Coesfeld
Wehmut vor dem letzten Auftritt

Coesfeld. So ganz ohne Tränchen wird das wohl nicht klappen, da gibt sich Christin Wienecke keinen Illusionen hin. „Ein bisschen Wehmut spüre ich jetzt schon“, gibt sie zu. „Das wird komisch.“ Kein Wunder, denn nach exakt 20 Jahren im Team der DJK/VBRS-Handballerinnen bestreitet „Gitte“, wie sie von allen genannt wird, am Samstag ihre letzte Partie. Zwei Jahrzehnte hat sie den Damenhandball in Coesfeld mitgeprägt, jetzt soll Schluss sein.

Donnerstag, 09.05.2019, 10:55 Uhr aktualisiert: 09.05.2019, 11:00 Uhr
Coesfeld: Wehmut vor dem letzten Auftritt
Die junge „Gitte“ hebt ab und nimmt das Tor ins Visier – dafür war sie schon im Jahr 2003 gefürchtet. Foto: az

Den Spaß hat sie nie verloren – wie auch in dieser Mannschaft und der Handballabteilung, die sie „wie eine Familie“ bezeichnet? Aber der Körper rebelliert häufiger unter den Belastungen. „Das Knie macht Probleme, der Rücken auch immer mal wieder“, sagt die 37-Jährige. Zudem habe sie Urlaube, Wochenenden, im Prinzip das gesamte Leben nach der Handballsaison geplant. „Jetzt ist es auch mal gut.“ Der Kopf sagt, dass es besser so ist.

Dabei war Christin Wienecke eher eine Spätzünderin, denn erst in der C-Jugend kam sie zum Handball. Walli Brand war ihre erste Trainerin, wie überhaupt in der gesamten Jugendzeit, die sie mit Spielerinnen wie Clara Woltering und Denise Nergenau bestritt und die mit einem tollen Erfolg endete: 1999 wurde die weibliche A-Jugend der DJK Nordwestfalenmeister. „Gleichzeitig sind die Damen von der Bezirks- in die Landesliga aufgestiegen“, erinnert sie sich. In dieses Team rückte sie als Youngster hoch und schaffte prompt den nächsten Aufstieg in die Verbandsliga. Ihr Trainer damals war der Mann, der auch bei ihrem letzten Spiel am Samstag auf der Bank sitzen wird: Dirk Haverkämper. „Unglaublich“, muss Christin Wienecke lachen.

Es folgten ebenso spannende wie erfolgreiche Jahre unter Trainern wie André Overkämping, Helmut Martin und Tine Hekman. Was hängenbleibt, ist natürlich der Oberliga-Aufstieg 2006 mit Ehrung auf dem Rathaus-Balkon: „Danach haben wir zwei Tage durchgefeiert.“ Nicht zu vergessen das wohl dramatischste Nichtabstiegsspiel 2009, als die DJK-Damen mit zwei Toren in den letzten 25 Sekunden den TV Arnsberg schlagen und doch noch den Klassenerhalt packen. „Danach haben wir eine unfassbare Spontanparty bei Anja und Berti Haverkämper im Garten gefeiert.“

Vor allem aber hat es immer riesig Spaß gemacht. Zumal Christin Wienecke weitgehend von ernsten Verletzungen verschont geblieben ist – abgesehen von einem ausgekugelten Ellenbogen mit mehreren Bänderrissen im Jahr 2008, der eine längere Pause nach sich zog. „Sonst war da nix Wildes“, lächelt sie. „Eben eine tolle Zeit.“ Und die will sie auch am kommenden Samstag (11. 5.) noch einmal erleben, wenn um 17 Uhr in Halle 1 des Schulzentrums gegen den Lüner SV ihre letzte Partie angepfiffen wird. „Ein Sieg wäre schön“, sagt sie. „Und hoffentlich kommen viele Leute in die Halle.“ Bevor möglicherweise die Tränchen fließen, will „Gitte“ dieses Spiel genießen – die übrigens bis heute nicht genau weiß, warum ihr ausgerechnet dieser Spitzname zuteil wurde. André Krynewiki, ein alter Handballer, habe sie zu Schulzeiten mal so genannt: „Und dabei ist es dann geblieben.“

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