Coesfeld

Coesfeld. Die Langers haben sich infiziert. Den blau-weißen Virus werden sie nicht mehr los. „Wir sind eine schalke-bekloppte Familie!“ Sagt Marvin (26), der Sohnemann, den seine Eltern angesteckt haben. Vater Thomas (57) kickte einst für die Schalker Amateure in der Oberliga, damals die dritthöchste Spielklasse hierzulande. Mutter Ursula (59) hat’s auch erwischt. „Unheilbar schalke-krank“, witzelt Marvin Langer, Torwächter beim Bezirksligisten DJK Coesfeld-VBRS.

Dienstag, 19.02.2019, 15:59 Uhr aktualisiert: 20.02.2019, 06:16 Uhr
Coesfeld:
Marvin Langer, der beinharte Schalke-Fan, ist Torwächter beim Bezirksligisten DJK Coesfeld-VBRS. Foto: Ulrich Hörnemann

Natürlich sind die Langers Stammgäste in der Veltins-Arena, eins der stimmungsvollsten Stadien Europas. „Drei Dauerkarten haben wir“, erzählt Marvin, eine für Papa, eine für Mama und eine für den Filius.

Wenn sich die „Königsblauen“ heute Abend im Achtelfinale der Champions League mit Manchester City, dem englischen Meister, messen, steht Marvin Langer im Unterrang der Nordkurve, wo die ganz Harten versammelt sind. „Hier wird gesungen, gehüpft und gefeiert“, berichtet Langer, der das übliche Outfit trägt, „Schalke-Schal und mein Retro-Trikot, das kommt aus den Neunzigern.“ Und dann wird Party gemacht.

Aber diesmal hat er kein gutes Gefühl. „Man City ist stark. Bärenstark. Hauptsache, wir kriegen keine Klatsche“, stapelt Langer tief, „so wie wir aktuell drauf sind, befürchte ich das Schlimmste.“ Und wenn Pep Guardiola nur seine zweite Garde auf den Rasen schickt? „Na und“, antwortet er, „auch dann haben wir keine Chance.“ Er sieht schwarz für die Blauen.

Marvin Langer kennt sich aus. er ist Experte und hat früher das Schalker Trikot getragen. „Von den Mini-Kickern bis zur E-Jugend“, schaut er zurück, „dann war ich leider nicht groß genug.“ Klein-Marvin sei zu kurz, meinte sein Trainer, und damit als Torwart ungeeignet. „Erst später hab’ ich einen richtigen Schub gemacht.“ Mittlerweile ist er 1,88 Meter lang und macht seinem Namen alle Ehre.

Nach seiner Schalke-Zeit folgte eine Odyssee durchs Ruhrgebiet. Marl, Herne, Essen, Kray, wo er sich einen Kahnbeinbruch einhandelte. „Dadurch war ich monatelang raus und hab’ den Fußball ein bisschen runtergefahren.“ Als Langer dann eine Banklehre absolvierte , wurde es schwierig, Sport und Beruf zu kombinieren. „Wenn du dienstags und donnerstags immer lange arbeiten musst, kannst du nicht regelmäßig am Training teilnehmen.“ Den Job bei der Bank hat er inzwischen aufgegeben. „War eh nichts für mich“, bemerkte Langer, „ich bin nicht der Typ, der den Leuten das Geld aus der Tasche zieht.“

Nun ist er als Buchhalter in Dinslaken tätig und wohnt mit Freundin Kirsten in Borken. Sie kennen sich seit sechs Jahren. „Noch hab’ ich ihr keinen Antrag gemacht.“ Doch das kann ja bald kommen.

Im vergangenen Sommer ist Langer vom Oberligisten SuS Stadtlohn nach Coesfeld gewechselt. In Stadtlohn hatte er sich das ohnehin schon lädierte Kreuzband endgültig gerissen. Dr. Noel Stais, der einstige Schalker Vereinsarzt, hat das Band so gut zusammengeflickt, dass Marvin Langer Mitte März wieder im Kasten stehen möchte. „Das ist mein Ziel.“ Aber am Saisonende wird er seine Zelte abbrechen. „Schade“, bedauerte er die Entwicklung, „ich wäre gern geblieben. Doch die Mannschaft mit dem tollen Trainerteam wird es so nicht mehr geben.“ Langer hat sich einen neuen Verein gesucht. „Top secret!“ Schalke isses nicht. Oder? „Nein“, lacht er, „das soll wohl nicht mehr klappen.“ In der Arena wird er nicht im Tor stehen – dafür weiter als treuer Fan in der Nordkurve Unterrang.

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