21. Coesfelder Citylauf: Früher stand der einstige Fußballer im Tor, jetzt rennt er Marathon
Jens Schlüter ist gut bei Puste

Coesfeld. Ein Tormann geht fremd. Einst war der Strafraum sein Revier, jetzt ist es die Straße. Jens Schlüter hat die Sportart gewechselt. Früher stand er zwischen den Pfosten, parierte die Bälle, die ihm die Angreifer um die Ohren geschossen haben. „Das ist längst vorbei“, sagt der 33-jährige Coesfelder, „mittlerweile lauf’ ich.“ Je länger, umso besser. Am liebsten auf Asphalt. „Deshalb starte ich beim Citylauf. Darauf freu’ ich mich“, schaut er voraus, „was gibt es Schöneres! Die Leute stehen entlang der Strecke. Viele kennen mich, feuern mich an! Das macht Laune.“

Montag, 22.09.2014, 17:02 Uhr

Jens Schlüter war von klein auf eine Sportskanone. Als Knirps spielte er Fußball. Anfangs im Feld. „Dann hatte sich Max Bender verletzt“, erinnert er sich an seinen Positionswechsel, „ihm war das Tor auf den Rücken geknallt.“ Bender musste pausieren, Schlüter ging in die Bude. „Gleich bei meinem Einstand hab’ ich zwei Elfer gehalten.“ Danach stand er nur noch in der Kiste.

Erst hielt er für Raspo Coesfeld und nach der Fusion auch für die SG Coesfeld 06. „In der Vorbereitungsphase mussten wir immer Kondition bolzen“, erzählt Jens Schlüter, „als wir damals am Kalki durch die Heide geballert sind, hab’ ich gemerkt: Oh, das ist ja gar nicht so schlimm.“ Vorher hatte er gedacht: Laufen? Muss nicht sein! „Auf einmal hatte ich Spaß an der Rennerei.“ Wenn die Trainer ihr Team über den Coesfelder Berg scheuchten, war Schlüter immer vorn dabei.

Das ist schon eine lustige Geschichte, wenn der Schnapper besser bei Puste ist als die Stürmer. Markus Lindner staunte damals Bauklötze: „Den Jens kriegt keiner platt! Der hat eine Ausdauer. Wahnsinn.“ Am Ende seiner Karriere machte ihn Dirk Rotthäuser, Coach von Borussia Darup, zum Feldspieler. „Aus Personalnot“, blickt Schlüter zurück, „da konnte ich mich noch mal austoben.“ Doch dann war Schluss mit Fußball.

Aber ganz ohne Sport konnte er nicht. Jens Schlüter startete durch. Er wurde Läufer und hat sogar schon drei Mal die Marathondistanz bewältigt. „Das war beim Ostseeman, einer Triathlon-Veranstaltung, die auch als Staffel angeboten wird.“ Marc Gröning übernahm den Part im Wasser, Martin Lensing fuhr Rad, und Jens Schlüter nahm die 42,195 km lange Strecke unter seine Füße. Schlüters schnellstes Marathon-Resultat beim Ostseeman: dreieinhalb Stunden.

Der Sparkassen-Marathon am 9. Mai 2015 ist in seinem Terminkalender auch rot eingetragen. „Das ist mein großes Ziel“, verrät er, „da lauf’ ich mit. Das ist sicher.“ Doch das ist Zukunftsmusik. „Alles der Reihe nach“, betont Jens Schlüter, „aktuell bereite ich mich auf den Citylauf vor.“ Sein 10-km-Rekord liegt bei 41 Minuten. „So flott bin ich momentan nicht.“ Ihm steckt eine zweimonatige Zwangspause in den Beinen. „Meine Achillessehnen waren entzündet“, denkt er an die Leidenszeit, „ich kam keine Treppe und keine Leiter hoch.“ Für einen Dachdecker ist das natürlich ganz übel. „Sechs Wochen war ich krankgeschrieben.“

Nun ist er endlich beschwerdefrei. Toi, toi, toi. „Es geht wieder aufwärts!“ Drei Mal die Woche wird trainiert. Häufig mit Martin Lensing, seinem Kumpel, der allerdings deutlich schneller ist. „Wenn Martin seine langen Dauerläufe macht, klink’ ich mich ein.“ Regelmäßig joggt er durch Sirksfeld. Da kennt er sich aus, da hat er Heimvorteil. „Wir wohnen in Sirksfeld.“ Mit wir meint er Ehefrau Elke, die beiden Töchter Sophie und Alina, Sohn Luis Gabriel, der mit Fußball und Laufen nichts im Sinn hat. „Luis fährt lieber Kettcar“, berichtet der stolze Papa, „dann brettert er volles Rohr über den Hof.“

Apropos volles Rohr: Jens Schlüter will beim Citylauf auch alles geben. „Knapp drei Wochen bleiben mir noch“, erklärt er, „ich hoffe, dass ich bis dahin einige Trainingsläufe hinbekomme.“ Nach Feierabend fehlt ihm oft die Zeit und auch die Frische. Als gelernter Dachdecker hat Schlüter einen anstrengenden Job. Bei der Firma Ronglewicz hat er seine Ausbildung absolviert, hier ist er seit Juli wieder beschäftigt. Heino Rotthäuser, einst sein Torwarttrainer, ist nunmehr sein Chef, denn gemeinsam mit Schwester Tina leitet Rotthäuser den Familienbetrieb.

Egal, ob er gut oder nicht so gut vorbereitet ist – Jens Schlüter ist heiß auf den Citylauf. Dass er mit 84 Kilo Kampfgewicht bei einer Körperlänge von 1,80 Meter ein paar Pfunde zu viel auf die Waage bringt, kann ihn nicht erschüttern. „Abnehmen ist schwer“, weiß er aus Erfahrung, „ich bin halt Torwart und habe die alte Gerry Ehrmann-Schule hinter mir.“ Ehrmann, Spitzname Tarzan, war Keeper beim 1. FC Kaiserslautern, ein Kraftprotz, der seine Muskeln durch exzessives Bodybuilding stählte. Er trainierte unter anderem Roman Weidenfeller und Tim Wiese.

Aber bis zum Sparkassen-Marathon will Jens Schlüter noch einige Kilos verlieren. Wenn im Winter die langen, ausgedehnten Ausdauerläufe anstehen, möchte er seinem Idealgewicht näher kommen. Bis zum Citylauf wird es nicht reichen. „Viel schlimmer ist, dass ich tags zuvor Geburtstag habe“, sagt Schlüter und lacht, „eine Feier ist dann wohl nicht so ideal.“ Am 10. Oktober wird er 34. Und am andern Tag will er beim 21. Coesfelder Citylauf über 10 km starten. „Das ist hart. Hammerhart.“ Den Doppelstress packt er auch.

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