Billerbeck
Ratlos im Regen

Billerbeck. Das Gefühl, das System irgendwie umstellen zu müssen, letztlich aber keinen Plan zu haben, was tatsächlich hilft – eine Erfahrung, die Yannick Gieseler gewiss noch nicht häufig in seinem Trainerleben machen musste. Diesmal aber war es so. „Ich hatte keine Idee, wie wir dieser Spielweise der Merfelder begegnen sollten“, zuckt er mit den Schultern. „Da fühlte ich mich ehrlich gesagt überfordert.“ Das waren seine Spieler an diesem fiesen Nachmittag auf dem kleinen Kunstrasen auch, so dass der VfL Billerbeck beim 0:3 in jeder Hinsicht nass gemacht wurde.

Dienstag, 22.10.2019, 11:03 Uhr aktualisiert: 22.10.2019, 11:10 Uhr
Billerbeck: Ratlos im Regen
Extrem schwer hatte es Philipp Daldrup (rechts) in der Zentrale des VfL: Wie seine Teamkollegen wurde er in jeder Szene in Zweikämpfe verwickelt, wie hier von Linus Waltering. Foto: Frank Wittenberg

Unter dem Strich eine Niederlage, die den Trainer nicht so schmerzt wie so manche zuvor. „Weil wir an diesem Tag einfach keine Chance hatten“, gibt Gieseler zu. „Merfeld hat es einfach clever gemacht.“ Maximal zwei Ballkontakte in der eigenen Hälfte, dann flog die Kugel an den Strafraum der Billerbecker. Die produzierten bei ihren Abwehrversuchen eine Reihe von Einwürfen, die Jan Kersen grundsätzlich wie scharf getretene Flankenbälle in die Gefahrenzone brachte. „Mit diesen vielen Standards haben sie uns zermürbt“, stellt der VfL-Trainer fest. Die eigenen Versuche eines Spielaufbaus wurden von den zweikampfstarken Gastgebern im Keim erstickt. „Das war der Unterschied“, erklärt Gieseler. „Auf den Mittelpositionen war es so eng, dass wir die Bälle gleich wieder verloren haben – Merfeld hat seinerseits das Mittelfeld mit den langen Bällen einfach überspielt.“

Jetzt ist es ja nicht so, als wenn die Billerbecker nicht eine Reaktion probiert hätten. Yannick Gieseler zog schon früh die Notbremse, brachte mit Leon Holtmann für Niklas Kuhlage einen Zielstürmer und zog Philipp Daldrup eine Position zurück. „Pepe sollte die Bälle per Kopf nach vorne verlängern“, erläutert der Trainer die taktische Maßnahme, die allerdings nur bedingt funktioniert hat. „Mit einer bestimmten Art von Fußball hätten wir Merfeld den Zahn ziehen können“, ist er sich sicher. „Aber die war hier einfach nicht möglich.“

Eine Niederlage beim Tabellenvierten muss nicht als Drama angesehen werden. Gleichwohl weiß der Trainer, dass sich der Druck vor dem nächsten Heimspiel, das schon am Samstag (26. 10.) um 13 Uhr am Helker Berg gegen den RC Borken-Hoxfeld ausgetragen wird, wieder etwas erhöht hat. Vier Punkte beträgt der Vorsprung des VfL noch auf den vierten Abstiegsplatz, den eben diese Borkener aktuell mit zehn Zählern einnehmen. „Gerade in den Heimspielen müssen wir das Polster nach unten ausbauen“, fordert Gieseler, der seiner Mannschaft grundsätzlich eine hervorragende Entwicklung bescheinigt. Eine Platzierung zwischen Rang acht und zehn in der Bezirksliga hält er für realistisch – aber selbstverständlich werden sie nie den Blick nach unten verlieren. „Wir dürfen nicht vergessen, dass diese Mannschaft vor der Saison faktisch abgestiegen war“, betont der 35-Jährige. Mit einem fast identischen Kader und ohne externen Neuzugang spiele das Team bisher eine gute Saison: „Ich sehe die Jungs auf einem super Weg.“ Auch wenn sie an diesem verflixten Nachmittag in Merfeld 90 Minuten ratlos im Regen standen.

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