Billerbeck
Abstiegsalarm in der Domstadt

Billerbeck. Es war bereits die 13. Niederlage in dieser ach so verflixten Serie. Steffen Szymiczek wollte von einem schlechten Omen nichts wissen. „Im Gegenteil“, konterte er, „die Jungs haben gezeigt, dass sie da unten herauswollen.“ Ihm hat der Auftritt seines Personals durchaus gefallen, auch wenn das 0:3 gegen den Tabellendritten Vorwärts Epe am Ende verdient war.

Montag, 18.02.2019, 15:44 Uhr aktualisiert: 18.02.2019, 15:48 Uhr
Billerbeck: Abstiegsalarm in der Domstadt
Hans-Dampf-in-allen-Gassen: Julian Lutum ist nicht aufzuhalten. Foto: az

„Die Grundtugenden, die im Fußball zählen, habe ich gesehen: Kampf, Wille und Leidenschaft“, meinte der Billerbecker Trainer, „das ist eine gute Erkenntnis.“ Er habe keinen Bammel vor den kommenden Aufgaben.

Im ersten Durchgang hatte Steffen Szymiczek „ein Chancenplus auf unserer Seite“ entdeckt. Matthias Möllering (35. Minute), Felix Leimkühler (43.) und Julian Lutum (45.), der den Pfosten anvisierte, hatten den Torschrei schon auf den Lippen, doch José Carlos da Silva Fernandes, der Keeper mit dem ultra-langen Namen, hatte den Papst in der Tasche. Ihm war Glücksgöttin Fortuna hold. „Natürlich gab es auch Möglichkeiten für den Gegner“, fügte Szymiczek hinzu, „Epe ist eine quirlige Mannschaft, die deutlich mehr Ballbesitz hatte und mit viel Geduld die Angriffe vorbereitet hat.“ Doch defensiv hatten die Hausherren eine prima Vorstellung abgeliefert. „Wir haben immer wieder prima verschoben und dadurch die Räume eng gemacht“, lobte er, „und wenn wir die Kugel erobert hatten, wurden sofort schnelle Konter gefahren.“

Allerdings blieb ihnen bei allem Bemühen ein Erfolgserlebnis im Offensivspiel verwehrt. „Vorn“, klagte Steffen Szymiczek, „fehlte uns das letzte Quäntchen.“ Das hatten dafür die Gäste bei ihrer Führung durch Luca Laufer (53.), den brandgefährlichen Angreifer, der aus abseitsverdächtiger Position zu Beginn der zweiten Hälfte das 1:0 erzielte. Wütende Proteste begleiteten Referee Michael Austermann. Szymiczek ließ sich zu keinem Kommentar über den Unparteiischen verleiten und verwies lieber auf die eigenen Spieler sowie die Zuschauer, die den Schützen gleichermaßen im Abseits gesehen hatten. Laufer bekam den Treffer dennoch gutgeschrieben.

So viel Dusel fehlte Jungspund Julian Lutum (65.), den Szymiczek aus der eigenen Reserve hoch geholt hatte, wenig später bei seinem Gewaltschuss, der von José Carlos da Silva Fernandes mit einem Wahnsinnsreflex über den Querbalken geboxt wurde. Mit dem Ausgleich wäre diese Auseinandersetzung erneut offen gewesen. Stattdessen kippte sie endgültig zu Gunsten der Gäste durch das humorlose Einsteigen von Thomas Aupert (68.), der wild über die Grasnarbe angeflogen kam und Matthias Naber umnietete. Warum er seinem Gegenspieler von hinten derart ungestüm in die Beine rauschte, bleibt sein Geheimnis. In Höhe der Mittellinie, wo nun wirklich keine Gefahr drohte, war diese Aktion so überflüssig wie ein Kropf. Michael Austermann kannte kein Pardon und zeigte ihm den roten Karton. Für „Aupi“, der dank seiner Erfahrung eigentlich vorangehen müsste statt seine Mannschaft unnötig zu schwächen, war der Sonntag gelaufen – und für seine Kollegen das Spiel verloren.

Die eigentlich faire Auseinandersetzung entpuppte sich fortan als „Mission impossible“. Denn in Unterzahl war der Rückstand nun wirklich nicht mehr aufzuholen, wie Szymiczek bemerkte, zumal kurz nach der Hinausstellung der Nummer 10 wiederum Luca Laufer (75.) auf 2:0 erhöhte und Julius Wieland (85.) in der Schlussphase noch das 3:0 folgen ließ, wobei Andreas „Pommes“ Lembeck die Kugel unhaltbar für den tadellosen Max Mertens abfälschte. Wieland (86.) und Regisseur Saffet Semer (89.) hätten das Resultat gar noch deutlicher gestalten können.

Nach dieser Heimpleite bleibt die Schlussleuchte am Helker Berg, wo weiterhin Alarmstufe rot herrscht. Dass der Klassenerhalt in Gefahr ist, wissen alle Beteiligten. Vor allem die beiden Hauptdarsteller des letztjährigen Aufstiegsmärchens, Steffen Szymiczek und Philipp Daldrup, müssen jetzt versuchen, das Team wieder auf Kurs zu bringen. Szymiczek ist als Coach und Motivator gefragt, Daldrup als sein „Co“ und möglicherweise auch als Spieler, wie in der vergangenen Saison. Damals gab er auf dem Kunstrasen die Kommandos, war der verlängerte Arm von Szymiczek und glänzte obendrein als Torschütze.

Aber er allein kann die Wende zum Guten auch nicht realisieren. Dazu bedarf es einer kollektiven Leistungssteigerung. „Nur zusammen werden wir die Liga halten“, hatte Steffen Szymiczek schon vorher mitgeteilt, „alle müssen mitziehen!“ Dass seine Schützlinge gewillt sind, den Tabellenkeller zu verlassen, war ihnen deutlich anzumerken. Am Einsatz hat’s gewiss nicht gelegen, dass sie ohne Ertrag in die Kabine gestiefelt sind. Dass Adler Weseke, ein unmittelbarer Mitkonkurrent, völlig überraschend den Tabellenvierten TuS Haltern II mit 2:1 in die Knie gezwungen hatte, heiterte die ohnehin finsteren Mienen der Domstädter auch nicht auf. Vor diesem Spiel noch gleichauf, ist Weseke ihnen nunmehr um drei Zähler in der Tabelle voraus.

Der Rückschlag hat natürlich weh getan. Doch die Billerbecker haben die Hoffnung längst nicht aufgegeben, dass bald wieder bessere Tage folgen werden. Den Glauben an den vierten Saisonsieg lassen sie sich nicht nehmen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6401762?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947787%2F947815%2F
Nachrichten-Ticker