Billerbeck
Tipps und Tricks zeigen Wirkung

Billerbeck. Die ersten Videos von Trainingseinheiten sind bereits per WhatsApp auf seinem Handy gelandet. Der heiße Draht nach Uganda steht auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland – und dank der Filmchen kann sich Helmut Martin davon überzeugen, was sich durch seinen Besuch in der Handball-Szene des afrikanischen Landes geändert hat. „Sie waren überrascht, was möglich ist, aber auch sehr dankbar für die vielen Tipps“, lächelt der Billerbecker, der sehr positiv auf seine zwei Wochen vor Ort zurückblickt: „Ich habe wie vor zwei Jahren in Simbabwe das Gefühl, dass sich richtig was bewegt hat.“

Samstag, 06.07.2019, 14:20 Uhr
Billerbeck: Tipps und Tricks zeigen Wirkung
In Trikots der deutschen Nationalmannschaft trainiert die ugandische Auswahl ab sofort. Helmut Martin (3. von rechts) übergab die Garnitur an Handball-Präsidentin Sheila Richardson. Foto: az

„Handball at school“ lautet der Titel des Programms der International Handball Federation (IHF), für das Martin bereits zum siebten Mal in aller Welt unterwegs war. Und erreicht hat er diesmal nicht nur Lehrer, die den Sport in ihren Schulen weitervermitteln sollen, sondern auch etliche Trainer. „Viele von denen waren als Zuschauer bei den Lehrer-Fortbildungen dabei, weil es sie interessiert hat“, erzählt der 69-Jährige. Zudem profitierte er davon, mit Jimmy Orotin über einen Begleiter zu verfügen, der bereits ein Trainerseminar in Leipzig absolviert hat.

Folglich ist er guter Hoffnung, dass sich in der Trainingsgestaltung tatsächlich nachhaltig etwas verändert. Denn sein erster Eindruck war immer gleich, auch bei Einheiten mit der besten Schulmannschaft des Landes, dem besten Frauenteam und der ugandischen Frauen-Nationalmannschaft. „Die sind erstmal 15 Minuten um das Feld gelaufen“, berichtet er von den typischen, wenig zeitgemäßen Aufwärmübungen. „Das lässt sich doch alles spielerisch verpacken, um auch für Motivation und Konzentration zu sorgen.“ 10 bis 15 Spiele hat er in seinen Kursen vermittelt, die teilweise mehrere Abläufe vereinen. „Solche komplexe Übungen waren da völlig unbekannt.“

Der Vergleich zu Simbabwe, wo Helmut Martin vor zwei Jahren tätig war, lag auf der Hand. Insgesamt habe Kampala, die Hauptstadt Ugandas, noch ärmlicher und ungewohnter als Harare gewirkt. „Dafür ist der Handball dort deutlich weiter entwickelt“, urteilt der langjährige Trainer der DJK/VBRS-Damen. „In Uganda gibt es einen Ligabetrieb und teilweise richtig gute Schulmannschaften.“ Hallen stehen allerdings nicht zur Verfügung, was in der gewitterreichen Region mit hoher Luftfeuchtigkeit bisweilen zu Problemen führe. „Dann gibt es Unwetter und alles steht unter Wasser“, berichtet er. Gut eine Stunde geht nichts, dann ist der Spuk wieder vorbei.

Außerhalb des Platzes standen für Helmut Martin unter anderem Treffen mit Sheila Richardson, Präsidentin des ugandischen Handballverbandes und Mitglied des Nationalen Olympischen Komitees, und in der deutschen Botschaft an. An den beiden freien Tagen ging es für den ehemaligen Lehrer für Sport und Erdkunde am Gymnasium Nottuln zu den Nilquellen – und tatsächlich exakt zum Äquator. „Überfolgen hatte ich ihn schon einige Male, aber jetzt stand ich zum ersten Mal direkt drauf“, lächelt Martin, der staunte, wie intensiv die verschiedenen Kräfte innerhalb nur weniger Meter wirken.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass sich die Trainingsarbeiten in den Vereinen und Schulen positiv verändert. Denn ob es Geld sei, Materialien oder Bälle, an allem fehle es in Uganda, und leider sei es angesichts der Portokosten von über 130 Euro pro Paket auch schwierig, Dinge dorthin zu bekommen. Umso dankbarer zeigte sich die Frauen-Nationalmannschaft, die sich für die Afrika-Meisterschaft qualifiziert hat, für die Tasche, die Helmut Martin ihnen überlassen hat. Der Inhalt: aussortierte und original getragene Trikots der deutschen Handball-Ladies, die nun stolz bei den Trainingseinheiten in Uganda getragen werden.

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