Coesfeld
Matratzenhorchdienst auf dem Feldbett

Coesfeld. Die Nacht war hart! Marco Hetfeld (17), Eizelsieger beim 24-Stunden-Marathon im CoeBad mit 48 km, kämpfte mit der Müdigkeit, die ihm und allen anderen Teilnehmern das Leben schwer machte. „Ich habe mich um Mitternacht aufs Ohr gelegt“, erzählte er, „und knapp dreieinhalb Stunden geschlafen.“

Montag, 14.01.2019, 17:15 Uhr aktualisiert: 15.01.2019, 07:18 Uhr
Coesfeld: Matratzenhorchdienst auf dem Feldbett
Nach dem 24-Stunden-Marathon im Wasser können die Einzelschwimmer wieder lachen (von rechts): Marco Hetfeld (Sieger mit 48 km), Michael Ernst (2. mit 43,950 km), Roland Matuschek (3. mit 43,050 km), Sebastian Ludigkeit (4. mit 37,500 km) und Gregor Lesting (5. mit 22,100 km). Foto: az

Matratzenhorchdienst auf dem Feldbett. „Als dann um 3.30 Uhr der Wecker klingelte, hab’ ich mich gefragt: Warum tust du dir das an?“ Und dennoch ist Marco Hetfeld, der aus Lette kommt und für die DLRG Schwerte startet, aufgestanden und wieder ins Wasser gestiegen.

Am Ende war er zufrieden mit seiner Leistung. „Im Sommer habe ich in Ergste das erste Mal an so einer Veranstaltung teilgenommen“, erinnerte er sich, „damals habe ich 45 Kilometer zurückgelegt, jetzt sind es drei Kilometer mehr. Alles gut!“ Außerdem, erklärte der angehende Abiturient, sei das ja nicht seine Spezialdisziplin. „Ich bleibe beim Rettungsschwimmen“, fügte er hinzu, „das klappt auch sehr gut.“ Als Welt- und Europameister sieht Hetfeld keinen Grund für einen Wechsel.

Das große Fernziel sind die DLRG-Europameisterschaften, die im September in Italien ausgetragen werden. „Aber vorher“, so Hetfeld, „muss ich mich dafür qualifizieren.“ Das geht über die Bezirksmeisterschaften in Schwerte, dann kommen die Landesmeisterschaften in Gelsenkirchen und zum Schluss die Deutschen Meisterschaften in Hannover.

Nach der EM geht es nach Surfers Paradise an der Gold Coast in Australien, bekannt für seinen kilometerlangen Sandstrand. „Die Kontakte habe ich bei der WM geknüpft“, berichtete er, „dort schwimme ich dann für einen australischen Verein.“

Michael Ernst (55) hatte seinen 38 Jahre jüngeren Konkurrenten bei Halbzeit überholt. „Nachts um drei lag ich vorn“, sagte er und lachte, „aber nur deshalb, weil Marco eine lange Pause eingelegt hatte.“ Mit ihm könne er sich nicht messen. „Ja, mit 17 ist der Marco noch ein Küken! Das ist eine andere Welt. da kann ich nicht mithalten“, meinte der SCC-Trainer, der es bedauert, dass der junge Spund sich voll und ganz aufs Rettungsschwimmen konzentriert: „Schade, dass er nicht bei den Schwimmwettkämpfen mitmacht.“

Morgens früh um vier lag Michel Ernst auf Kurs 50 Kilometer. „Das ist jedoch zuviel für mich“, gab er ehrlich zu, „nicht mehr in diesem Leben.“ Ernst schaute gar nicht auf Hetfeld. „Der Dritte hing mir im Nacken“, betonte er, „den wollte ich nicht vorbeilassen.“ Roland Matuschek aus Gescher bot ebenfalls eine starke Vorstellung. Ernst kam auf 43,950 km, Matuschek folgte dichtauf mit 43,050 km.

Michael Ernst hatte zwar lila Finger nach der Plackerei im Wasser. „Doch mir geht’s gut“, winkte er ab, „ich habe in meinem Leben siebenmal einen Ironman-Triathlon gefinisht. Danach bin ich zehnmal mehr kaputt gewesen. Alles halb so wild.“

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