Inline-Skating: Norbert Vogelpohl hat keine Angst vor langen Strecken
Marathon auf acht Rollen

Coesfeld. Ein bisschen Sorge um seine Zielzeit beschleicht ihn, als er sich startklar macht für seinen ersten Coesfelder Inline-Marathon. „Eine Stunde und 55 Minuten habe ich mir vorgenommen“, sagt Norbert Vogelpohl. „Allerdings weiß ich nicht, wie sich der böige Wind unterwegs auswirkt.“ Keine zwei Stunden später steht fest: Ziel erreicht, sogar um fünf Minuten unterboten – „auch wenn ich an manchen Stellen länger arbeiten musste als sonst.“

Donnerstag, 11.06.2020, 07:50 Uhr
Inline-Skating: Norbert Vogelpohl hat keine Angst vor langen Strecken: Marathon auf acht Rollen
Auf acht Rollen durch die Natur: Weil der Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg ausgefallen ist, hat Norbert Vogelpohl die 42 Kilometer auf seiner Trainingsstrecke in Flamschen absolviert. Foto: Frank Wittenberg

Ein Marathon auf acht Rollen, das ist für den 58-jährigen Coesfelder nicht ungewöhnlich. „2007 in Duisburg habe ich die Distanz zu ersten Mal absolviert, damals knapp unter zwei Stunden“, erzählt er. Bei diesem Rhein-Ruhr-Marathon wäre er auch am vergangenen Wochenende gestartet. Fest eingeplant im Terminkalender war die Großveranstaltung, die aber wie so viele andere Events den Vorgaben im Hinblick auf die Corona-Pandemie zum Opfer gefallen ist. Die berühmt-berüchtigten 42,195 Kilometer wollte er dennoch absolvieren, dann eben auf seiner Trainingsstrecke, die von der Freilichtbühne zum Industriepark Nord.Westfalen und zurück führt. Sechs Runden, sogar 42,5 Kilometer, auch wenn die App an diesem Tag nach der Zieldurchfahrt ein paar Meter weniger anzeigt.

Eigentlich hatte er mit dieser Form von Ausdauersport lange nichts am Hut. „Ich war immer Fußballer, zuletzt bei der DJK Coesfeld“, erzählt Vogelpohl. Vor allem durch das sehr zeitintensive Ehrenamt Kommunalpolitik sei es aber irgendwann schwierig mit einem festgelegten Mannschaftstraining geworden. „2005 bin ich aufs Skaten gekommen“, erinnert er sich. „Durch die Gegend gerollt“ sei er in der ersten Zeit – „aber das hat mich nicht so richtig gefordert.“

Der Kick kam über seine beiden Schwäger, die ihn in Rheine, wo es einen Inliner-Club gibt, zu einem Halbmarathon bewegt haben. Der Ehrgeiz war geweckt, also folgte 2007 der besagte erste Marathon in Duisburg. „Da bin ich seitdem Stammgast“, lächelt der langjährige Sprecher der Grünen-Fraktion im Kreistag. Lediglich 2011 habe er gefehlt – und 2010 wegen eines technischen Defekts das Ziel nicht erreicht. „Ein Zehn-Pfennigs-teil war schuld“, denkt er an die gebrochene Öse, die dazu geführt habe, plötzlich keinen Halt mehr im Gelenk zu spüren.

Abgesehen vom Rhein-Ruhr-Marathon gibt es einige Events, die Norbert Vogelpohl sehr gerne in seinen Kalender aufnimmt. Die Rennen in Bonn und Hamburg zählen dazu, Heidelberg reizt ihn, nicht zuletzt Berlin, wo er bereits fünf Mal am Start war und 2016 auch seine persönliche Netto-Bestzeit über die Marathon-Distanz mit 1:33,48 Stunden aufgestellt hat. „In so einem Rennen geht das sicherlich 15 Minuten schneller als im Alleingang“, sagt er. Wie bei den Radrennen könne in Linien gefahren werden, was Windschatten biete. „Außerdem sind die Strecken abgesperrt“, lächelt der Lehrer am Pictorius-Berufskolleg in Coesfeld. „Man muss also nicht so auf den Verkehr achten.“ Ein außergewöhnliches Rennen gebe es leider seit einigen Jahren nicht mehr: den Mittelrhein-Marathon, bei dem alle Teilnehmer zunächst gemeinsam mit dem Zug zum Startpunkt gefahren sind und dessen Finisher-Bereich am Deutschen Eck in Koblenz lag: „Eine tolle Atmosphäre.“

Seine Planungen für 2020 muss er wie viele andere Sportler über den Haufen werfen. In Hamburg und Berlin wollte er starten, aber das wird nichts. So bleibt in erster Linie nur das Training: einmal in der Woche zwei Stunden auf dem Fahrrad, zwei Einheiten auf Inlinern, dazu wichtiges Kraft und Stabilisationstraining. Die Hoffnung auf einen „echten“ Wettkampf bleibt noch: Der Halbmarathon in Bonn ist zunächst in den Oktober verschoben.

Norbert Vogelpohl bleibt in Bewegung. Zumal sich seine Ausflüge zu den großen Marathon-Events leicht mit der Familie verbinden lassen. „In Bonn war ich im vergangenen Jahr zum ersten Mal im Halbmarathon gemeinsam mit meiner Tochter Maren auf der Strecke“, lächelt er. „Ich auf Inlinern, sie zu Fuß – ein besonderes Erlebnis.“

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