Interview über Rassismus im Amateurfußball
„Ich wünsche mir mehr Zivilcourage“

Kreis Coesfeld. Immer wieder fallen Fußballprofis rassistischen Beleidigungen zum Opfer. Aktuellster Fall: Im Drittligaspiel zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers wird Leroy Kwadwo mit imitierten Affenlauten von einem „Fan“ beleidigt. Gibt es solche Vorfälle auch auf lokaler Ebene und wie sollte darauf reagiert werden? Redaktionsmitglied Leon Eggemann sprach darüber mit Willy Westphal, Vorsitzender des Fußballkreises Ahaus/Coesfeld.

Dienstag, 18.02.2020, 06:02 Uhr
Interview über Rassismus im Amateurfußball: „Ich wünsche mir mehr Zivilcourage“
Leroy Kwadwo von den Würzburger Kickers wurde beim Spiel gegen Preußen Münster Opfer einer rassistischen Beleidigung. Foto: dpa

Herr Westphal, der Fall Kwadwo ist nur einer von vielen. Sind ähnliche Entwicklungen und Vorkommnisse auch in den lokalen Amateurligen bekannt?

Willy Westphal: Aktuell gibt es für unseren Fußballkreis keine bekannten Vorfälle. Mit Kampagnen wie „#WirSindUnsEinig“ setzen wir ein Zeichen gegen Gewalt und gegen Rechts. Leider kann ich nicht ausschließen, dass es zum Teil zu Einzelfällen kommt – eben zu solchen rassistischen Zuschaueräußerungen. Zudem hat es in der Vergangenheit sicherlich Fälle mit rassistischem Gedankengut gegeben.

Mit welchen Maßnahmen reagiert der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen?

Willy Westphal: Wir gehen ohne Einschränkungen gegen solche Fälle vor. Grundsätzlich werden diese über den Spielbericht des Schiedsrichters an den Staffelleiter weitergegeben. Von dort werden die Fälle an das Verbandssportgericht weitergeleitet, wo es ein Verfahren und letztlich eine Verurteilung gibt. So beträgt die Mindeststrafe bei rassistischen Äußerungen von Zuschauern 1000 Euro.

Wie sollten Ihrer Meinung nach Spieler, Trainer und Schiedsrichter reagieren, wenn es zu rassistischen Äußerungen am Sportplatz kommt?

Willy Westphal: Die Reaktion der Münsteraner Fans, die dem Übeltäter entgegentraten und sich klar für Kwadwo und gegen Rechts bekannten, halte ich für beispielhaft – nicht nur im Sinne des Sports, sondern auch der Gesellschaft. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass Betroffene nicht weiterspielen wollen, wenn diese rassistisch angegriffen werden. Dann wünsche ich mir mehr Zivilcourage. Spieler, Trainer, Schiedsrichter und auch die Zuschauer sollten Solidarität zeigen und sofort einschreiten. Auch der Verein als solcher ist in der Pflicht, auf solche Vorkommnisse zu reagieren. Ansonsten müsse sich dieser ebenfalls vor dem Verbandssportgericht verantworten.

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