Coesfeld
Mitten in der Abnabelung

Lette. So ganz locker fühlt es sich noch nicht an. Nein, sie steht diesmal nicht im Tor der deutschen Handball-Nationalmannschaft – „aber ich stecke noch mitten im Abnabelungsprozess“, lacht Clara Woltering. Der scheint noch nicht so weit fortgeschritten, um die Frauen-Europmeisterschaft völlig gelassen vor dem Fernseher verfolgen zu können. „Ich springe jetzt nicht die ganze Zeit nur auf und ab“, sagt die Letteranerin. „Aber so entspannt wie der normale Zuschauer bin ich sicher nicht.“

Donnerstag, 06.12.2018, 17:50 Uhr aktualisiert: 07.12.2018, 09:52 Uhr
Coesfeld: Mitten in der Abnabelung
Foto: az

Selbst jede Tradition endet einmal, lächelt die 35-Jährige. Für sie war seit 2003 die Adventszeit grundsätzlich verplant – irgendwo auf der Erdkugel mit einer Welt- oder Europameisterschaft. Vor einem Jahr hat die 222-fache Nationalspielerin ihren Rücktritt aus dem deutschen Team erklärt und findet sich jetzt in einer völlig ungewohnten Situation wieder: nicht mittendrin in Frankreich, wo die deutsche Mannschaft ab heute in der Hauptrunde steht, sondern daheim zwischen viel Arbeit und ein bisschen Freizeit. „Auf eine Art bin ich noch nah dran und schreibe viel mit den Mädels“, erzählt Clara Woltering. Aber mal eben nach Frankreich fahren um live und in Farbe dabei zu sein, nein, das ist nicht so einfach.

Natürlich hat sie sofort ihre Glückwünsche übermittelt, als die deutschen Frauen mit dem 30:28-Sieg gegen Tschechien am Mittwoch den Einzug in die Hauptrunde perfekt gemacht haben. Wie weit die Reise gehen kann? „Das wird jetzt richtig schwer, denn es kommen starke Gegner auf die Mannschaft zu“, urteilt Clara Woltering mit Blick auf die kommenden Gegner: Heute um 18 Uhr geht es gegen Spanien, am Sonntag um 15 Uhr gegen Ungarn und am Mittwoch (12. 12.) um 21 Uhr gegen die Niederlande. „Wenn die Mädels es schaffen, befreit aufzuspielen, ist eine Menge möglich“, hofft sie auf weitere Überraschungen wie beim 33:32 gegen Norwegen. Als der Druck größer gewesen sei wie gegen Rumänien und Tschechien, hätten sich doch zu viele Fehler eingeschlichen. Henk Groener, dem neuen Nationaltrainer, traut sie es zu, etwas zu entwickeln. „Ein ruhiger Typ, ich kenne ihn seit vielen Jahren“, erklärt die 35-Jährige. „Die Niederländerinnen hat er ja auch in die internationale Spitze geführt.“

Wegen der EM hält sich der Stress beim Bundesligisten Borussia Dortmund, bei dem sie nach wie vor zwischen den Pfosten steht, aktuell in Grenzen. „Vielleicht sehe ich noch ein paar Weihnachtsmärkte“, freut sich die Letteranerin über die ganz andere Adventszeit fernab der Hallen in aller Welt. Ihren ehemaligen Teamkolleginnen drückt Clara Woltering aus der Ferne die Daumen. Ein Besuch in Frankreich sei nicht geplant – eigentlich auch nicht bei einem Finaleinzug. Eigentlich, lacht sie: „Sag niemals nie . . .“

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