Coesfeld
Erst geknickt, jetzt auch stolz

Coesfeld. Die Enttäuschung wirkte nach. Einen Tag, sicherlich auch zwei. „Weil wir es verdient gehabt hätten, dieses Finale zu gewinnen“, sagt Anna Aehling. „Ich war richtig geknickt.“ Mit etwas Abstand sieht die Welt für die 18-Jährige schon wieder anders aus. Vize-Europameisterin mit der deutschen U 19-Fußballnationalmannschaft, das kann sich sehen lassen, oder? „Wir haben ein gutes Turnier gespielt“, lächelt die Coesfelderin. Auch für sie selbst als Neuling in dieser Auswahl ist es gut gelaufen.

Sonntag, 04.08.2019, 10:00 Uhr
Coesfeld: Erst geknickt, jetzt auch stolz
Anna Aehling mit „ihrem“ Trikot mit der Nummer 16: Die 18-jährige Coesfelderin in Diensten des FSV Gütersloh 2009 ist bei der U 19-EM zu vier Einsätzen gekommen, darunter auch im Finale gegen Frankreich. Foto: Frank Wittenberg

Als Anna Aehling im Endspiel gegen Frankreich in der 78. Minute eingewechselt wird, liegen die deutschen Frauen mit 1:2 hinten. Dabei bleibt es bis zum Abpfiff im St. Mirren Park im schottischen Paisley trotz einiger guter Chancen. „Ein Tor wurde nicht gegeben, einen Handelfmeter hätten wir ebenfalls bekommen können“, schüttelt sie den Kopf. Mit der Silbermedaille um den Hals und beim anschließenden Empfang mit Reinhard Rauball und Rainer Koch, den Interimspräsidenten des DFB, ist das Lächeln noch nicht zurückgekehrt.

Dabei darf Anna Aehling absolut stolz sein. Als Spielerin des jüngeren Jahrgangs hat sie es in den Kader von Trainerin Maren Meinert geschafft, steht bei der Europameisterschaft nur in der ersten Partie gegen England nicht auf dem Platz. In den Gruppenspielen gegen Belgien und Spanien, im Halbfinale gegen die Niederlande und im Endspiel gegen Frankreich wird sie jeweils eingewechselt. „Ein bisschen Anspannung war da, aber vor allem habe ich mich gefreut“, berichtet sie. Denn Erfahrung mit solchen internationalen Turnieren bringt die Defensivspielerin mit: Seit der U 15 spielt sie in den Auswahlmannschaften, ist mit der U 17 ebenfalls Vize-Europameisterin geworden und bei der WM in Uruguay unglücklich im Viertelfinale ausgeschieden.

Nach der Rückkehr aus Schottland gönnt sie sich lediglich eine Handvoll freie Tage. Schon heute steigt sie wieder ins Training ein beim Zweitligisten FSV Gütersloh 2009, für den sie bereits in die dritte Spielzeit geht. „Die Saison startet schon am 11. August“, blickt sie auf das erste Heimspiel um 11 Uhr gegen Turbine Potsdam II. Da bleibt keine Zeit für Urlaub, zumal die Ziele klar gesteckt sind: Stressfreier zugehen soll es diesmal, anders als im Vorjahr, als der FSV erst am letzten Spieltag mit einem 3:2-Sieg gegen Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Köln den Klassenerhalt endgültig eingefahren hat. „Diesmal wollen wir mit dem Abstiegskampf möglichst früh nichts mehr zu tun haben“, erklärt die Coesfelderin.

Anna Aehling freut sich auf die nächste Herausforderung, zumal sich bei ihr ohnehin fast alles um den Fußball dreht. Seit 2016 lebt sie im Internat der Sportschule Kaiserau, ist damals von der Theodor-Heuss-Realschule auf die Gesamtschule in Kamen gewechselt. Im nächsten Frühjahr will sie dort ihr Abitur angehen – den Spagat zwischen Schule und Sport meistert sie bisher gut. „Teilweise machen wir schon vor dem Unterricht Athletiktraining“, berichtet die 18-Jährige. Dann geht es auf die Schulbank, anschließend direkt weiter ins Training. „Von montags bis mittwochs in Kaiserau, donnerstags und freitags im Verein in Gütersloh.“ Am Wochenende stehen die Spiele an, Auswärtsfahrten führen in der eingleisigen zweiten Liga quer durch Deutschland.

Den Aufwand betreibt sie gerne. Mit DFB-Teamkolleginnen wie Sophia Kleinherne (1. FFC Frankfurt) oder Wiebke Willebrandt (TuS Lipperode). Mitschülerin im Internat, versteht sie sich hervorragend. „Den Schritt ins Internat habe ich nicht bereut“, betont die 18-Jährige, die bereits Pläne für die Zeit nach dem Abi schmiedet: „Ich möchte in die USA gehen, auf dem College studieren und Fußball spielen.“ Ein Traum, der Wirklichkeit werden soll – so wie sie auch die nächsten großen Turniere im Blick hat. „Nächstes Jahr gibt es eine U 20-WM und wieder eine U 19-EM“, berichtet Anna Aehling. Mit starken Leistungen im Verein und bei den Lehrgängen der Nationalteams möchte sie wieder auf sich aufmerksam machen.

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