Gastronomen halten mit Kritik am „Lockdown Light“ nicht hinter dem Berg
„Mit Gans to go“ durch die Krise

Billerbeck (ugo). Mit teilweise harscher Kritik reagieren die von uns befragten Gastronomen der Domstadt auf den Lockdown Light, um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Von „Unverschämtheit“ ist da die Rede, von „tiefer Enttäuschung“, von „Opfer“ und dass man „stinksauer“ sei. Teilweise zeigen die Befragten aber auch ansatzweise Verständnis. Einig sind sie sich in dem Punkt, dass es nicht die Richtigen treffe. „Wir haben doch alles Mögliche getan, um die Hygienemaßnahmen umzusetzen“, erklärt Petra Groll von der Domschenke. „Bei uns hat sich nach unserem Wissen keiner angesteckt.“

Sonntag, 01.11.2020, 16:02 Uhr
Gastronomen halten mit Kritik am „Lockdown Light“ nicht hinter dem Berg: „Mit Gans to go“ durch die Krise
Am Sonntagabend wird Guido Mertens diese Tür des Ludgerusbrunnens wegen der Corona-Schutzmaßnahmen für vier Wochen abschließen müssen, genau wie seine Gastronomie-Kollegen ihre Restaurants auch. Foto: Uwe Goerlich

Auch Guido Mertens vom Ludgerusbrunnen erinnert daran, dass die Statistiker von einer sehr niedrigen Ansteckungsquote in den Wirtshäusern ausgingen. „Für Verbote von Großveranstaltungen oder Disco-Betrieben hätte ich ja noch Verständnis“, meint er. Er habe nie damit gerechnet, dass es nun wieder Restaurants und Hotels treffe. „Wir haben einfach keine gute Lobby in Berlin“, schimpft er enttäuscht. Er will im November einen Abholservice für zubereitete Speisen in seinem zweiten Geschäft „Mertens meets Homoet“ einrichten. Das erwägt übrigens auch die Domschenke, unter anderem mit einer originellen Variante „Gans to go“, verrät Petra Groll.

Allerdings verweisen die Gastronomen darauf, dass noch Klärungsbedarf hinsichtlich der 75%-Entschädigung auf Basis des Vorjahresmonats bestehe.

Für Tinus Niehoff von der Weissenburg kommt hingegen ein To-Go-Angebot nicht in Frage. Der Aufwand sei für die vergleichsweise wenigen Gerichte einfach zu groß, wenn man einen solchen Service anbieten würde. Wie den anderen Gastronomen bleibt auch ihm nichts anderes übrig, als sein Team in Kurzarbeit zu schicken. „Wir hoffen, dass wir mit dem Weihnachts- und Silvestergeschäft ein wenig Boden gut machen können“, schaut er in die Zukunft und sagt fast trotzig: „Wir sind einmal durchgekommen, das schaffen wir auch noch ein zweites Mal.“

Aus seiner Enttäuschung macht auch Klaus Osthues vom Sportpark keinen Hehl, zumal er gerade erst in vier neuartige Filtergeräte investiert hat, mit denen die Viren weitgehend abgetötet werden können. Allerdings zeigt er auch Verständnis dafür, dass Maßnahmen erforderlich sind, um die stark ansteigende Verbreitung von Corona-Viren einzudämmen, auch wenn darunter nun bedauerlicherweise die Gäste zu leiden hätten. „Wir müssen die zweite Welle brechen, dazu gibt es keine Alternative“, nimmt er kein Blatt vor den Mund. Er geht sogar davon aus, dass die Schließung im November womöglich alleine nicht ausreichen werde, um die Verbreitung auf ein vertretbares Maß herunterzufahren. „Ich hoffe, dass ich damit Unrecht habe.“

Schwierige Zeiten sieht auch Peter Mettenborg vom Billerbecker Hof auf sich und die Branche zurollen. Wie seine Kollegen muss er mit Stornierungen, teilweise auch schon für Dezember, klarkommen. „Mit der Schließung verlagern wir die Treffen in den privaten Bereich, wo sie – anders als bei uns – keiner mehr nachverfolgen kann“, bemerkt er bitter. Mitarbeiter der Ordnungsämter hätten mehr kontrollieren müssen, um ungezügelte Kontakte in den Griff zu bekommen. Wie die anderen Befragten strahlt er zum Schluss Optimismus aus. „Wir stecken jetzt nicht den Kopf in den Sand und kommen da auch noch durch!“

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