Handball: Besonders im Jugendbereich bereitet der anhaltende Sport-Lockdown Sorgen
„Familie“ muss auf Distanz bleiben

Coesfeld. Die Sehnsucht ist groß, nicht nur bei den Aktiven. „Selbst meine Enkelkinder fragen mich immer wieder, wann wir wieder zusammen in die Halle können“, lächelt Thomas Bücking. Eine Antwort muss er schuldig bleiben, obwohl beim Handball-Abteilungsleiter der DJK Coesfeld sonst viele Fäden zusammenlaufen. Nichts geht, und davon sind die Hallensportler besonders betroffen. Vor allem bei den Kindern und Jugendlichen ist die Situation schwierig, denn sie haben seit Anfang März kein einziges Punktspiel bestreiten dürfen.

Samstag, 05.12.2020, 13:12 Uhr aktualisiert: 05.12.2020, 13:20 Uhr
Handball: Besonders im Jugendbereich bereitet der anhaltende Sport-Lockdown Sorgen: „Familie“ muss auf Distanz bleiben
Foto: Archiv

Die Mitglieder um Verständnis bitten und bei Laune halten, das steht für den Abteilungsvorstand und die Trainer zurzeit im Mittelpunkt. Training ist nicht möglich, persönliche Treffen auch nicht, der Kontakt soll dennoch gehalten werden. „Deshalb haben wir alle Trainer ab der C-Jugend aufwärts dazu motiviert, ein- bis zweimal in der Woche eine Videokonferenz anzubieten“, berichtet Bücking, der auch mit dem Abteilungsvorstand auf diesem Weg im ständigen Austausch steht. Denn die sportliche Betätigung sei die eine Sache – ebenso wichtig seien auch die sozialen Kontakte. „Über die Plattformen kann gemeinsam Sport betrieben werden, und man kann einfach miteinander plaudern“, lächelt er. „Auch das macht es aus.“

Noch komplizierter gestalte sich die Situation bei den jüngsten Handballern, die auf diesem Weg noch nicht so gut zu einzubinden seien. „Auch da wollen wir einen Weg finden, im Rahmen einer Adventsaktion alle zu erreichen“, kündigt Bücking an. Bisher sei ein sehr solidarisches Verhalten zu spüren, obwohl das eigentliche Angebot bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr für längere Zeit auf Eis liege. „Eine spürbare Fluktuation im Jugendbereich haben wir bislang glücklicherweise nicht“, freut er sich. Allerdings sei ja nicht auszuschließen, dass die Kinder und Jugendlichen auf andere Ideen kommen, wenn sie nach anderen Beschäftigungsfeldern Ausschau halten müssen.

Die aktuellen Mitglieder im Boot halten, das ist die eine Sache. Nahezu unmöglich erscheint es zurzeit, Nachwuchs zu gewinnen. „Da wird es in den nächsten Jahren möglicherweise Löcher geben“, fürchtet der Abteilungsleiter Probleme in den einzelnen Altersklassen, wenn über einen noch längeren Zeitraum keine aktive Werbung für den Handball betrieben werden könne. Das laufe bei der DJK Eintracht sonst zu einem Großteil über das Erlebnis Live-Sport in der Halle, das junge Menschen dazu motiviere, auch mal selbst den Ball in die Hand zu nehmen. Dieser Bereich sei nun komplett weggebrochen – besonders dramatisch im Jugendbereich. „Da ist die neue Saison ja erst gar nicht gestartet“, schüttelt Bücking den Kopf. Zwischenzeitlich sei zumindest Training möglich gewesen, aber das letzte „echte“ Spiel liege bis Anfang März zurück. „Wir haben eine lange Sommerpause von Mai bis September, jetzt scheint es sogar ein ganzes Jahr von März bis März zu dauern.“

Weil die regelmäßigen Treffen in der Halle fehlen, liegt bislang auch die Trainerfrage auf Eis. Noch sei mit Dirk Haverkämper als Chef der Verbandsliga-Damen und Sven Holz als Coach der Bezirksliga-Herren nicht über die kommende Saison 2021/22 gesprochen worden. „Das werden wir aber rechtzeitig angehen“, kündigt Thomas Bücking an, der guten Mutes ist, dass ihm beide Verantwortlichen erhalten bleiben: „Wenn ich ihr Engagement auch in dieser Zeit sehe und wie gut sie ihre Mannschaft zusammenhalten, dann glaube ich, dass sie dabeibleiben.“ Eine Hoffnung, die er auch auf die Sponsoren überträgt, ohne die der Spielbetrieb mit den Auswärtsfahrten und Schiedsrichterkosten kaum zu stemmen sei.

Was bleibt, ist das Prinzip Hoffnung. „Wenn es optimal läuft, könnte vielleicht Anfang Februar wieder gespielt werden“, gibt sich der DJK-Abteilungsleiter optimistisch. Wobei nicht nur der Sport an sich wichtig sei, sondern auch der Faktor Kommunikation – sprich die gemeinsamen Nachmittage und Abende in der Halle am Schulzentrum, bei denen alle Altersklassen zusammenkommen. „Eigentlich könnten wir uns ja treffen, weil wir ja eine große Handball-Familie sind“, sagt Thomas Bücking mit einem Augenzwinkern. Nein, ernsthaft, heiß sind alle darauf, aber es ist nach wie vor viel Geduld gefragt: „Wir können nur hoffen, dass bald wieder bessere Zeiten kommen.“

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