Beachvolleyball: Die Hallensprecher Henning Heuermann und Tim Herbstmann wagen sich in den Sand
Der Schnapper darf nicht schnappen

Coesfeld. Zu Beginn fühlte er sich ein wenig verzweifelt. „Ob das was wird?“, fragte sich Henning Heuermann mit Blick auf seinen Kumpel und Spielpartner Tim Herbstmann. Denn wenn der Schnapper nicht schnappen darf, ist das schon eine gewaltige Umstellung. „Am Anfang hat er tatsächlich einige Male nach einem Hechtsprung den Ball festgehalten“, grinst Heuermann. Der Spagat zwischen Fußball-Torwart und Beachvolleyballer ist kein einfacher – aber Herbstmann gelingt es immer besser, auch wenn der erste gemeinsame Turnierauftritt am Samstag auf dem Papier nicht von Erfolg gekrönt war.

Montag, 10.08.2020, 11:40 Uhr
Beachvolleyball: Die Hallensprecher Henning Heuermann und Tim Herbstmann wagen sich in den Sand: Der Schnapper darf nicht schnappen
Dann kann sich der gelernte-Fußball-Torwart noch so strecken: Diesen Ball erreicht Tim Herbstmann nicht – sein Beachvolleyball-Teamkollege Henning Heuermann (rechts) staunt dennoch. Fotos: fw Foto: az

Als Duo im Sand ist es von Vorteil, wenn sie auf einer Wellenlänge unterwegs sind. Und da haben sich zwei gesucht und gefunden: Henning Heuermann und Tim Herbstmann verstehen sich nicht nur privat hervorragend, sie haben sich auch längst einen Namen als Einpeitscher bei den Heimspielen des Volleyball-Regionalligisten SG Coesfeld 06 gemacht. Wenn die Mannschaft um die Punkte kämpft, vielleicht sogar einen nahezu aussichtslosen Rückstand drehen muss, dann leisten sie ihren Beitrag. „Das macht großen Spaß“, freut sich Heuermann über das positive Feedback. Wenn sie die 250 bis 300 Zuschauer in ihrer Halle durch ihr Entertainment mitnehmen können, gibt das der Mannschaft zusätzlich Feuer – und sorgt auch beim Gegner für Respekt. „Die kommen gerne nach Coesfeld und genießen die besondere Atmosphäre.“

Mit dem Aufstieg in die Regionalliga war die Idee aufgekommen, die Heimspiele im Schulzentrum noch mehr als Event aufzuziehen, inklusive Ansagen und Musik. „Ich habe dann nach einer fähigen Person gesucht, die mit mir im Gleichtakt ist“, lächelt Heuermann – wer sollte sich also besser eignen als Tim Herbstmann? „Wobei das aber im Vorfeld auch eine Menge Arbeit ist, die Einspieler vorzubereiten“, weiß der SG-Torwart mittlerweile aus Erfahrung. „Aber das pusht die Mannschaft und die Zuschauer, deshalb machen wir es gerne.“

Aus der engen Verbindung zu den Volleyballern ist bei dem 22-Jährigen auch die Idee entstanden, sich zusätzlich mit dieser Sportart fit zu halten. „Wenn es zeitlich passt, dann gerne“, sagt Herbstmann, der natürlich in der aktuellen Fußball-Saisonvorbereitung kaum Gelegenheit findet, mit dem leichteren Ball unterwegs zu sein. Und wenn doch, dann genießt er es – zumal er spürt, dass diese andere Art der Belastung seinem Körper gut tut: „Gerade im Sand ist das ein super Konditionstraining und fördert auch die Sprungkraft.“ Auch wenn er sich darauf konzentrieren muss, denn Ball eben nicht zu schnappen und unter sich zu begraben. „Daran musste ich mich gewöhnen“, gibt Tim Herbstmann ehrlich zu.

Auf die Unterstützung seines Spielpartners kann er sich verlassen. Zumal der weiß, wie Volleyball funktioniert: Henning Heuermann hat 2019 mit der SG 06 den Regionalliga-Aufstieg geschafft, sich dann aber freiwillig in die zweite Mannschaft zurückgezogen. „Meine Freundin wohnt in Passau“, erzählt der fast 24-Jährige. „Da kann ich nicht an jedem Wochenende sicher zur Verfügung stehen.“ Das verträgt sich nicht mit dem Aufwand Regionalliga und dem maximalen Einsatz, den er dafür von sich selbst fordern würde.

Wobei der Schritt in die SG-Reserve von maximalem Erfolg gekrönt war: Unter seinem Vater Bernhard und dem von ihm vorgegebenen „spaßorientierten Erfolgsvolleyball“ haben Henning Heuermann und Co. lediglich drei Sätze abgegeben und schon vor dem Corona-Saisonabbruch souverän den Aufstieg in die Landesliga geschafft. Die neue Herausforderung nehmen sie gerne an: „Wobei immer noch im Vordergrund steht, dass viele zum Einsatz kommen und die Jugendlichen eingebaut werden.“

Wenn dann noch Zeit bleibt für einen Ausflug in den Sand wie am Samstag beim Herren-D-Cup der SG 06, und das auch noch gemeinsam mit Tim Herbstmann, dann umso besser. „Mit Temperaturen um die 35 Grad haben wir allerdings nicht gerechnet.“ Tapfer, aber unter dem Strich erfolglos wühlt sich das Duo durch den heißen Sand, das vorher schon eine Partie zum wichtigsten Spiel des Tages erklärte: die Begegnung gegen die SG-Kollegen Yannick „Virgil“ van Dijk und André Wilde. Die geht allerdings mit 9:15 und 11:15 verloren, und nach der nächsten Niederlage gegen Patrick Oelpmann/Florian Eckel ist dann vorzeitig Schluss für die Sand- und Sound-Kombination Heuermann/Herbstmann, was aber zumindest Henning Heuermann nicht dramatisch findet. „Für das Finale hätte ich sowieso keine Zeit gehabt“, zuckt er mit den Schulten. „Um 17 Uhr muss ich kegeln.“

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