Fußball: Vorwärts Lette hinkt der Konkurrenz noch hinterher
Die jungen Wilden müssen lernen

Lette. Der Platz in der Tabelle scheint zementiert. Für Wochen, vielleicht sogar für Monate, denn wann Vorwärts Lette das Unternehmen Klassenerhalt in der Kreisliga A fortsetzen kann, steht in den Sternen. „Das nervt“, gibt Michael Buß zu. „Zumal wir uns zuletzt Schritt für Schritt verbessert hatten.“ Die zweite Corona-Welle hat Vorwärts allerdings ausgebremst – nicht schön, aber notwendig, betont der Spielertrainer. Denn die Pandemie habe auf viele Menschen gravierende Auswirkungen: „Da ist der Fußball das geringste Problem.“

Donnerstag, 19.11.2020, 10:30 Uhr
Fußball: Vorwärts Lette hinkt der Konkurrenz noch hinterher: Die jungen Wilden müssen lernen
Er läuft und läuft und läuft: Luca Wolter (rechts) hat als einziger Vorwärts-Spieler in dieser Saison noch keine Minute verpasst. Fotos: Frank Wittenberg Foto: az

Trotzdem würde natürlich auch Buß lieber heute als morgen wieder gegen den Ball treten. Laufen und versuchen, den Fitnessstand zu halten, mehr bleibt ihm und seinen Spielern aktuell nicht übrig. Zwei bis drei Einheiten in der Woche, unter Corona-Bedingungen jeder für sich. „Wir wollen allzeit bereit sein für den Moment, wenn es weitergeht“, sagt der 31-Jährige. Erst nach Weihnachten, wie seit gestern feststeht – womit er ohnehin gerechnet hatte. „Zumal wir am 20. Dezember in Legden spielen müssten.“ Auf Naturrasen – das hätte erfahrungsgemäß kaum funktionieren können.

Dabei würden sie zu gerne die bislang magere Bilanz mit nur einem Punkt aus acht Spielen und dem letzten Tabellenplatz so schnell wie möglich aufhübschen. Warum es bislang nicht wie gewünscht geklappt hat, führt der Trainer auf mehrere Faktoren zurück. Einer davon sind die ständigen Umstellungen, die durch Verletzungen notwendig waren: In diesen acht Partien hat Buß bereits 24 verschiedene Spieler eingesetzt. Zu Langzeitverletzten wie Niklas Hessel oder Torwart Björn Pieper gesellten sich immer wieder weitere Ausfälle wie Marvin Schley oder die Enns-Brüder Dennis und Kevin. „Gerade auch in der Innenverteidigung mussten wie immer wieder umstellen“, bedauert Buß. 27 Gegentore sprechen eine deutliche Sprache, wobei allein 14 davon in den beiden Auswärtsspielen bei Fortuna Seppenrade (1:8) und DJK Dülmen (4:6) eingeschlagen sind.

Ein weiteres Manko: die Chancenverwertung. Denn Möglichkeiten haben sie sich durchaus erspielt, sie aber zu selten genutzt. „Wir arbeiten in den Trainingseinheiten immer wieder daran, bekommen es aber sonntags noch nicht umgesetzt“, gibt der Filialleiter der Sparkasse Westmünsterland in Rorup zu. Bestes Beispiel war das letzte Spiel der Zwangspause gegen die Roruper. „Da hatten wir in der ersten Halbzeit drei hundertprozentige Chancen“, schüttelt er den Kopf. „Dann sind wir hinten nicht clever genug und liegen zurück.“ Am Ende stand eine bittere 1:2-Niederlage, deren Geschmack sie in die ungewiss lange Corona-Zwangspause mitnehmen mussten.

Trotz aller Rückschläge: Sie sehen sich auf einem guten Weg. „Wir brauchen Zeit“, betont Michael Buß. Da ist er sich mit Michael „Schmiddi“ Schmitz und Michael „Micky“ Richter, den Verantwortlichen der Vorwärts-Fußballabteilung, einig. Zeit, weil der Kader eben sehr jung und unerfahren ist. „Wir konnten uns damals in Ruhe entwickeln, weil wir die gestandenen Spieler zwischen 25 und 32 Jahren an unserer Seite hatte“, denkt er zurück an seine eigenen ersten Seniorenjahre. Diese Altersklasse fehlt den Letteranern nahezu vollständig. Was auch immer wieder dazu führe, dass seine jungen Wilden noch nicht über die körperliche Robustheit verfügten. „Das wollen wir kompensieren, indem wir viele Wege gehen und es spielerisch lösen“, sagt der Trainer. Eine Entwicklung, die besagte Zeit in Anspruch nimmt, auch wenn er Trainingsbeteiligung und -einsatz sowie das Klima in der Mannschaft als prima bezeichnet.

Noch ist alles drin. Der Lerneffekt sei sichtbar, betont Michael Buß, der deshalb auch keinen Zweifel daran hat, dass sich sein Personal noch aus dem Tabellenkeller herausarbeiten würde. Wenn sie denn irgendwann wieder loslegen dürfen. „Erstmal müssen die Corona-Zahlen zurückgehen“, zeigt sich der 32-Jährige realistisch. Vielleicht könne ab März oder April wieder um Punkte gespielt werden – ob aber dann die Saison noch durchgezogen werden kann, vermag er nicht einzuschätzen. „Ob wir eine Wertung hinbekommen?“, zuckt er mit den Schultern. „Ich halte das für fraglich.“

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