Fußball: Yannick Gieseler hält ruhenden Spielbetrieb für richtig und wichtig
„Allein die Gesundheit zählt“

Billerbeck. Die Nachmittagsgestaltung unterlag völlig neuen Perspektiven. „Wir sind uns noch gar nicht einig“, musste Yannick Gieseler passen. „Das ist ungewohnt, plötzlich so viel Freizeit zu haben.“ Denn auf dem Platz stand der Trainer des VfL Billerbeck gestern nicht, und das wird mindestens an den nächsten fünf Wochenenden so bleiben – der Coronavirus legt den Sport lahm, was für den 36-Jährigen völlig in Ordnung ist: „Im Vordergrund steht doch, dass alle gesund bleiben.“

Montag, 16.03.2020, 06:54 Uhr aktualisiert: 16.03.2020, 07:00 Uhr
Fußball: Yannick Gieseler hält ruhenden Spielbetrieb für richtig und wichtig: „Allein die Gesundheit zählt“
Yannick Gieseler, Trainer des VfL Billerbeck. Foto: az

Am Donnerstagabend lief das Training noch wie gewohnt am Helker Berg. Gestern sollte das Heimspiel gegen den TuS Wüllen ausgetragen werden. „Wir haben uns gut vorbereitet“, sagt Gieseler. „Diese Dynamik war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen.“ Im Laufe des Abends sei zu ihm bereits durchgesickert, dass der Verband eine komplette Absage der nächsten Spieltage plant, was sich am Freitagmittag bestätigte. Für „richtig und konsequent“ hält der VfL-Trainer diese Maßnahme: „Es muss ja befürchtet werden, dass es immer mal wieder Infizierungen gibt.“ Und enger Körperkontakt in den Spielen sei normal.

Yannick Gieseler reagierte sofort und setzte den Trainingsbetrieb für zunächst zwei Wochen komplett aus. „Danach müssen wir neu bewerten“, erklärt er – wobei von den Vereinen bereits die Ansage erfolgt ist, bis zum Ende der Osterferien die kompletten Spiel- und Trainingsaktivitäten ruhen zu lassen. Das könnte für die Trainer und Spieler noch kompliziert werden, wenn denn nach dem 19. April der Betrieb wieder freigegeben werde. „Fünf Wochen nichts machen und dann direkt wieder spielen, das ist ja auch nicht machbar“, betont Gieseler. „Wir werden die Jungs ja erst physisch wieder aufbauen müssen.“ So bleibt die Hoffnung, dass die Spieler sich in der Zwischenzeit je nach Möglichkeit individuell fit halten – und nicht zehn Mann mit Übergewicht auf dem Feld stehen, wenn es weitergeht.

Wie es dann tatsächlich weitergeht, das ist die große Frage. Sollte ab dem 20. April wieder gespielt werden können, hat der VfL Billerbeck ebenso wie der Bezirksliga-Konkurrent SV Gescher satte sieben Nachholspiele angesammelt – beim Ligarivalen VfB Alstätte wären es sogar zehn. Der letzte Spieltag ist für den 24. Mai angesetzt, was folglich nicht einmal mit „Englischen Wochen“ aufzuholen wäre. „Ich halte das für nicht machbar“, bezieht Gieseler Stellung. Persönlich hätte er kein Problem damit, die Saison bis Ende Juni auszudehnen, was für die Teams wiederum eine extrem kurze Sommerpause mit sich bringen würde.

Alternative Abbruch der Saison? „Vielleicht muss es so sein“, zuckt der 36-Jährige mit den Schultern. Ohne Auf- und Absteiger, alles auf null stellen bis zum Sommer. Eine extrem bittere Regelung für die aktuellen Spitzenreiter, dessen ist er sich bewusst: „Es wird keine faire Regelung geben.“ Völlig egal, was beschlossen werde, es werde immer Vereine geben, die es dadurch hart treffe. Auch die aktuelle Tabellensituation als Endstand zu werten, werde wohl nicht funktionieren. „Im schlimmsten Fall gibt es dann eine Klagewelle“, schüttelt er den Kopf. „Das brauchst du auch nicht.“

Alles Gedankenspiele, die für Yannick Gieseler höchstens an zweiter Stelle stehen. Denn zu lösen seien jetzt ganz andere Probleme, global angesichts der Verbreitung des Virus und ganz privat mit der Frage, wie er mit seiner Frau Carolin angesichts geschlossener Kitas die Betreuung der beiden Kinder Maximilian (4) und Charlotte (2) regelt. „Wir werden uns irgendwie unsere Arbeitszeiten aufteilen müssen“, überlegt der Leiter der Volksbank-Filiale in Hiltrup. „Dadurch, dass kein Fußball ist, bin ich ja zeitlich flexibler.“

Und dass in dieser Situation der Ball nicht rollt, hält er für richtig. „Wesentlich wichtiger ist ja, dass wir als Nation gesundheitlich und wirtschaftlich gut durch diese Situation kommen“, betont Yannick Gieseler. „Denn da reden wir über echte Probleme.“

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