Coesfeld
Einfach außergewöhnlich

Lette. Eine Auszeichnung für das Lebenswerk im zarten Alter von 36 Jahren, das gibt es gewiss nicht oft. „Viele Menschen werden ja erst posthum geehrt“, lächelt Clara Woltering mit Blick auf die Glastrophäe, die sie als „besondere Ehre“ empfindet. Denn der HBF-Award, den sie als erste deutsche Handballerin überhaupt erhalten hat, gilt nicht als äußeres Zeichen für einen gewonnenen Titel, sondern für ihre Gesamtleistung in fast 20 Jahren internationaler Klasse: „Offenbar habe ich auf und neben dem Feld Eindruck hinterlassen.“

Freitag, 06.09.2019, 11:10 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 12:55 Uhr
Coesfeld: Einfach außergewöhnlich
Eine besondere Freude war für Clara Woltering (Mitte) nicht nur der HBF-Award selbst – auch die Übergabe durch ihre langjährige Team- und Zimmerkollegin Anna Loerper (links) und durch ihren ehemaligen Torwart-Trainer, Ex-Nationalkeeper Andreas „Hexer“ Thiel, bedeutete der Letteranerin viel. Foto: stregspiller Foto: stregspiller

Der neue Preis der Handball Bundesliga Frauen (HBF) hat noch keinen endgültigen Platz auf dem heimischen Hof in Lette. Titel und Auszeichnungen hat die ehemalige Nationaltorhüterin schon einige gewonnen – dieser Award hat sie aber völlig überrascht und kommt genau zu dem Zeitpunkt, an dem sie tatsächlich ihre aktive Karriere bei Borussia Dortmund beendet hat. „Das war keine leichte Entscheidung“, gibt Clara Woltering zu. „Aber die Arbeit auf dem Hof wird immer mehr – und irgendwann fällt auch der Sport körperlich nicht mehr so leicht.“ Gemeinsam mit Anne Müller, mit der sie im Jahr 2000 beim Bundesligisten Bayer Leverkusen gestartet war, hat die 36-Jährige die Treter nun an den Nagel gehängt.

An ihre letzte Partie hegt die 222-fache Nationalspielerin nur die besten Erinnerungen. „Der Abschied war schöner als gedacht“, blickt sie auf den 25:20-Sieg gegen SV Union Halle-Neustadt zurück, den zahlreiche Freunde und Angehörige in der Dortmunder Halle verfolgt haben. Ein Spiel, in dem Clara Woltering noch einmal bewiesen hat, dass sie nicht wegen schlechter Leistungen ihre Karriere beendet. „Ich wollte immer den Zeitpunkt bestimmen, wann ich aufhöre“, sagt sie. „Das sollten nicht andere Personen entscheiden.“

Wobei das mit der Abnabelung so eine Sache ist. Die kann und will sie gar nicht von heute auf morgen vollziehen – deshalb bleibt die Letteranerin den Borussen zumindest für die nächsten zwei Jahre als Torwart-Trainerin erhalten, um ihr Wissen weiterzugeben. „Das macht Spaß“, betont sie. „Und so kann ich mich stückweise aus dem Sport verabschieden.“ Der Aufwand ist etwas geringer als zu aktiven Zeiten: Zu zwei Trainingseinheiten in der Woche fährt sie nach Dortmund, wird bei den Heimspielen dabei sein, schenkt sich aber die weiten Auswärtstouren. Die Arbeit mit den drei Torfrauen, den beiden Niederländerinnen Rinka Duijndam und Yara ten Holte sowie Isabell Roch, macht Laune: „Das sind super Typen.“ Clara Woltering wird ihre Eindrücke weitergeben an „Headcoach“ André Fuhr, der dann die Entscheidungen treffen wird.

Der BVB kann weiter auf die Erfahrung der HBW-Award-Preisträgerin setzen. Und die hat sich riesig darüber gefreut, diese Auszeichnung im Rahmen des HBF-Supercups in Ludwigsburg von zwei besonderen Menschen überreicht bekommen zu haben, durch die viele Jahre ihrer Karriere mitgeprägt worden sind: ihre langjährige Teamkollegin Anna Loerper, mit der sie sich 14 Jahre lang das Zimmer bei der Nationalmannschaft geteilt hat, und Andreas „Hexer Thiel“, unter dem sie elf Jahre in Leverkusen gearbeitet hat. „Das war eine tolle Geste“, schwärmt Clara Woltering.

So stolz sie auf ihr sportliches Lebenswerk sein darf, eine Sache wurmt: „Mir fehlt der deutsche Meistertitel.“ Dreimal Vize, der ganz große Wurf ist ausgeblieben – aber wer sich neben dem HBF-Award mit zwei Champions League-Titeln trösten darf, den hat es nicht ganz schlecht getroffen.

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