Leonie Borchers läuft die Konkurrenz aus den Schuhen / Platz eins über 2 000 m
Der lange Spurt zu Gold

Billerbeck. War das ein Rennen! Im Ziel schlug sie die Hände vors Gesicht. Leonie Borchers konnte ihr Glück kaum fassen. „Ich wollte auf keinen Fall Letzte werden“, meinte sie hinterher, „nie und nimmer hab’ ich damit gerechnet, dass ich hier gewinnen würde.“

Mittwoch, 03.05.2017, 17:19 Uhr

Leonie Borchers läuft die Konkurrenz aus den Schuhen / Platz eins über 2 000 m : Der lange Spurt zu Gold
Mit Volldampf zum Titel: Leonie Borchers (Nr. 126), das Nachwuchstalent vom VfL Billerbeck. Fotos: Wolfgang Birkenstock Foto: az

Die Kleinste im Feld war die Größte. Leonie Borchers, die neue NRW-Meisterin über 2 000 m in der Altersklasse W 14 (Jahrgang 2003), hatte ihre alte Bestzeit (7:25,17 Minuten in Stadtlohn 2016) in alle Einzelteile zerlegt. 6:54,15 Minuten ist sie auf der Ludwig-Wolker-Anlage in Neuss gerannt.

Gary Kapluggin hatte das Drehbuch für diese Meister-Story geschrieben. Er ist der Trainer, der Regisseur und Leonie Borchers die Hauptdarstellerin. „Eine Woche vorher haben wir einen 1 000-m-Test auf der Bahn in Billerbeck gemacht. Dort lief sie eine 3:20, und da wusste ich, dass sie unter sieben Minuten bleiben würde“, erzählte Kapluggin, ein gebürtiger Neuseeländer, der die 10 000 m unter 30 Minuten gelaufen ist, „weil ihr Finish noch ausbaufähig ist, sollte sie einen langen Spurt ziehen. Das ist ihre Stärke!“

Gesagt, getan! Als die letzte Runde eingeläutet wurde, stürmte Leonie Borchers los. Marlene Böhm (SSF Bonn) und Amelie Klug (LG Remscheid), die beiden Hauptkonkurrentinnen, hefteten sich verzweifelt an ihre Fersen. „Bounty“, wie Gary Kapluggin seine hochtalentierte Langstrecklerin kurz ruft, ließ nicht locker, bolzte weiter ein verdammt hohes Tempo und lief ihre Verfolgerinnen aus den Schuhen.

Zu den ersten Gratulanten zählten der gleichaltrige Julius Werner und die ein Jahr ältere Merle Erfmann, die ebenso die blauen Vereinsfarben vom VfL Billerbeck in Neuss vertreten haben. Werner erreichte 7:54,54 Minuten über 2 000 m und Erfmann 12:32,86 Minuten über 3 000 m.

Leonie Borchers war natürlich hin und weg. Auch die Eltern strahlten. Papa Markus und Mama Petra hatten ihrer Tochter feste die Daumen gedrückt. Gary Kapluggin war happy. „Der Aufwand hat sich gelohnt“, freute sich der Erfolgscoach, „die letzten zwei Wochen haben wir viermal die Woche trainiert. Normal sind drei Einheiten.“ Ein strammes Pensum! Doch Leonie Borchers, die zur Geschwister-Eichenwald-Schule geht („Meine Lieblingsfächer sind Sport und Kunst“), ist ein Energiebündel. Nichts ist ihr zuviel! Wenn das „Golden Girl“ so weiter macht, wird sie in Zukunft für noch mehr Schlagzeilen sorgen.

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