Fußball: Gabriel Cavar spielt beim VfL Bochum und hofft auf den Sprung zu den Profis
Viel mehr als nur ein Traum

Coesfeld. Perfekt fliegt der Ball. Abgefeuert aus 18 Metern – der Torwart macht sich lang und länger, kommt aber nicht heran an die Kugel, die unhaltbar einschlägt. „Und das auch noch mit meinem schwächeren linken Fuß“, lächelt Gabriel Cavar. Ein Tor, aber nicht irgendeines, sondern speziell, außergewöhnlich, „sensationell“, wie der 18-jährige Coesfelder es selbst bezeichnet. Erzielt bei seinem allerersten Einsatz für die Profis des Zweitligisten VfL Bochum, gegen den 1. FC Köln, gegen Top-Keeper Timo Horn.

Samstag, 28.11.2020, 12:30 Uhr
Fußball: Gabriel Cavar spielt beim VfL Bochum und hofft auf den Sprung zu den Profis: Viel mehr als nur ein Traum
Besonderes Erlebnis: Gabriel Cavar (Nummer vier) hat eine Berufung in die U 18-Nationalmannschaft erhalten und ist im Trikot Kroatiens aufgelaufen. Foto: az

Ein Moment, der sich für immer einbrennt, da ist sich Cavar sicher. Dass er überhaupt reinschnuppern darf in diesem Testspiel am 12. November, ist schon eine große Sache für den Kapitän der U 19 des VfL. „Vorher durfte ich schon drei Tage bei den Profis mittrainieren“, erzählt er. Fünf Kicker aus dem eigenen Nachwuchsbereich beruft Trainer Thomas Reis in der Länderspielpause in den Kader, zwei von ihnen dürfen mitfahren nach Köln – darunter Gabriel Cavar. In der 71. Minute darf er tatsächlich aufs Feld, und nur 16 Minuten später trifft er zum 3:1-Endstand. Was für ein Debüt! „Der Trainer hat sich für mich gefreut“, gibt sich Gabriel Cavar bescheiden.

Es ist der vorläufige Höhepunkt eines Weges, den der heute 18-Jährige Schritt für Schritt nach oben nimmt. Angefangen bei Dinamo Zagreb, dann insgesamt fünf Jahre bei der SG Coesfeld 06, anschließend GW Nottuln, Preußen Münster, nun in der vierten Saison beim VfL Bochum. Das gute Gefühl, das ihn beim Wechsel zum Club „tief im Westen“ begleitet, soll ihn nicht trügen. „Ich war damals zum Gespräch in Bochum und Dortmund“, erzählt er. Auch der große BVB will sich die Dienste des Mittelfeldspielers sichern – aber Gabriel Cavar erliegt nicht der Verlockung, gleich das ganz große Ding zu drehen. „Wie viele Spieler kommen da wirklich oben an?“, verweist er auf den extremen Konkurrenzkampf. Ein Youssoufa Moukoko aktuell, und sonst? „Ich hatte das Gefühl, dass ich meinen Weg besser in Bochum machen kann.“ Und tatsächlich: Beim VfL wird er nicht nur schnell Stammkraft, sondern auch Kapitän und Führungsspieler.

Dabei ist vielleicht gar nicht so selbstverständlich, dass er dem Fußball hinterherjagt. Denn Gabriels Mutter pflegt über viele Jahre sehr erfolgreich eine andere Sportart: Sandra Sever-Cavar führt im Jahr 1996 die Tischtennisspielerinnen der Assistance Coesfeld in die zweite Liga. Nach dem Aufstieg wechselt sie zum Zweitligisten TTC Spich, wo sie bis 2001 spielt, ehe sie als Spitzenspielerin zum damaligen Oberligisten Team Heidifoto Coesfeld II zurückkehrt. Im Januar 2002 legt sie den Schläger zur Seite, denn Gabriel ist unterwegs – und der tritt später nicht in ihre Fußstapfen. „Tischtennis war für mich keine Option“, lächelt der Schüler, der in dieser Hinsicht lieber seinem Vater Andelko nacheifert. „Meine Mutter kann damit leben“, versichert Cavar und verweist darauf, mit sehr sportbegeisterten Eltern gesegnet zu sein: „Sie sind bei jedem meiner Spiele dabei.“

Ohne den Rückhalt geht es auch nicht. Denn der Aufwand ist groß: Fünf Trainingseinheiten stehen in der Woche mit der U 19 des VfL Bochum auf dem Programm, dazu am Wochenende das Spiel. „Nur mittwochs ist frei“, sagt der 18-Jährige, der im nächsten Frühjahr auf der Liebfrauenschule sein Abitur ablegen will. Wobei natürlich auch das Nachwuchsteam wie fast alle anderen Sportmannschaften vom aktuellen Lockdown betroffen ist. Nichts geht wegen der Corona-Pandemie. „Schade, denn wir waren richtig gut gestartet“, blickt Gabriel Cavar auf die bisherige Bilanz in der U 19-Bundesliga West: 4:0 gegen den SC Paderborn, 2:0 bei Viktoria Köln, 2:0 gegen Fortuna Köln – neun Punkte aus drei Spielen, das ist Rang zwei hinter den Borussen aus Dortmund, die ein Spiel mehr ausgetragen haben.

Jetzt aber ist die Zwangspause angesagt, von der niemand weiß, wie lange sie andauern wird. Deshalb liegt vorerst auch die Karriere in der Jugendnationalmannschaft Kroatiens auf Eis, bei der Cavar schon zu einem Trainingslager mit Testspielen der U 18 eingeladen war. „Ein tolles Gefühl, im Nationaltrikot aufzulaufen“, schwärmt er. Gespannt ist der Coesfelder, ob nach Corona weitere Einladungen folgen.

Sein Glück im Unglück: Weil er dank seiner guten Leistungen im „Talentwerk“ des VfL bereits bei den Profis einen Fuß in der Tür hat, darf er dort jetzt regelmäßig mittrainieren. „So wie es passt“, muss er Schule und Fußball noch unter einen Hut bekommen. Wenn das Zweitliga-Team am Vormittag eine Einheit absolviert, muss Gabriel Cavar die Schulbank drücken – aber danach geht es dann nach Bochum, um sich auf dem Trainingsplatz mit Simon Zoller, Silvère Ganvoula und Co. zu messen. „Natürlich muss ich als Youngster erstmal die Bälle tragen“, gibt er mit einem Lächeln zu. „Aber wenn man alles gibt, wird man schnell akzeptiert.“

Vielleicht ist er bald „so richtig“ einer von ihnen. Im nächsten Sommer steht für den 18-Jährigen der Sprung in den Seniorenbereich an. Und für ihn ist der Schritt in den Profifußball, von dem fast jedes kleine Kind träumt, zum Greifen nah. Gespannt ist er, ob sich der große Wunsch erfüllt – und dem Tor gegen den 1. FC Köln weitere Treffer gegen die ganz Großen der Zunft folgen. „Dann im vollen Stadion vor Zuschauern“, lacht Gabriel Cavar. Das wäre noch so viel besser.

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