Leichtathletik: Nele Dieker und Johanna Rier im alternativen Training
Rollen ersetzen die Spikes

Coesfeld. Die Verlockung war groß, als sie am Coesfelder Berg ihre Runden drehte. „Ich wäre gerne einfach mal neben der Strecke in den Sand gesprungen“, lächelt Johanna Rier. Das Gefühl, einen Satz in die Grube zu machen, die aufspritzenden Körner zu sehen und zu fühlen – Dinge, die sie schmerzlich vermisst. Denn wie ihre Teamkollegin Nele Dieker kann die 16-jährige Athletin der LG Coesfeld ihr Training nur im Park oder auf der Straße absolvieren. In Corona-Zeiten müssen die Rollen unter den Inlinern die geliebten Spikes ersetzen.

Freitag, 01.05.2020, 17:15 Uhr aktualisiert: 01.05.2020, 18:00 Uhr
Leichtathletik: Nele Dieker und Johanna Rier im alternativen Training: Rollen ersetzen die Spikes
Hoch hinaus: Mit Steigesprüngen an Hürden bringt sich Johanna Rier in Form. Foto: az

Auch an diesem Tag schnallen sich die beiden Leidensgenossinnen ihre Inliner und arbeiten – mit Sicherheitsabstand – an ihrer Ausdauer. Ein Stück weit sogar Glück im Unglück für Nele Dieker, die sich nach einer langwierigen Fußverletzung erst wieder herantasten muss. „Drei Monate musste ich pausieren“, erzählt die 15-Jährige. Die Winter-Wurfmeisterschaften in Neubrandenburg hat sie noch mitgenommen, dann ging nichts mehr. Inliner fahren und Krafttraining stehen mittlerweile wieder auf dem Programm. Sprinten und voll belasten darf die Speerwerferin, die zum Landeskader zählt, noch nicht. „Wurftraining mache ich nur aus dem Arm, ohne Anlauf“, sagt Nele. Folglich kommen die Rollen unter den Füßen ganz gelegen.

Da ist Johanna Rier schon einen Schritt weiter, obwohl auch sie verletzungsbedingt längere Zeit in der Warteschleife hing. „Beim Vorkampf zur Team-DM habe ich im Weitsprung etwas im Knie gespürt“, erinnert sie sich. Eine Woche lang plagten sie Schmerzen, dann ging es weiter – Leichtathleten sind schließlich hart im Nehmen. „Damit habe ich sogar bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Bremen mit 5,67 Metern meine neue persönliche Bestleistung aufgestellt“, muss sie selbst staunen, denn wie lädiert das Knie war, zeigte sich kurz darauf im Ferienlager: Meniskusriss, OP. Das war das Aus für das Finale der Team-DM in Berlin, zu dem sie aber dennoch mitreiste und ihre Teamkolleginnen der weiblichen U 16 mit aller Motivation unterstützte.

Abgehakt. Seit vier Wochen darf Johanna wieder voll belasten – allerdings ist nach wie vor kein reguläres Training möglich. Weder in Coesfeld, noch in Lehrgängen des Bundesnachwuchskaders, in den sie nach ihrer Topleistung in Bremen berufen wurde. Mit Sprints auf der Straße muss sie sich begnügen, oder auch mit Steigesprüngen an Hürden. „Wir nutzen Geräte, die wir mitnehmen durften“, erzählt Nele Dieker. Speerwurf außerhalb des Stadions zu betreiben, ist natürlich schwierig – und für die Mitmenschen in der Umgebung gewiss auch nicht ungefährlich. „Deshalb habe ich Bälle, die dem Gewicht des Speers entsprechen.“ Die können schon mal im Park verwendet oder bevorzugt durch den heimischen Garten geschleudert werden.

All das kann aber nicht das Gefühl ersetzen, gemeinsam mit den Teamkolleginnen und den Trainern im Stadion Nord zu üben oder auf die Wettkämpfe zu fahren. „Das vermissen wir total“, versichert Nele. Da fehlen die fachlichen Anweisungen, aber auch die Späße und kleinen Neckereien mit dem Trainerteam Sandra und Matze Bertels, Jens Konert und Bernd Bohmert. „Wir haben Trainingspläne bekommen und wissen, was zu tun ist“, lächelt Johanna.

Über allem steht die Hoffnung, möglichst bald wieder auf den Platz zurückkehren zu können. „Wir sind draußen und nicht in der Halle, haben in vielen Disziplinen nicht den direkten Kontakt“, betont LG-Sportwart Bernd Bohmert. Ein Training zu entzerren, in kleinen Gruppen mit Sicherheitsabstand zu arbeiten, das wäre in der Leichtathletik möglich: „Zumal wir gerade bei den Kleinen mit vielen Betreuern gut aufgestellt sind.“

Noch ist Geduld gefragt. An ihren Zielen halten sie ohnehin fest. „Das sind die Deutschen Meisterschaften“, erklärt Nele Dieker. Bei 42,08 Metern, aufgestellt bei den NRW-Meisterschaften in Duisburg, liegt ihre Bestmarke mit dem Speer, die Norm für die DM beträgt 44 Meter. Nichts ist unmöglich – auch wenn die beiden LG-Athletinnen zunächst schon unendlich froh wären, die Inliner wieder gegen Spikes tauschen zu können.

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