Fußball: Schiedsrichter Timo Ebbing betreibt sein Hobby weiter mit Freude
Emotionen ja – aber keine Gewalt

Coesfeld. Nein, bedroht gefühlt hat er sich bislang auf dem Feld noch nicht. Allerdings hat Timo Ebbing sehr wohl wahrgenommen, dass der Ton in der vergangenen Zeit rauer geworden ist. „Ich kann es nachvollziehen, dass einige Kollegen das unter den Umständen nicht mehr als Hobby betreiben wollen und aufhören“, gibt der 31-Jährige zu. Schade, denn Schiedsrichter werden gebraucht, nicht nur im Fußball. Zumal es meistens ja auch viel Spaß mache – „auch wenn die Anfeindungen in den Spielen sicherlich zugenommen haben.“

Mittwoch, 05.02.2020, 11:04 Uhr aktualisiert: 05.02.2020, 11:10 Uhr
Fußball: Schiedsrichter Timo Ebbing betreibt sein Hobby weiter mit Freude: Emotionen ja – aber keine Gewalt
Klare Ansage: Schiedsrichter Timo Ebbing (rechts) im Gespräch mit Simon Brück (Mitte) und seinem Namensvetter Timo Ebbing von der DJK Coesfeld-VBRS. Foto: Frank Wittenberg

Im Fußballkreis Ahaus/Coesfeld schrillen schon längst die Alarmglocken. Von 300 auf etwa 220 ist die Zahl der aktiven Unparteiischen innerhalb von zwei Jahren gesunken. Folglich wird es immer schwieriger, die Spiele zu besetzen. „Sprüche von außen oder Emotionen auf dem Feld hat es immer gegeben, das gehört dazu“, sagt Ebbing, der schon 2004 Spiele geleitet, dann vermehrt wieder selbst gekickt hat und seit 2014 konsequent an der Pfeife ist. Das Lamentieren, ständige Diskussionen und Kritik an den Entscheidungen, das habe sich zuletzt aber deutlich verschärft, schildert er seine Eindrücke. Und nicht zuletzt das Pokalfinale der A-Junioren im November, bei dem es nach dem Abpfiff zu einer Rudelbildung mit Schlägen und Drohungen gekommen ist, habe gezeigt, dass solche Vorkommnisse eben nicht mehr weit weg sind, sondern vor der Haustür passieren – „auch wenn die Schiedsrichter-Leistung in diesem Fall nicht der Grund war.“

Timo Ebbing weiß, wie sehr der Schiri im Fokus steht. Manchmal sogar mehr als gedacht, wie im Coesfelder Kreisliga-Derby zwischen der SG 06 und der DJK-VBRS, als sich satte 1200 Zuschauer um den Platz tummelten und in einigen Situationen natürlich alle Blicke auf das Schiri-Gespann gerichtet waren. „Das war auf eine Art ein absolutes Highlight“, beschreibt der Coesfelder, der für den VfL Billerbeck pfeift und bis zur Bezirksliga leitet, diese außergewöhnlichen 90 Minuten, die er „nicht aufgeregt, aber mit freudiger Anspannung“ erlebt habe. Ganz ausblenden lasse sich eine so große Kulisse nicht: „Die Reaktion der Zuschauer auf meine Entscheidungen ist dann natürlich deutlich lauter.“

Und noch heftiger wird es auf der ganz großen Bühne. Riesige Diskussionen hat die gelb-rote Karte ausgelöst, die Schiri Tobias Stieler am Samstag gegen den Gladbacher Alessane Plea im Spiel bei RB Leipzig gezückt hat, weil der mehrfach lamentiert hatte. Übertrieben? Nein, sagt Timo Ebbing. Die Vorgabe des DFB, so ein Verhalten konsequenter zu bestrafen, hält er für richtig. „Aus der Sicht des Spielers kann ich die Emotionen nachvollziehen, aber er muss auch erkennen, wenn eine Grenze erreicht ist“, betont er. Zumal gerade die Bundesliga-Kicker eine Vorbildfunktion für Jugendspieler übernehmen müssten.

Der Schiri ist immer der Buhmann? Nein, so sieht der 31-Jährige es nicht. Im Gegenteil: Er genießt sein Hobby, mit dem er seinem Lieblingssport auch nach der aktiven Karriere noch eng verbunden bleiben kann. „Und ich mag es, mich selbst herauszufordern, indem ich Entscheidungen in Sekundenbruchteilen treffen muss.“ Zudem sei die Schiedsrichter-Gilde eine echte Gemeinschaft, in der es immer ehrliche Rückmeldungen gebe.

Deshalb hofft Timo Ebbing darauf, dass sich künftig wieder mehr Jugendliche und junge Erwachsene für dieses Hobby entscheiden. „Weil es Spaß macht“, versichert er. Und weil es ohne diese Freiwilligen einfach nicht geht – was jedem Kicker auf dem Platz und jedem Zuschauer am Rand bewusst sein müsste.

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