Fußball: 1994 fehlt Tornado Gescher eine Sekunde zum Bezirksliga-Aufstieg
Zwischen Himmel und Hölle

Gescher/Billerbeck. Diese allerletzte Aktion mussten sie noch überstehen. Nur noch diesen Freistoß abwehren, dann wäre der größte Triumph der Vereinsgeschichte perfekt gewesen. „Die Mannschaft war reif dafür, und wir waren an diesem Tag auch klar besser“, schüttelt Helmut Höing den Kopf darüber, dass doch alles ganz anders kam. In tatsächlich letzter Sekunde schaffte der VfL Billerbeck, gerade erst aus Mallorca zurückgekehrt, an diesem 5. Juni 1994 den Ausgleich, setzte sich in der Verlängerung mit 4:1 durch, feierte Meisterschaft und Bezirksliga-Aufstieg – und stürzte die Sportfreunde Tornado Gescher ins Tal der Tränen.

Samstag, 28.03.2020, 12:12 Uhr aktualisiert: 28.03.2020, 12:20 Uhr
Fußball: 1994 fehlt Tornado Gescher eine Sekunde zum Bezirksliga-Aufstieg: Zwischen Himmel und Hölle
Zweikampf vor zahlreichen Zuschauern: Der Billerbecker Stefan Goedereis (links) zieht an Tornado-Akteur Udo Schmitz vorbei. Fotos: Archiv Foto: az

Wie dieser ominöse Ausgleich fiel, darüber gehen die Meinungen fast 26 Jahre später auseinander. „Mathias Gloe lenkte einen Freistoß von Jürgen Maas zum 1:1 ins Tor“, lautete es im AZ-Bericht. „Den Freistoß habe ich geschossen“, versichert Benedikt „Ted“ Herold. „Klaus-Dieter Bürger hat abgewehrt und Matthes Gloe abgestaubt.“ Helmut Höing wiederum verortet das Ding eher als Eigentor. Wie dem auch sei, Schiri Helmut Hunke pfiff direkt ab und bescherte den 1497 zahlenden Zuschauern an diesem Sonntag im Sportzentrum Süd in Coesfeld einen Nachschlag.

Erst um 18.30 Uhr war der Anpfiff erfolgt, weil die Billerbecker erst am selben Tag von ihrer Mallorca-Reise (weiterer Bericht) zurückgekehrt waren. Der VfL wirkte zunächst munterer, schwächte sich aber in der 30. Minute selbst: Nach zwei Fouls an Dribbelkünstler Albano Berisha sah Markus Erger die gelb-rote Karte – Billerbeck in Unterzahl! Zu allem Überfluss erzielte Berisha auch noch kurz vor der Pause die 1:0-Führung für die Gescheraner.

Damit schien das Ding fast gelaufen. „Die waren klar besser“, gibt Herold mit Blick auf die Tornados zu, die dicke Chancen zur Vorentscheidung auf dem Schlappen hatten. „Wir müssen das 2:0 machen, dann sind wir durch“, denkt der damalige Spielertrainer Helmut Höing an zwei Monsterchancen: „Erst verpasst Mathias Schütte den Querpass bei einer Zwei-gegen-Eins-Situation, dann verschießt Peter Hagemann einen Elfmeter.“ Arno Schürmann wehrte ab und hielt den VfL im Spiel.

So kam, was kommen musste. Der späte Ausgleich bescherte die Verlängerung – „und in der gingen unsere Köpfe runter“, erzählt Höing. „Dieser Spielverlauf war für die Jungs nicht zu verpacken.“ Erst flogen die Gescheraner Thomas Kloster und Albano Berisha vom Platz, dann besorgte „Ted“ Herold per Freistoß das 2:1. „Danach konnten wir sie auskontern“, lächelt der VfL-Stürmer. Alfons „Ali“ Krause und erneut Herold schraubten das Ergebnis auf 4:1, zudem sah auch noch Tornado-Torwart Klaus-Dieter Bürger nach einer Notbremse die rote Karte.

Während der VfL den Triumph ausgiebig feierte und mit einem Hupkonzert über den Markplatz der Domstadt zurückkehrte, war die Enttäuschung bei den Tornados riesig. „Eine Sekunde hat gefehlt“, beschreibt Helmut Höing die wohl bitterste Erfahrung seiner langen Karriere als Spieler und Trainer. Wobei sich das schnell relativierte, denn während der Partie musste er einen Mitspieler auswechseln, der dann sogar mit Herz-Rhythmus-Störungen ins Krankenhaus kam: „Als wir erfahren hatten, dass er wieder ganz gesund wird, war das viel wichtiger als der Aufstieg.“

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