Billerbeck
Abitur, Studium und vielleicht ein Profivertrag

Billerbeck (uh). An den Feiertagen hat er genug um die Ohren. Ruhe und Besinnlichkeit? Ach was! Michel Heßmann muss trainieren – und auch noch pauken. „Ich mach’ im nächsten Jahr mein Abitur.“ Er geht aufs Gymnasium Nepomucenum in Coesfeld. Deutsch und Englisch sind seine beiden Leistungskurse.

Sonntag, 23.12.2018, 14:00 Uhr aktualisiert: 24.12.2018, 05:04 Uhr
Billerbeck: Abitur, Studium und vielleicht ein Profivertrag
Ein Geschoss auf zwei Rädern: Michel Heßmann auf seiner Zeitfahrmaschine der Marke Canyon. Foto: Hennes Roth

Angela Bülo, die Nepo-Leiterin, zeigt großes Verständnis für seine sportlichen Ambitionen. Sie kommt ihm entgegen. „Da kann ich nicht meckern“, sagt er und denkt an die vielen Fehltage: „2018 war ich sechs Wochen nicht in der Schule.“ Warum? „Trainingslager, Lehrgänge mit der Nationalmannschaft, WM-Vorbereitung“, nennt Heßmann plausible Gründe für sein Fehlen, „ich war regelmäßig unterwegs, aber stets entschuldigt.“

Auf der Sonneninsel Mallorca weilte er 16 Tage, im Schwarzwald acht Tage und in Stuttgart vier Tage. „Das ist kein Urlaub. Da wird trainiert“, erzählt Michel Heßmann, „im Schwarzwald haben wir 1100 Kilometer zurückgelegt – plus Krafttraining.“ In Italien war er auch eine Woche lang. Mit seinen Kaderkollegen startete Heßmann beim Giro della Luigina, einem Fünf-Etappen-Rennen, bei dem er die Nachwuchswertung gewann – und dann kam die Weltmeisterschaft in Innsbruck.

Die Reiserei gefällt ihm. „Das ist das Schönste“, betont er, „da sieht man sehr viel!“ Seine Schulbücher hat er immer dabei. Zwischen den Trainingseinheiten wird gebüffelt. „Im Monat Juni war’s stressig“, berichtet Heßmann, „da standen acht Klausuren auf dem Programm, vier davon musste ich nachschreiben. Heftig.“

2019 ist alles anders. „Das Abitur hat absolute Priorität!“ Er ist total entspannt. Angst? „Hab’ ich nicht“, antwortet Michel Heßmann, „ich schaff’ das schon.“ Zwei Trainingslager auf Mallorca im Frühjahr hat er extra abgeblasen, um sich gezielt auf sein Abi vorzubereiten.

Was danach kommt, weiß er auch. „Ich habe einen klaren Plan“, so Michel Heßmann, „und möchte studieren. Aber kein normales Präsenzstudium, sondern ein Fernstudium über zehn Semester.“ An der Hochschule Ansbach in Mittelfranken wird der Studiengang „International Management“ speziell für Spitzensportler angeboten. Andere Fahrer aus dem Nationalteam zeigen ebenfalls Interesse. „Ja“, bestätigt Heßmann. „sie haben die gleiche Idee.“ Dass die Kombination aus Studium und Hochleistungssport funktionieren kann, haben die Biathletin Franziska Hildebrand, Doppel-Weltmeisterin mit der Staffel, Skirennfahrer Fritz Dopfer, Vize-Weltmeister im Slalom, oder Moritz Geisreiter einer der besten deutschen Eisschnellläufer, bewiesen. Sie haben in Ansbach ihren Abschluss erfolgreich abgelegt.

Ob Michel Heßmann eines Tages einen Profivertrag bei einem Rennstall unterzeichnen wird, steht noch in den Sternen. Als bester deutscher Zeitfahrer der Altersklasse U 19 ist er natürlich ein gefragter Mann. „Ich möchte mich aber nicht zu früh spezialisieren.“ Tony Martin, der mehrmalige Zeitfahr-Weltmeister, beim Start des Sparkassen Münsterland Giros auf dem Coesfelder Marktplatz live dabei, war früher sein Vorbild. Mittlerweile favorisiert er den Niederländer Tom Dumoulin, Erster beim Giro d’Italia 2017, Zweiter bei der Tour de France 2017 und 2018, Weltmeister im Einzel- und Mannschaftszeitfahren 2018. „Den find ich von der Fahrweise richtig stark.“

Tom Dumoulin ist in der Tat extrem vielseitig. „Das ist auch mein Ziel“, erklärt Michel Heßmann, „ich möchte später mal auf die Gesamtwertung fahren – und wenn ich ein bisschen mehr für den Sprint trainiere, kann ich auch da noch besser werden.“ Mit gerade mal 17 Jahren hält er sich alle Türen sperrangelweit offen.

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