Kanu: Marisa Kaup von der DJK-VBRS trainiert mit dem Bundeskader
Die Leidenschaft liegt in den Genen

Coesfeld. Mit Tempo rauscht sie auf die beiden Stangen zu, die an einem Seil gespannt dicht über der Wasseroberfläche hängen. Plötzlich stemmt Marisa Kaup das Paddel kräftig ins Wasser, taucht mit dem hinteren Teil ihres Kanus in die Berkel und nimmt die Kurve eng und mit gewaltigen Tempo, ehe sie Sekundenbruchteile später schon das nächste Tor ins Visier nimmt. „Hier ist das noch gut machbar“, sagt Carsten Kaup mit Blick auf seine Tochter. Im künstlichen Kanal in Leipzig werden beispielsweise bis zu 18 Kubikmeter Wasser durch die Bahn gedrückt – „da geht es schon richtig zur Sache!“

Montag, 11.05.2020, 10:45 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 10:50 Uhr
Kanu: Marisa Kaup von der DJK-VBRS trainiert mit dem Bundeskader: Die Leidenschaft liegt in den Genen
Herausforderung Wildwasserpark: Zwei Trainingseinheiten in der Woche absolviert Marisa Kaup als Bundeskader-Athletin in Hagen-Hohenlimburg. Foto: Frank Wittenberg

Der Weg war früh vorgezeichnet. „Ihre ersten Meter im Kanu hat sie schon als kleines Kind vorne bei mir im Zweier zurückgelegt“, lächelt Carsten Kaup. Diese Leidenschaft hat sich Marisa Kaup bis heute bewahrt – kein Wunder bei den Genen, die sie durch ihren Vater und ihre Mutter Andrea in die Wiege gelegt bekommen hat. Ausruhen auf dem Talent gilt aber nicht, vielmehr arbeitet die 16-Jährige hart dafür. Mit Erfolg: Die Kanutin der DJK Coesfeld-VBRS hat es bereits in den Bundeskader geschafft. Ein Umstand, den sie gar nicht an die große Glocke hängen will. Nein, sie bleibt bescheiden. Nationalteam? Weltmeisterschaft? Irgendwann vielleicht sogar Olympia? Träume sind erlaubt, aber Abheben ist nicht gefragt.

Hartes Training ist die eine Sache – die Belohnung dafür sind die Wettkämpfe, aber da hängt Marisa Kaup wie so viele andere Sportler in der Warteschleife. „Mein letztes Rennen habe ich im Herbst in London bestritten“, denkt die Schülerin zurück. In der offenen Konkurrenz ohne Altersklassen-Einteilung hatte sie es zwar nicht ins Finale geschafft, was ihr in der Jugendklasse regelmäßig höchst erfolgreich gelingt. „Ich kann aber so schon wichtige Erfahrungen sammeln“, erzählt sie über das Kräftemessen mit den ganz Großen im Canadier.

Mit dem Ende der Weltcup-Saison beginnt die Vorbereitung auf die nächste. Die verlief diesmal aber so ganz anders, denn der Lockdown im März erreichte natürlich auch den Kanusport. Das erste Weltranglisten-Rennen hätte bereits Ende März im Wildwasserpark Hüningen in Frankreich stattgefunden – abgesagt, ebenso wie die Trainingslager, die an mehreren Wochenenden hintereinander in Leipzig stattgefunden hätten. Auf der Berkel, wo die DJK/VBRS-Kanuten in Höhe der Neumühle einen kleinen Slalomparcours ausgewiesen haben, durfte sie individuell unterwegs sein. „Seit zwei Wochen können wir wieder in Hohenlimburg trainieren“, freut sich Marisa Kaup. Zweimal in der Woche wird sie von ihren Eltern nach Hagen gefahren, um im dortigen Wildwasserpark an ihrer Technik zu feilen. Ihre Landestrainerin vor Ort ist Ariane Herde, selbst Olympia-Sechste im Kajak-Einer in Peking 2012.

Vier bis fünf Stunden ist sie jedes Mal dafür unterwegs, im Winter teilweise den ganzen Tag, um gleich zwei Einheiten zu absolvieren. 100 Kilometer hin, 100 zurück. Dazu kommen noch rund drei Trainings in der Woche auf der Berkel. „Das kann ich mir aber gut einteilen“, genießt die 16-Jährige den Vorteil, jederzeit mit dem Fahrrad zum Parcours zu kommen. Viel Zeit für andere Hobbys bleibt da nicht. „Auch Reiten habe ich immer gerne gemacht“, lächelt sie. Aber ein Leben ohne den Kanusport, nein, das wäre nur schwer vorstellbar.

Was die Saison, die so ungewöhnlich begonnen hat, noch bringt? „Die Deutschen Meisterschaften im Kanu-Slalom wären mein Saisonhöhepunkt“, blickt Marisa Kaup auf den Wettbewerb Mitte September in Lofer/Österreich, der ebenso noch im Kalender steht wie der Deutschland-Cup Ende August in Metz/Frankreich, wo sie schon im vergangenen Jahr mit den Plätzen eins und vier sehr erfolgreich unterwegs war. Auch die WM in Slowenien und die EM in Polen sind bislang nicht abgesagt – „allerdings müssten vorher Qualifikationen möglich sein“, weiß Carsten Kaup.

Vorerst bleiben nur das Training und die Ziele vor Augen. Im nächsten Jahr wird Marisa zur Juniorinnenklasse gehören. „Es da ins Nationalteam und zur Weltmeisterschaft zu schaffen, wäre super“, blickt sie voraus. Dafür will sie weiter hart arbeiten, im Wildwasser und auch auf der Berkel, immer mit Bescheidenheit – und vor allem mit ganz viel Spaß.

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