Fußball: Vereinsvertreter setzen sich mit dem Schiedsrichterschwund auseinander
Mehr Fairness und Anstand gegenüber den Unparteiischen

Kreis Coesfeld. Im einst größten Schiedsrichterkreis Ahaus/Coesfeld schrillen seit Wochen die Alarmglocken. Die Reduzierung der Anzahl der Schiedsrichter von über 300 auf inzwischen nur noch rund 220 führt schon heute dazu, dass längst nicht mehr alle Fußballspiele mit amtlichen Spielleitern besetzt werden können. Die Kreisgremien unter Regie der Vorsitzenden des Ausschusses für Vereins und Kreisentwicklung, Christel Behmenburg, haben deshalb mit rund 100 Vereinsverantwortlichen erste Maßnahmen zum Thema Schiedsrichterschwund bearbeitet.

Dienstag, 21.01.2020, 09:12 Uhr aktualisiert: 21.01.2020, 09:20 Uhr
Fußball: Vereinsvertreter setzen sich mit dem Schiedsrichterschwund auseinander: Mehr Fairness und Anstand gegenüber den Unparteiischen
Intensiv setzten sich die Vereinsvertreter mit dem Schiedsrichterschwund auseinander. Daniel Kramer (stehend rechts) von Westfalia Osterwick stellte die Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe vor. Foto: Ingo Röschenkemper

Die Befürchtung der verantwortlichen Ansetzer, dass bei gleichbleibender Entwicklung in Zukunft die C- und B-Ligen im Kreisfußball ohne neutralen Spielleiter auskommen müssen, ist nicht von der Hand zu weisen, stellten die Verantwortlichen fest. Die Maßnahmen der Vereine können sich demnach nicht mehr nur auf die Erhaltung und Gewinnung von neuen Schiedsrichteranwärtern beziehen. Die Ursachen für den Rückgang seien von den Vereinen beeinflussbar – das Problem müsse vor Ort unterstützt durch den Fußballkreises angegangen werden.

Zu Beginn der nach dem Workshop-Prinzip durchgeführten Veranstaltung erfuhren die Teilnehmer durch die vom Kreisvorsitzenden Willy Westphal vorgetragenen Analyseergebnisse die Gründe für den Aderlass im Schiedsrichterbereich. Die zunehmende verbale und auch körperliche Gewalt auf den Sportplätzen, das ungebührliche und unsportliche Verhalten von Spielern, Übungsleitern, Betreuern gegenüber Spielleitern einerseits, wie aber die teilweise fehlende Wertschätzung im eigenen Verein seien offensichtlich die Ursachen für die hohe Anzahl der Abgänge. „Appelle und Aufrufe an die Beteiligten reichen nicht mehr“, war vom SR-Verantwortlichen Paulo Goncalves zu hören. Die Situation auf den Fußballplätzen muss sich deutlich pro Schiedsrichter verändern, um einen ordnungsgemäßen Spielbetrieb mit neutralen Spielleitern aufrechterhalten zu können.

In zehn Arbeitsgruppen hielten die Teilnehmer fest, welche Maßnahmen zu einem Mehr an Schiedsrichtern führen können. Die Ergebnisse wurden im Plenum vorgetragen und durch Christel Behmenburg und Paulo Goncalves an der Fotowand festgehalten.

Es waren nach Auffassung der Kreisverantwortlichen gute und erfolgversprechende Denkanstöße darunter, die es jetzt in den Vereinen umzusetzen gilt. Die Ergebnisse unterstreichen vor allen Dingen, dass die Vereine insbesondere auch den Ursachen entgegenwirken wollen. Zuschauer und Spielerverhalten müssen sich nach dem Willen der Vereine verändern und sich der Forderung nach Fairness und Anstand anpassen.

Abgerundet wurde der Abend durch Vorträge der Schiedsrichterbeauftragten aus den Vereinen Adler Buldern, TSG Dülmen und DJK Eintracht Stadtlohn, die offensichtlich vorbildlich ihre Schiedsrichter wertschätzen und sie in ihrem Vereinsleben voll integriert haben. Nur so, verbunden mit einem großen Engagement der Beauftragten, lasse sich das Übersoll an Spielleitern, das diese Vereine vorweisen können, erklären. Alle Beteiligten waren sich einig in der Hoffnung, dass sich in Zukunft wieder mehr junge Menschen für die ehrenamtliche Tätigkeit als Schiedsrichter interessieren und dadurch die Situation im Kreis verbessert wird.

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