Coesfeld
Holger Derbort hat viel Puste

Coesfeld. Meine Güte, was er alles macht und tut: Schiri, Sporttaucher – und Langstreckler. Holger Derbort ist ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen. „Fußball gespielt hab’ ich schon immer“, erzählt er, „als Knirps bin ich angefangen.“ Damals stand Klein-Holger in der Bude. „Das ist längst vorbei.“ Die Handschuhe hat er in die Ecke gepfeffert. Dafür pfeift er jetzt, taucht („Am liebsten im Roten Meer“) und rennt in seiner Freizeit mehr denn je. „Laufen ist meine Leidenschaft“, gibt Derbort zu, „das hilft mir auch bei meinem Job als Schiedsrichter.“ Mit 64 Kilo, die sich auf 1,76 m Körpergröße verteilen, zählt er zu den Leichtgewichten.

Mittwoch, 26.06.2019, 06:38 Uhr
Coesfeld: Holger Derbort hat viel Puste
Der doppelte Holger: Ob als Schiri oder als Läufer – Derbort macht stets eine gute Figur. Foto: Ulrich Hörnemann

Wenn 23 Mann auf dem Rasen sind, hat Holger Derbort die meiste Puste. Wetten dass...? „Ja, ja, das kann schon sein“, sagt er und lacht sich eins, „ich bin vielleicht nicht der Schnellste, aber der Ausdauerndste.“ Dass der 48-jährige Schiri die Fußballer in den unteren Klassen locker stehen lässt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. „Das ist normal“, wiegelt er ab, „sie sind auch nicht so durchtrainiert.“ Konditionell kann ihm keiner was vormachen.

Ein Marathon ist für ihn ein Kinderspiel. „Zehn bin ich schon gelaufen, fünf davon in Berlin, den Ersten und den Schnellsten auch.“ 2005 debütierte er in 3:22 Stunden. Seine beste Zeit (2:51 Stunden) glückte ihm anno 2007, als das SB-Warenhaus „real,-“ noch Hauptsponsor war bei der größten Laufveranstaltung hierzulande. „80 real-Mitarbeiter aus ganz Deutschland durften umsonst teilnehmen“, erinnert sich Holger Derbort, der damals als gelernter Fleischer im „real,-Markt“ Bocholt beschäftigt war, „ich war der Beste.“ Wo er den nächsten Marathon machen wird, weiß er nicht. „Abwarten“, meint Derbort nur, „noch ist nichts geplant.“ Der Tausendsassa, der der für den ASV Ellewick pfeift, hat einen vollgestopften Terminkalender. „An den Wochenenden bin ich dauernd auf Achse“, berichtet er, „ich pfeife in der Bezirksliga. Früher durfte ich bei den Männern Spiele leiten bis hoch zur Westfalenliga und bei den Frauen bis zur Regionalliga.“ Doch wenn ein Schiri 47 wird, greift die Altersgrenze. Dann wird er herunter gestuft. Dafür ist Derbort weiterhin Schiri-Assistent von Marcel Neuer (Schalke 04), dem älteren Bruder von Nationalkeeper Manuel Neuer, Marcel Benkhoff (Eintracht Ahaus) oder Patrick Holz (BSV Roxel). Mit Fahne in der Hand eilt er die Seitenlinie rauf und runter. „Wir werden in der Oberliga eingesetzt“, erklärt Derbort, der Knut Kircher wegen der ruhigen und souveränen Art als Vorbild bezeichnet, „mal sind wir in Dortmund, mal auf Schalke, mal in Gütersloh. Ich komm’ viel rum.“ Nur gut, dass Ehefrau Heike, Ex-Fußballerin mit Westfalenliga-Erfahrung, genauso sportbegeistert ist wie ihr Göttergatte. „Wenn ich laufe, ist sie immer live dabei. Mit dem Rad begleitet sie mich manchmal auch beim Training.“ Auf den Fußballplätzen ist Holger Derbort bestens bekannt und bei den Läufen in der Region gefürchtet. Seine Gegner wissen, dass der Schiri verdammt flott unterwegs ist. „In dieser Saison war ich oft auf dem Treppchen.“ Den „Referee’s Run“ über 10 km in Borgholzhausen, an dem alljährlich an die 300 Schiris aus Westfalen teilnehmen, hat er viermal gewonnen: 2007, 2010, 1014 und 2017.

Normalerweise rennt er dreimal, viermal die Woche. „Überwiegend auf der Straße.“ Wenn sich Holger Derbort, der auch regelmäßig tauchen geht („Im Speicherbecken inGeeste oder am Auesee in Wesel“), auf einen Marathon vorbereitet, kommen allwöchentlich 100 bis 120 km zusammen. „Das ist aber auch das Maximum“, erzählt Derbort, der noch zwei Brüder hat, Rudolf (49) und Thorsten (41), die einst auch gepfiffen haben, „sonst sind es 50 bis 60 km.“

Haile Gebrselassie findet er besonders gut. 2007, als der Wunderläufer die Marathon-Weltbestzeit in Berlin auf 2:04:26 Stunden drückte, war Derbort selber dabei. „Hinterher habe ich ihn live gesehen“, erinnert er sich, „ein toller Typ!“ Den kleinen Äthiopier mag er vor allem wegen seines sympathischen Auftretens. „Denn bei all seinen Erfolgen ist er immer bescheiden geblieben.“ Und das sei gewiss nicht selbstverständlich in der heutigen Zeit.

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