Sara Kaute hat einen vierbeinigen Tempomacher
„Sally“ mag Leberwurst über alles

Coesfeld. Sie läuft und läuft und läuft. Sara Kaute sammelt Kilometer wie andere Leute Briefmarken. Sie ist dauernd unterwegs – und nie allein. Ihr Bodyguard heißt „Sally“, eine treue Begleiterin, die ihr auf Schritt und Tritt folgt. „Sie ist nicht kaputt zu kriegen, ja, sie hat Kondition für zwei“, sagt die 36-jährige Langstrecklerin und verteilt ein dickes Lob, „ein Top-Hund!“

Dienstag, 30.06.2020, 05:50 Uhr
Sara Kaute hat einen vierbeinigen Tempomacher: „Sally“ mag Leberwurst über alles
Verstehen sich prima: Sara Kaute und ihr „Sally-Schätzchen“. Foto: az

Da haben sich zwei gesucht und gefunden. Hundert Kilometer rennen sie allwöchentlich. Seite an Seite. Querbeet durch Wald und Flur. „Frauchen“ gibt die Richtung vor, die Hundedame trabt nebenher. Locker flockig, als wolle sie sagen: Geht’s nicht ein bisschen schneller!

„Sally“ kommt aus Münster. Sie ist zugereist, wenn man so will. „Sie war anderthalb Jahre im Tierheim“, berichtet Sara Kaute, „ich wusste anfangs nicht, inwieweit sie belastbar ist, und war deshalb zunächst mal vorsichtig.“ Als sie dann das erste gemeinsame Läufchen absolvierten, war ihr sonnenklar: „Hoppla, da hab’ ich aber eine flotte Tempomacherin.“ Leichtfüßig eilte „Sally“ den Coesfelder Berg hoch, machte an der Dreilindenhöhe eine kleine Schaffenspause, schnüffelte kurz, schon ging es schnurstracks weiter Richtung Sitter. „Sie wurde überhaupt nicht müde und war sofort topfit.“ Einen Marathon hat sie auch bereits geschafft. „Mit links! Ohne Probleme“, erzählt Sara Kaute von ihrem Trip zu Fuß nach Münster, „das waren sogar 44 Kilometer, noch etwas mehr als ein Marathon.“ Mit der Bahn ging es retour. „Laufen findet sie tausendmal besser als Zugfahren.“ Oder neulich haben sie auch wieder einen „long jog“, einen langen Lauf, zu zweit gemeistert. Ihre Tour führte sie vom Walkenbrücker Tor, in dessen unmittelbarer Nähe Sara Kaute und ihr vierbeiniger Untermieter wohnen, über Gerleve in die Baumberge bis zum Longinusturm. Dort wartete Christian Spangenberg, Sara Kautes Freund, und brachte das Lauf-Duo zurück in die Heimat.

Christian Spangenberg, den alle „Spangi“ rufen, ist auch Läufer, ein „schneller Hirsch“, der in seiner Altersklasse regelmäßig die schönsten Pokale abschleppt. „Manchmal laufen wir zu dritt, das ist allerdings eher selten“, erklärt Sara Kaute, „Christian kann nicht anhalten, er meint, dann käme er aus dem Rhythmus.“ Da „Sally“ unterwegs mal einem anderen Hund ganz freundlich guten Tag sagen oder einfach nur ihr Geschäft erledigen möchte, ist das nichts für ihn. „Spangi“ gibt immer Vollgas, ob im Porsche oder in Laufschuhen, das Wörtchen Pause existiert nicht in seinem Vokabular.

Aber er ist auch Hundefreund. „Wenn Christian vorbeischaut, hat er jedes Mal eine Schnitte Brot dabei, dick bestrichen mit Leberwurst. Dann flippt ‚Sally’ aus!“ Weil Sara Kaute kein Fleisch verzehrt, gibt’s auch mal vegetarische Wurst. „Da macht ‚Sally’ keinen Unterschied. Sie futtert beides. Ratzfatz ist alles weg.“ Sie hat einen riesigen Appetit. Kein Wunder bei den Kilometer-Rationen, die „Sally“ mit ihrem „Frauchen“ tagein tagaus bewältigt. Bei Wind und Wetter sind beide auf den Beinen und den Pfoten. O-Ton Sara Kaute: „Sie hat die richtigen Lauf-Gene.“ Dalmatiner und Labrador waren einst dafür verantwortlich, dass „Sally“ das Licht der Tierwelt erblickte.

Die nette Hundedame hält es in den vier Wänden auch mal für längere Zeit alleine aus. Sie nimmt dann nicht die Bude auseinander, wie es so mancher Artgenosse tut. Nein, nein. „Sally-Schätzchen“ ist wohlerzogen. Mutterseelenallein ist sie ohnehin nie. Sara Kaute hat auch noch zwei „Durchschnittskatzen“, wie sie sagt. Dass Hund und Katze sich nicht grün sind, kann sie nicht bestätigen. „Ach was! Die drei verstehen sich super.“

Als gelernte Krankenschwester arbeitet Sara Kaute in den Christophorus-Kliniken. Noch im vergangenen Jahr hatte sie eine 40-Prozent Stelle, jetzt ist sie zu 75 Prozent beschäftigt. „Früher habe ich stets Nachtschicht gemacht, von abends 20.15 Uhr bis morgens 6.15 Uhr.“ Mittlerweile schiebt sie normalen Dienst. Mal Frühschicht von 6 bis 13.30 Uhr, mal Spätschicht von 13 bis 20.30 Uhr, mal Nachtschicht von 20.15 bis 6.15 Uhr. Pro Woche kommt sie auf 30 Stunden.

Wenn die „Chefin“ nicht da ist, legt sich „Sally“ ins Körbchen. Schlafenszeit. Sie hat natürlich ihre eigene Decke – schön in Schwarz mit Pfötchen drauf. Da streckt sie alle Viere von sich, döst, träumt von Leberwurst und anderen Leckerlis und wartet geduldig, bis „Frauchen“ heimkommt und zum Laufen einlädt. Ihre Trainingszeiten variieren, wegen der unterschiedlichen Arbeitszeiten.

Neben Job und Freund bleibt immer noch genügend Freiraum für „Sally“, mit der sie zusammen ihre Runden dreht. „Auf freier Pläne laufen wir am liebsten“, bemerkt Sara Kaute, „dann haben beide was davon.“ Sie nimmt ihre tierische Freundin mit, wann immer es möglich ist. „Nur beim Tempotraining darf ‚Sally’ nicht mit. Sie hat Bahnverbot!“ Auf der Kunststoffpiste im Sportzentrum Nord sind keine Hunde erlaubt. „Sally“ kann’s verschmerzen. Sie hat auch so ausreichend Bewegung. Davon können andere Vierbeiner bloß träumen.

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