Fußball: Spiele des VfL Billerbeck mutieren regelmäßig zum Spektakel
Erst Minimalisten, jetzt Feuerwerker

Billerbeck. Ganz unschuldig ist der Chef ja nicht an dieser Entwicklung. Schließlich hatte sich Yannick Gieseler durchaus mal mehr Feuerwerk gewünscht, nachdem seine VfL-Kicker sich in der vergangenen Saison meist als Minimalisten entpuppt hatten. „Vor einem Jahr wäre das Spiel wahrscheinlich 0:0 ausgegangen“, zuckte er nach dem 4:4 gegen den FC Epe mit den Schultern. Jetzt ist regelmäßig Spektakel angesagt in Billerbeck – schön für die Zuschauer, aber anstrengend für das Nervenkostüm des Trainers.

Dienstag, 06.10.2020, 12:12 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 13:00 Uhr
Fußball: Spiele des VfL Billerbeck mutieren regelmäßig zum Spektakel: Erst Minimalisten, jetzt Feuerwerker
Augen zu und durch: VfL-Abwehrspieler Jan Deitert (links) und Timo Schönherr im Luftduell. Foto: Frank Wittenberg

Während Lukas Zumbülte angesichts des bitteren Ausgleichstreffers in der Nachspielzeit die Trainerbank mit der Faust bearbeitete, schüttelte Gieseler den Frust schnell ab und richtete den Blick auf die schönen Dinge des Lebens. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir zu diesem Zeitpunkt schon so weit sind“, lobte er sein Personal für den Offensivdrang. „Wir spielen richtig guten Fußball.“ Und das mit den allerfeinsten Qualitäten eines Stehaufmännchens, denn wie schon bei den drei Siegen zuvor hatte der VfL einen Rückstand umgebogen – diesmal lagen sie sogar dreimal hinten und führten plötzlich kurz vor Schluss mit 4:3.

Dass es aber nicht zum vierten Dreier in Folge reichte, hatten sie sich selbst zuzuschreiben. „Diese Freistöße für den Gegner dürfen wir gar nicht produzieren“, dachte der Trainer an zwei Situationen in der Extrazeit, in denen sein Team in Überzahl einen Konter hätte fahren können, beide Male aber prompt ins Abseits lief. „Einfach den Ball halten, wir haben ihn ja“, bemängelte er ein in dieser Phase zu ungestümes Verhalten, das sie mit zwei Punkten bezahlen mussten. Denn in Minute 90.+4 durfte FC-Torwart Niklas Baumann einen letzten Freistoß aus der eigenen Hälfte in den VfL-Strafraum schlagen, wo sich die Gastgeber am zweiten Pfosten auch noch in Unterzahl präsentierten und Jan Olde Groote Beverborg den 4:4-Ausgleich ermöglichten.

Ein Lernprozess. So wie die Billerbecker auch schon in der ersten Halbzeit zwei Geschenke verteilt hatten, als sie vor dem 0:1 zu zweit ein Kopfballduell verloren und sich vor dem 1:2 fast auf der Torauslinie düpieren ließen. Zwei Präsente, die die Gäste in Durchgang zwei aber zurückgaben, als Torwart Niklas Baumann vor dem 2:2 und 3:3 jeweils durch Leon Holtmann alles andere als gut aussah. Letztlich waren sie aber erneut auf Augenhöhe mit einem Spitzenteam der Liga – „und unsere Entwicklung ist noch längst nicht abgeschlossen“, versicherte Gieseler. Und so gerne er ein Spektakel sieht, er hätte nichts dagegen einzuwenden, mit seinem Trainerteam mal wieder in die eigene Tasche greifen zu müssen, um einen Fünfer für ein Spiel ohne Gegentor in die Mannschaftskasse zu zahlen: „Ich würde sogar auf zehn Euro erhöhen!“

Und noch einen Wunsch nahm Yannick Gieseler nach diesem 4:4 mit: „Diese Mannschaft hat einfach mehr Zuschauer verdient.“ 150 notierte der Schiri nach der Partie, und wer nicht zum Helker Berg gekommen war, durfte das absolut bereuen. Vielleicht bald: SuS Stadtlohn (18. Oktober) und DJK Coesfeld (8. November) heißen die nächsten Gegner auf heimischem Geläuf – mehr Topspiel geht kaum.

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