Handball: 2006 steigen die DJK/VBRS-Damen in die Oberliga auf
Exklusiv-Auftritt auf dem Balkon

Coesfeld. Was Bayern München kann, das können sie schon lange. Vom Rathaus-Balkon den begeisterten Fans zujubeln, unter den Klängen einer Musikkapelle, inklusive Sektdusche, bitteschön: An diesem Sonntagabend wird es Realität. „Das war das erste Mal, dass eine Sportmannschaft so empfangen wurde“, schwärmt Thomas Bücking noch heute. „Und das hat es seitdem auch nicht wieder gegeben.“ Eine Huldigung, die allein den Handballerinnen der DJK Coesfeld-VBRS am 14. Mai 2006 zuteil wurde – weil sie gut drei Stunden zuvor Coesfeld zur Oberliga-Stadt gemacht hatten.

Samstag, 30.05.2020, 13:15 Uhr aktualisiert: 30.05.2020, 13:30 Uhr
Handball: 2006 steigen die DJK/VBRS-Damen in die Oberliga auf: Exklusiv-Auftritt auf dem Balkon
Der Trainer führt die Raupe an: (von links) André Overkämping, Daniela Lanze, Christina Schneider und Anja Haverkämper nach dem Triumph in Hamm. Foto: az

Als Trainer André Overkämping gegen 17.30 Uhr die Raupe anführt, die unter dem Jubel der rund 100 mitgereisten Fans ihre Runden über das Hallenparkett der Friedensschule in Hamm dreht, hat der Abteilungsleiter überhaupt keine Zeit, sich ausgiebig über den größten Erfolg im DJK-Handball zu freuen. „Ich stand die ganze Zeit im Gang und habe wie wild telefoniert“, lächelt Bücking. Denn wenn schon Aufstieg, dann bitteschön mit allem drum und dran. „Ich hatte sie alle Gewehr bei Fuß und musste sie jetzt informieren.“ Bürgermeister, Blaue Husaren, Getränkehändler, die Aktiven der Kinderhilfe für den Ausschank und so weiter. Der Marktplatz sollte für die Rückkehr der Heldinnen perfekt vorbereitet sein.

Die hatten sich die Chance auf die Oberliga durch eine starke Saison erarbeitet. Für den Meistertitel reicht es zwar nicht in dieser Spielzeit 2005/06, denn der TuS Müssen/Billinghauen erweist sich als zu konstant – auch wenn die Coesfelderinnen den Konkurrenten im März mit einer 26:18-Gala aus der Halle schießen. Schnell zeichnet sich aber ab, dass der zweite Platz zur Relegation um den Aufstieg berechtigt. Den sichern sich die DJK-Damen frühzeitig.

Mit dem Wissen um die eigene Stärke geht es Anfang Mai in die Relegation gegen den Tabellenzweiten der anderen Verbandsliga-Staffel, HSE Hamm. Das Hinspiel steigt in der eigenen „Hölle 1“ am Schulzentrum, wo es allerdings nicht gelingt, sich ein üppiges Polster zu verschaffen. Die Coesfelderinnen führen vor rund 300 Zuschauern zwar kurz vor Schluss mit 25:19, müssen sich aber mit einem 26:23 zufrieden geben. „Der erste Schritt zum Oberliga-Aufstieg ist gemacht – den zweiten machen wir nächste Woche“, kündigt der Trainer direkt nach dem Spiel selbstbewusst an.

Und André Overkämping soll recht behalten. Mit zwei Bussen machen sich die DJK-Damen am 14. Mai auf die Reise nach Hamm, um den Aufstieg in trockene Tücher zu bringen. „Wir mussten noch einmal richtig Gas geben“, erlebt Thomas Bücking alles andere als einen entspannten Nachmittag. Zwar führen die Coesfelderinnen mit 5:2, haben aber kurz vor der Pause beim 6:9-Rückstand ihren Drei-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel aufgebraucht. Mit 7:9 geht es in die Kabine. Overkämping nimmt eine Umstellung in der Deckung vor, und plötzlich läuft es: Tine Hekman gelingt der 10:10-Ausgleich, dann zieht die DJK-VBRS über 14:11 auf 17:12 davon und feiert am Ende einen 24:20-Erfolg. Das ist der Oberliga-Aufstieg!

Mannschaft, Verantwortliche und Fans lassen es anschließend krachen. Die Spielerinnen, die sich wenige Tage zuvor mit einem 28:22-Sieg gegen Vorwärts Wettingen II den Kreispokal gesichert hatten, werden nach der Rückkehr im Rathaus von Bürgermeister Heinz Öhmann empfangen. Und dann kommt der große Moment: Das Volk huldigt der Mannschaft, die auf den mit einer DJK-Fahne geschmückten Balkon tritt – und Steffi Gerdes bedankt sich von oben mit einer Sektdusche.

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