Reisebüros haben immer noch mehr mit Stornierungen als mit Neubuchungen für die Ferien zu tun
Lieber mit dem Auto statt dem Flieger

Coesfeld. Die Schaufenster-Deko im Reisebüro ABC Touristik von Eva Jayatilaka lässt es schon erahnen: ein Gipfelkreuz, ein Bild einer Alpenhütte und Reiseangebote für Deutschland und Österreich. Die Coesfelder verbringen ihren Urlaub an Zielen, die man noch gut mit dem Auto erreichen kann. „Die eine oder andere Flugreise wird zwar angefragt für die Ferien, aber es kommt selten zu Buchungen“, berichtet die Inhaberin. Stark gefragt seien Ziele in der näheren Umgebung, aber die seien nur noch schwer zu bekommen. „An der Nord- oder Ostsee hängen schon die Beine raus. Viele der Reisen wurden ja bereits im vergangenen Jahr gebucht“, so Eva Jayatilaka. „Wir können dann noch Österreich, den Schwarzwald oder auch das Sauerland empfehlen, wenn man einfach nur mal kurzfristig raus will.“

Dienstag, 30.06.2020, 06:32 Uhr
Reisebüros haben immer noch mehr mit Stornierungen als mit Neubuchungen für die Ferien zu tun: Lieber mit dem Auto statt dem Flieger
Eva Jayatilaka, Inhaberin des Reisebüros ABC Touristik, hat aktuell mehr mit Stornierungen als mit Neubuchungen für die Sommerferien zu tun. Wenn die Coesfelder verreisen, dann meist zu den Zielen, die auch gut mit dem Auto zu erreichen sind – innerhalb Deutschlands oder nach Österreich zum Beispiel. Foto: Jessica Demmer

Insgesamt sei das Buchungsverhalten noch sehr gebremst. „Da gibt es zwei Lager. Die einen sind sehr gelassen und freuen sich, die anderen machen von den Kulanzstornos Gebrauch.“ Sie habe immer noch mehr mit Stornierungen zu tun, als mit Neubuchungen. „Die haben wir hin und wieder auch noch für die Ferien, das ist aber eher die Ausnahme“, sagt sie offen.

Im Reisebüro Klöpper sieht das Buchungsverhalten nicht anders aus. „Die meisten stornieren ihre Reisen, auch wenn sie rein theoretisch möglich wären“, berichtet Geschäftsführer Heinrich Klöpper. „Türkei und Tunesien sind bis Mitte Juli allerdings ausgesetzt. Unsere Gruppenreisen können wir aktuell auch nicht anbieten“, beschreibt er die Lage. Seine Mitarbeiterin Christina Smyra ergänzt: „80 Prozent der Kunden fahren nach Deutschland und Holland. Kroatien ist auch gefragt, weil man dort noch mit dem Auto hinfahren kann.“ Dementsprechend verhält es sich auch mit Dänemark und Schweden, wo ein Urlaub allerdings aktuell erst ab einer Woche Aufenthalt möglich sei. Flugreisen auf die Balearen oder Kanaren gebe es auch hin und wieder. „Wir geben die Infos, wie es sich im Flugzeug oder in den Hotels verhält, an unsere Kunden weiter, aber am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob, wie und wohin er reisen möchte.“

Deutsche Reiseziele seien schon sehr ausgebucht. „Hotels sind dabei noch besser zu bekommen als Ferienwohnungen, die sehr gefragt sind. Auch zwei Personen suchen danach, sonst waren es oft eher Familien“, so Christina Smyra. „Ein paar Angebote gibt es auch kurzfristig noch, aber die hängen stark vom Geldbeutel ab.“

Ausschließen, dass es in kleineren Orten an der deutschen Küste noch etwas gibt, mag Gerburgis Grotthoff vom Reisebüro Meimberg zwar nicht. „Aber es ist schon knapp. Im Harz gibt es vielleicht noch etwas.“ Auch sie seien aktuell mehr mit dem Lesen aktueller Reisehinweise des Auswärtigen Amtes und Stornierungen beschäftigt als mit Neubuchungen. „Eine Kundin wollte ihren Madeira-Urlaub im August zur Ostsee im September umbuchen, aber die Angebote sind wirklich rar“, nennt die Büroleiterin ein Beispiel. Den Sommerurlaub für 2021 könne man jetzt noch nicht buchen. Die entsprechenden Angebote gebe es meistens ab Herbst. Ob sich bis dahin das Buchungsverhalten ändert, steht noch in den Sternen. „Dazu müssen wir erstmal die weitere Entwicklung abwarten.“

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