Dauercamping-Plätze tasten sich in die Normalität zurück
Dankbar für „kleines Reich im Grünen“

Coesfeld. Die Vertikutierer auf den Rasenflächen laufen, die ersten Gäste aus dem Ruhrgebiet trudeln langsam wieder ein. Die Dauercampingplätze in Lette und Stevede sind bislang verhältnismäßig gut durch die Corona-Krise gekommen. In kleinen Schritten tastet man sich in Richtung Normalität zurück.

Donnerstag, 21.05.2020, 06:08 Uhr
Dauercamping-Plätze tasten sich in die Normalität zurück: Dankbar für „kleines Reich im Grünen“
Lisa Schröer und Christoph Hellkuhl von der Ferienanlage in Stevede freuen sich, dass sie die Spielplätze und die Sportanlage im Freien unter Beachtung der geltenden Regeln wieder in Betrieb nehmen durften. Fotos: Florian Schütte Foto: az

Ein kleines Holzhaus samt Garten, eine Terrasse und noch Platz für seinen Wohnwagen. „Was braucht man mehr?“, fragt Friedhelm Renkhoff. „Sobald das Wetter gut ist“, kommt der Reisebusfahrer in Kurzarbeit mit seiner Frau zum Platz von Münsterland-Camping Heitkamp in Lette, um „Heimaturlaub“ zu machen. Denn im Gegensatz zu vielen Campern aus dem Ruhrgebiet wohnt das Ehepaar in Horstmar. Doch Münsterland sei nicht gleich Münsterland. „Hier ist einfach noch ein bisschen mehr Lebensqualität“, meint der Dauercamper, der froh ist, auch in diesen Zeiten in Lette „an der Luft“ sein zu können.

Der Spielplatz gesperrt, die Sanitäreinrichtungen geschlossen, das Büro auf Notbetrieb umgestellt – als die Stadt Coesfeld am 18. März ihre Allgemeinverfügung zu Versammlungsverboten herausgab, hat der Dauercampingplatz schnell reagiert. „Als dann eine Woche später die bundesweite Kontaktsperre kam, hatten wir einiges schon vorweggenommen“, sagt Martin Heese. Der Inhaber des Dauercampingplatzes in Lette freut sich, damit bei seinen Campern auf großes Verständnis gestoßen zu sein. Konkret bedeutete dies, dass die Nutzer der gut 150 Parzellen gebeten wurden, Platzbesuche zu vermeiden. „Was die Regeln betrifft, gehen wir tendenziell etwas konservativer vor, weil bei uns Menschen aus vielen Gegenden zusammenkommen“, erklärt Heese. Die Regeln umfassen einen Mindestabstand zu den Mitarbeitern des Campingbetriebes von fünf Metern, untersagen Zusammenkünfte und Besuche von außerhalb auf den einzelnen Parzellen und ein Mundschutz-Gebot für alle öffentlichen Bereiche auf dem Platz. Das strikte Vorgehen hat sich bewährt: „Wir sahen uns zu keinem Zeitpunkt veranlasst, die Schranke zu schließen, denn die Disziplin unserer Camper ist einfach klasse“, berichtet der Campingplatz-Inhaber. Lange blieben er und seine Camper jedoch im Ungewissen, inwiefern Dauercamping überhaupt rechtlich zulässig ist. Erst am 11. April gab es Klarheit: Dauercamping wird nicht als Tourismus, sondern wie ein Zweitwohnsitz bewertet. „Da waren wir erleichtert, denn es geht für unsere Camper ja darum, sich – besonders in diesen schwierigen Zeiten – wohnortnah zu erholen“, meint Heese. Nun können die Camper unter Beachtung der Regeln ihr „kleines Reich im Grünen“ auch mit absoluter Rechtssicherheit wieder nutzen – da der Lockdown jetzt aufgehoben ist, sowieso.

Auch auf der Ferienanlage Hellkuhl in Stevede herrschte in den ersten Wochen Unsicherheit. „Wir haben mindestens einmal die Woche mit dem Ordnungsamt telefoniert und fühlten uns von Herrn Brüggemann wirklich gut beraten“, lobt Christoph Hellkuhl die Arbeit der Stadt. „So konnten wir auch den Campern ein gutes Gefühl geben“, fügt Lisa Schröer hinzu. „Die sind alle total dankbar, dass sie herkommen dürfen.“

Dennoch mussten auch in Stevede Spielplatz, Sanitäranlagen und die gerade frisch renovierte Gaststätte geschlossen werden. „Das tat uns schon weh“, sagt Lisa Schröer. In der Zwischenzeit gab es zumindest sonntags außer Haus verkauften Kuchen für die Camper. Für Durchgangscamper, die jedoch vor allem in den Sommermonaten mit Zelt und Fahrrad vorbeischauen, musste die Ferienanlage allerdings weiterhin geschlossen bleiben. „Das werden wir auch vorerst definitiv noch nicht wieder zulassen – zum Schutz unserer älteren Dauercamper“, informiert Hellkuhl. „Sehnsüchtig herbeigesehnt“ hat er jedoch die Wiedereröffnung des Spielplatzes. „Die Kinder hatten schon mit den Hufen gescharrt“, lacht Hellkuhl, für den die geltenden Abstands- und Hygieneregeln „das Maß aller Dinge sind“. Ein Mundschutz-Gebot gebe es jedoch nicht. „Einige machen das freiwillig, aber wir versuchen, uns ein Stück Normalität zu bewahren, wo man sich wohlfühlt“, sagt Lisa Schröer. Nun geht es weiter in kleinen Schritten voran.

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