Handball: Clara Woltering spielt bei der EM in Schweden ihr 15. großes Turnier / WM 2017 ist das Ziel
Es kitzelt immer noch

Lette/Kristianstad. Was ein wichtiges Lebensmotto angeht, da hält es Clara Woltering mit Sean Connery alias James Bond: Sag niemals nie! Denn so einige Punkte in ihrer Karriere, an denen sie ernsthaft über einen Rückzug aus der deutschen Nationalmannschaft nachgedacht hat, gab es für die 33-Jährige durchaus. Dazu gekommen ist es aber nie – weshalb sie den heimischen Hof in Lette aktuell mit den EM-Hallen in Schweden getauscht hat. „Es kitzelt noch einmal“, gibt sie lächelnd zu. Und das sogar so sehr, dass sie ihre Adventszeit 2017 ebenfalls schon verplant hat: „Dann findet die Weltmeisterschaft in Deutschland statt“, sagt die Torhüterin. „Das ist total spannend.“

Freitag, 09.12.2016, 11:43 Uhr

Handball: Clara Woltering spielt bei der EM in Schweden ihr 15. großes Turnier / WM 2017 ist das Ziel : Es kitzelt immer noch
Hochkonzentriert mit jeder Faser des Körpers: Clara Woltering spielt bislang eine tolle Europameisterschaft. Gestern Abend gegen Polen hielt sie den Sieg in letzter Sekunde fest. Foto: Witters

Natürlich will sie bei der Europameisterschaft so gut wie möglich abschneiden. Und doch sieht Clara Woltering dieses Turnier, das mittlerweile 15. große in ihrer Karriere, nur als Zwischenstation. Denn der „Fahrplan“ ist abgestimmt auf die besagte WM 2017, bei der die deutschen Damen vor dem heimischen Fans zu gerne wieder in der Weltspitze mitmischen wollen. „Dafür brauchen wie so viele Spiele wie möglich, in denen wir uns international messen können“, erklärt das Eigengewächs der DJK Coesfeld-VBRS. Umso wichtiger empfindet sie den Einzug in die Hauptrunde der EM, der mit dem mühsamen 23:22-Sieg gegen Polen gestern Abend in trockene Tücher gebracht wurde. Der beschert dem Team zumindest drei weitere Partien gegen Topgegner wie Serbien oder Gastgeber Schweden.

Die verpasste Olympia-Teilnahme in Rio de Janeiro, die den Deutschen bei der WM vor genau einem Jahr in Dänemark aus den Händen geglitten ist, wäre ein solcher Zeitpunkt gewesen, die Treter zumindest international an den Nagel zu hängen. Dann aber kam Michael Biegler – und damit ein Mann auf der Trainerbank, der es verstanden hat, in ihr noch einmal neue Motivation zu wecken. „Der erste Lehrgang mit ihm hat gleich richtig Spaß gemacht“, sagt Clara Woltering über den 55-jährigen, der schon vier Jahre lang die polnischen Männer trainiert hatte. „Er setzt auf mich, wir verstehen uns gut“, erzählt sie. Trainingsintensität und -qualität kommen ihr sehr entgegen: „Ich fühle mich besser als in einigen Jahren zuvor.“ Und das macht sich auch auf dem Feld bemerkbar, wie bei der knappen 20:22-Niederlage gegen den Olympia-Zweiten Frankreich im zweiten Gruppenspiel, als die Letteranerin eine überragende Quote von 41 Prozent gehaltener Bälle aufwies. Eine schöne Zahl, die Clara Woltering aber nur am Rande interessiert. „Wir haben trotzdem verloren“, schüttelt sie den Kopf. „Dabei hätten wir sie packen können.“

Im Optimalfall bleibt sie bis zum vierten Advent in Schweden. Dann wird es zwar wieder eng mit den Weihnachtsgeschenken, aber auch das zieht sich seit 13 Jahren wie ein ständiger Begleiter durch ihr Leben. Ebenso wie die Tatsache, die Adventskerzen nur höchst selten auf dem Hof in Lette entzünden zu können, wo ihr ihre Eltern Margret und Norbert in diesen Wochen wieder den Rücken freihalten. „Ohne diese Unterstützung wäre meine Sportkarriere längst beendet“, weiß die 33-Jährige.

Gestern Abend, unmittelbar nach dem Spiel gegen Polen, begann das große Packen. Heute ist Reisetag für die Mannschaft, es geht weiter nach Göteborg. „Vielleicht sehe ich da mal mehr von Schweden“, verweist Clara Woltering darauf, so wie in Kristianstad zwischen Training und Videoanalysen meist wenig Zeit für Sightseeing zu haben. Dieser Adventsstress dürfte bald der Vergangenheit angehören. Wenn sie fit bleibt, wenn alles gut klappt, dann kann sie sich die WM 2017 in Deutschland als krönenden Abschluss vorstellen. „Das wäre doch ein tolles Ende“, lächelt sie. Trotz „sag niemals nie“.

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