Coesfeld
Feuertaufe für einen Routinier

Coesfeld. Auf seinem T-Shirt prangt der Schriftzug „Über 50 – helft mir ans Netz“. Wer Andree Wittkowski erlebt, weiß, dass er das auch ohne Unterstützung hinbekommt. Gespielt und gesehen hat er schon eine Menge, aber nun steht für ihn eine Premiere an: eine Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft – Feuertaufe mit 54 Jahren. „Nach fast 38 Jahren im Volleyball“, lächelt er. „Schön, dass ich das geschafft habe.“

Dienstag, 04.06.2019, 09:55 Uhr aktualisiert: 04.06.2019, 10:00 Uhr
Coesfeld: Feuertaufe für einen Routinier
Volleyball ist seine Leidenschaft, auch noch im zarten Alter von 54 Jahren. Am Pfingstwochenende startet Andree Wittkowski mit dem TuS Iserlohn bei den Deutschen Meisterschaften Ü 53. Foto: Frank Wittenberg

Am Freitag geht es nach Minden, wo die Deutschen Volleyball-Meisterschaften Ü 53 ausgetragen werden. Wittkowski wird dort im Trikot des TuS Iserlohn auflaufen. „In ganz Nordrhein-Westfalen gibt es leider nur fünf Mannschaften in dieser Altersklasse“, erzählt der Volleyballer mit Leib und Seele, der noch immer für die zweite Garnitur der SG Coesfeld 06 in der Bezirksliga aufläuft. Als Routinier unter vielen Jungspunden, aber damit hat er nicht das geringste Problem. „Ich gehöre komplett dazu“, lächelt er. „Der Teamgeist macht es aus.“

Nach Iserlohn ist er über einen befreundeten Volleyballer aus Rheine gekommen. Man kennt sich in der Szene, das ist wie eine große Familie, betont er. Alle zwei Wochen wird vor Ort trainiert bei dem Club, dessen erste Mannschaft sich jüngst ein Duell um die Oberliga-Meisterschaft mit der SG 06 geliefert hat. „Bei den Spielen haben zwei Herzen in meiner Brust geschlagen“, gibt Wittkowski zu. „Aber ich habe natürlich unsere Jungs angefeuert.“

Über die Westdeutschen Meisterschaften haben sich die Iserlohn Panthers im Januar für die deutschen Titelkämpfe qualifiziert. Hinter dem Team des Dürener TV, das gespickt mit ehemaligen Bundesliga-Akteuren ist, landeten Wittkowski und Co. auf Rang zwei und mussten dann den Umweg über ein Entscheidungsspiel gegen den Zweiten aus Niedersachsen gehen. Beim TuS Vahrenwald in Hannover gelang ein 3:1-Erfolg. „Im vergangenen Jahr hatten wir die Relegation gegen diesen Gegner noch klar mit 0:3 verloren“, erinnert er sich. „Diesmal haben wir sie an die Wand gespielt.“

Für Andree Wittkowski werden die Titelkämpfe am Samstag und Sonntag in Minden ein echter Höhepunkt in der langen Karriere, die er mit 17 im Volleyball begonnen hat. „Damals schon in der gemeinsamen Mannschaft von ESV und Raspo“, berichtet er. „Wir waren lange vorher der Vorreiter der Fusion.“ Zuvor hatte er in der Jugend Fußball gespielt, auch Tischtennis und Tennis ausprobiert – „aber Volleyball wurde dann meine feste Liebe.“ Auch wenn er im ersten Training direkt „mit dem Kinn die Halle geputzt“ hat: „Danach habe ich mir zeigen lassen, wie es richtig geht.“

Gespielt hat er all die Jahre in Coesfeld, bis rauf zur Verbandsliga. Bis auf seine zweijährige Ausbildung im Darmstadt. „Da wollten sie mich beim Basketball haben“, berichtet der 2,04-Meter-Mann. Doch er ist dem Volleyball immer treu geblieben, hat auch mit dem Großteil des aktuellen Regionalliga-Aufsteigers gemeinsam in der SG Coesfeld 06 II gespielt, als die Helden von heute damals als Youngsters in den Seniorenbereich rückten.

Sein Sohn Thomas durfte drei Mal an Deutschen Jugendmeisterschaften teilnehmen. „Jetzt habe ich es auch zu den Deutschen geschafft“, freut sich der 54-Jährige, der mit Iserlohn in der Vorrunde auf SV Helios Berlin (Regionalmeister Nordost) und SG Rodheim (Regionalmeister Südwest) trifft. „Ein Spiel sollten wir gewinnen, dann wären wir schon mal unter den besten Acht.“ Das ist das Minimalziel. Vor allem aber soll es Spaß machen. Dazu wollen auch etliche Jungs aus der ersten SG-Mannschaft beitragen, die am Samstag mit Trommeln nach Minden reisen werden, um Andree Wittkowski zu unterstützen – als Fans, die ihren größten Fan anfeuern.

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