwasserkanal, so wie es ihn momentan gibt, beibehalten. Demnach werde die Innenauskleidung mit robusten Platten, „die 50 bis 100 Jahre halten“, so Osterhues, erneuert. Fehlende Wandungsteile werden gefüttert, zudem soll eine Trockenwetterrinne angelegt werden. Diese sorgt für Erhöhung der Fließgeschwindigkeit bei Niedrigwasser und hilft zur Vermeidung von Ablagerungen innerhalb der Kanalisation. Stahlbetonteile sollen als „Deckel“ dienen. Vier Monate Bauzeit müssten für diese Art der Sanierung eingeplant werden, die Kosten beliefen sich auf rund eine Million Euro. Eine Durchführung der Arbeiten könne in zwei Abschnitten erfolgen.
Als zweite Variante soll das Schmutz- vom Regenwasser getrennt werden. Das sorgt durch die geringere Menge an geführtem Wasser letztendlich für einen niedrigeren Energieverbrauch in den Kläranlagen. Für dieses Vorhaben soll der jetzige Mischwasserkanal zum Regenwasserkanal werden. Dieses soll in den Holtwicker Bach abgeleitet werden, wozu neue Einlaufstellen angelegt werden müssten. Ein Schmutzwasserkanal muss neu gebaut werden. „Das sind rund 2400 Meter, auch die Hausanschlüsse müssten dazu angepasst werden“, erklärte Osterhues. Bei rund 160 Haushalten seien die Arbeiten nicht unerheblich. „Die Trennung der Netze ist teils mit hohen Kosten verbunden“, so Osterhues. Auch überirdisch würden durch Straßenerneuerungen umfangreiche Bauarbeiten anfallen. Auf die Frage zu Gesamtkosten kann Osterhues keine genauen Angaben machen. „Alle Kostenschätzungen würden daneben gehen“, sagte er. Hierzu werden umfangreiche Planungen im Vorfeld erforderlich.

Auf Dauer ist die Standhaftigkeit ernsthaft gefährdet.

Dipl.-Ing. Ingo Osterhues

„Wir nehmen in jedem Fall viel Geld in die Hand“, erläuterte Hermann Reints (Grüne) nach den Ausführungen, „dann müssen wir uns auch sicher sein, dass es zu der Entwicklung passt, die wir wollen.“ Ralf Fedder (WIR) plädierte für die effizienteste Lösung für die Gemeinde, Martin Branse (fraktionslos) regte an, den jetzigen Mischwasserkanal als Abwasserkanal zu nutzen und das Regenwasser oberirdisch in den Bach abzuleiten. Das sei aber nicht möglich, da dazu die Straße überquert werden müsse. Hinzu komme beim Umbau zu einem Trennsystem, dass an der Breslauer Straße/Oststraße mit der Trennung begonnen werden müsse. „Wollen wir wirklich ganz hinten anfangen und jeden Haushalt belasten?“, fragte Bürgermeister Christoph Gottheil. Der Ausschuss hat keinem Beschlussvorschlag zugestimmt – weitere Informationen sollen bis zur Ratssitzung am Mittwoch (2. 10.) eingeholt werden. In dieser soll dann auch die Entscheidung über die Sanierung fallen.

Fremdwasser stellt zusätzliches Problem dar

Eine zusätzliche Belastung für die Kanalisationen und Klärwerke stellt Fremdwasser dar, welches durch Undichtigkeit oder unerlaubte Anschlüsse in die Kanalisationen eindringt. Guido Steinert von der Gelsenwasser AG hat dem Ver- und Entsorgungsausschuss die Ergebnisse einer Untersuchung nach dem sogenannten Fremdwasserzuschlag vorgestellt. Er berichtete, dass sich dieser Zuschlag zwar innerhalb der drei Ortsteile unterscheidet, „generell aber sehr hoch ist.“ Überall liege der Zuschlag bei über 200 Prozent, heißt: Die Kanalisationen müssen mehr als doppelt so viel Wasser fördern, wie es durch bloßes Abwasser der Fall sei. Der größte Handlungsbedarf bestehe in Darfeld. Mit der Statistik der Gelsenwasser AG soll erreicht werden, Sanierungen zielgerichteter anzugehen. In einem nächsten Schritt soll nun ein Feinkonzept entwickelt werden.

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