Coesfeld
Die Weltspitze sicher im Griff

Coesfeld. Zu sehr rattern im Hirn darf es nicht. Was wäre, wenn? Wie groß ist die Chance? „Du darfst einfach nicht anfangen, zu überlegen“, gibt Danny Becker einen Einblick in sein Erfolgsrezept. Eine schlaflose Nacht vor dem entscheidenden Durchgang? Kam früher mal vor, mittlerweile nicht mehr. Der 29-Jährige bleibt immer die Ruhe selbst. Und das zahlt sich aus, wenn er mit seinem Hightech-Bogen im Parcours unterwegs ist: In Yankton (South Dakota/USA) ließ er die gesamte Konkurrenz hinter sich, setzte sich in seiner Klasse Bowhunter unlimited souverän an die Spitze – und holte damit den Weltmeistertitel nach Coesfeld.

Freitag, 20.09.2019, 09:20 Uhr
Coesfeld: Die Weltspitze sicher im Griff
Großer Bahnhof für den Weltmeister: Die Kollegen der AZ hießen Fachinformatiker Danny Becker (mit Weltkugel) gestern nach seiner Rückkehr aus den USA willkommen. Auch Bürgermeister Heinz Öhmann ließ Glückwünsche übermitteln. Foto: Frank Wittenberg

Vorne mitmischen, das war schon der Plan des amtierenden Europameisters. Planen lässt sich ein solcher Erfolg nicht, aber Danny Becker bringt eine wichtige Eigenschaft mit: Er bewahrt die Ruhe, auch wenn ein Pfeil das Ziel mal nicht treffen sollte. „Ich nehme es, wie es kommt“, zuckt er mit den Schultern. Wichtig ist, sich immer wieder zu fokussieren. Da hilft ihm mittlerweile seine Turniererfahrung, aber vor allem diese innere Gelassenheit.

Die Lernkurve zeigt steil nach oben. Vor zwei Jahren bei der WM in Italien belegte er „nur“ Rang 18. „Das war meine erste internationale Meisterschaft“, erinnert er sich. „Außerdem habe ich das Wetter nicht vertragen.“ Bei Temperaturen bis zu 46 Grad baute die Konzentration ab und damit auch die Treffsicherheit.

Das war diesmal ganz anders. In South Dakota, mit dem Auto neun Stunden von Chicago entfernt, pendelte sich das Thermometer auf 25 bis 30 Grad ein, dazu befand sich der Parcours im Wald – angenehm. Allerdings saß ihm die starke Konkurrenz aus Italien anfangs mächtig im Nacken. „Am ersten Tag haben gleich drei Schützen 556 von möglichen 560 Punkten geschossen“, erzählt der Fachinformatiker. „Ich war echt überrascht, wie eng das zuging.“ Im zweiten Durchgang legte er erneut 556 Zähler hin und setzte sich erstmals um zwei Punkte ab. Mit einer 525 am dritten Tag legte Becker die mit Abstand beste Runde hin und vergrößerte den Vorsprung weiter – als er mit den beiden Italienern Paolo Roberto Fumagalli und Davide Golini sowie dem Brasilianer Lawrence Augusto Alves Pinto als „Top vier“ in den letzten und entscheidenden Durchgang startete, besaß er schon ein Polster von 21 Zählern.

Beckers Ruhepuls blieb im unteren Bereich, auch wenn der WM-Titel nun zum Greifen nah war. Aufregung hilft nicht – deshalb blieb er seinem Stil treu, legte auch auf der vierten Runde mit 536 die Bestmarke hin und siegte letztlich mit 2173 von maximal möglichen 2240 Punkten, 47 mehr als der zweitplatzierte Fumagalli. „Drei Punkte weniger als bei der Europameisterschaft vor einem Jahr“, stellte er fest. „Aber das Gelände war auch schwierig.“

Das ist perfekt gelaufen, keine Frage. Zumal Danny Becker das Risiko eingegangen war, nur einen seiner Bögen mit in die USA zu nehmen. „Das Gepäck war teurer als der Flug selbst“, erzählt er. Und wenn etwas kaputtgegangen wäre? „Dann hätte ich vor Ort einen neuen Bogen kaufen müssen – oder ich hätte ein Problem gehabt.“ Probleme bereitete er aber nur seinen Konkurrenten angesichts seiner Treffsicherheit, mit der einmal mehr niemand mithalten konnte. Missgunst oder Konkurrenzdenken gab es dennoch nicht, im Gegenteil. „Als wir aus dem Parcours kamen und ich als Weltmeister feststand, haben die beiden Italiener und der Brasilianer ein Spalier für mich gebildet“, lächelt Becker. „Das war eine tolle Geste.“

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