Mark Ostendarp setzte das Highlight beim Coesfelder 10-km-Citylauf
Rekord für die Ewigkeit

Coesfeld. Die erste Hälfte im Jahr 2000 war zum Vergessen. Da hätte er am liebsten ein Ei drüber geschlagen. „Ich hatte das Pfeiffersche Drüsenfieber, war matt und müde“, erinnert sich Mark Ostendarp, „und war total neben der Spur.“ Doch ab Sommer lief es endlich wieder. „Das war, als hätte ich den Reset-Knopf gedrückt“, erzählt er, „nachdem ich die Olympischen Spiele in Sydney verpasst hatte, wollte ich bei den Straßenläufen im Herbst zeigen, was ich drauf habe.“ Da kam ihm der Coesfelder Citylauf über 10 Kilometer wie gerufen.

Donnerstag, 14.05.2020, 06:06 Uhr
Mark Ostendarp setzte das Highlight beim Coesfelder 10-km-Citylauf: Rekord für die Ewigkeit
Ein Strauß Blumen für den strahlenden Sieger: Mark Ostendarp, Sieger 2000 und Streckenrekordler über 10 km beim Coesfelder Citylauf. Foto: az

Schon gleich nach dem Startschuss von Uli Kuhlmann sauste er allen davon. Mit seinem langen Fahrgestell legte der Lokalmatador rasch einige Meter zwischen sich und seine Verfolger. Hätte er kurz angehalten, um sich die Schuhe zu binden, sie wären wohl alle respektvoll stehen geblieben. „Die ersten 1000 Meter bin ich sehr schnell angegangen. Als ich auf die Uhr schaute, hab’ ich mich selbst erschrocken.“ Seine Durchgangszeit: zwei Minuten und 50 Sekunden. O-Ton Ostendarp: „Verdammt flott!“

Kein Wunder, dass er danach allein seine vier Runden durch die Innenstadt drehen musste. Weit und breit war nichts zu sehen von den Konkurrenten, die diesem rasanten Schrittwirbel nicht folgen mochten. Sein Tempo wäre ihnen gewiss nicht gut bekommen.

Angefeuert von einem begeisterten Publikum, knallte er den höchsten Gang ins Getriebe. Einmal auf Touren, war Ostendarp kaum mehr zu bremsen in seinem Tatendrang. Nichts und niemand konnte ihn aufhalten. Als er über die Ziellinie spurtete, galt sein neugieriger Blick den gelben Zahlen auf der Digitaluhr. 20:47 war dort zu lesen. Streckenrekord! Mit Karacho hatte er die zwölf Monate alte Bestmarke (29:58 Minuten) des Kenianers Cyrus Kataron weggewischt.

Die Helfer drückten ihm einen Strauß bunter Blumen in die Hand. Mit einem strahlenden Lächeln posierte Mark Ostendarp für die Fotografen vorm Lamberti-Kirchturm. Auf die Blumen folgte Bares für den Sieg und eine Extra-Prämie für sein phantastisches Solo, das er mit einer Wahnsinnszeit beendet hatte.

Eine hatte ihm unterwegs ganz fest die Daumen gedrückt: seine Mutter. „Sie war mein treuester Fan“, meinte der Sohnemann, „dieses Rennen wollte sie sich auf keinen Fall entgehen lassen.“ Das war auch gut so. „Super“, freute sich Anneliese Ostendarp, die mit ihrem Ehemann Josef, der inzwischen verstorben ist, live dabei war. Ihr Kommentar: „Mark ist gelaufen, als würde er über den Wolken schweben.“ Recht hatte sie. Mark Ostendarp, damals 27 Jahre jung, war über die Strecke geflogen, dass sogar Dieter Engbersen, der ihn mit seiner Fietse begleitete, arg ins Schwitzen kam. „Puh“, stöhnte er, „ich musste ganz schön in die Pedalen treten.“ Engbersen hatte ihm mit seiner Flüstertüte lauthals den Weg gebahnt, denn auf dem 2,5 Kilometer langen Kurs überrundete Ostendarp alsbald die nicht ganz so zügigen Teilnehmer, die ohne Murren Platz machten für den Hauptdarsteller dieser Veranstaltung.

Es war für ihn bereits der zweite Triumph vor heimischer Kulisse. „1998 hatte ich hier ebenfalls gewonnen“, berichtete der gebürtige Coesfelder, der im Trikot des TV Wattenscheid 01 seine größten Erfolge feierte, ähnlich wie sein Kumpel Rüdiger Stenzel. „Bei meinem ersten Sieg lief ich 30:19.“ Da war das Wetter allerdings längst nicht so toll, sondern kühl und nass. Anno 2000 schien die Sonne. Warm war es und windstill.

Mark Ostendarp nutzte die Top-Bedingungen zu einem imposanten Auftritt. „Ich hatte auch den Vorsatz, schnell zu laufen“, blickte er zurück, „die Form war da.“ Anschließend folgte eine kurze Wettkampfpause, um den Akku aufzuladen und um die Ausbildung voranzutreiben. Ostendarp fuhr immer zweigleisig. Sein Maschinenbau-Studium mit dem Schwerpunkt Fertigungstechnik hatte er in jenem Herbst bereits abgeschlossen und noch ein Aufbaustudium Wirtschaftsingenieurswissenschaften nachgeschoben.

Beruflich ging alles seinen geregelten Gang. Und sportlich hatte er beim Citylauf auch wieder geglänzt. Wenn bloß dieses Pfeiffersche Drüsenfieber nicht gewesen wäre. „Dann hätte ich vorher auf der Bahn vielleicht die Olympia-Norm unterboten und wäre nach Sydney geflogen“, dachte er an die Krankheit, die ihm eine Schaffenspause im Sommer eingebrockt hatte.

Auch 2001 ist er ein weiteres Mal beim „Zehner“ in der City mitgerannt. „Da hatte ich jedoch müde Beine“, betonte Ostendarp, „weil ich eine Woche zuvor beim Köln-Marathon gestartet bin.“ Mit 2:18:13 Stunden war ihm auf Anhieb ein erstklassiges Resultat gelungen.

Dass sein Streckenrekord in Coesfeld wie in Stein gemeißelt ist und allen Angriffen standgehalten hat, wundert ihn. „Wenn Tono Kirschbaum, der mein Trainer war, mit seinen Athleten aufkreuzen würde, dann wäre ich den Rekord los. Hendrik Pfeifer und Amanal Petros haben die Zeit drauf.“

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