Fußball: Marvin Benjamnis setzt auf die U 23 von Preußen Münster und eine Ausbildung
Nach oben – mit Bodenhaftung

Coesfeld. So groß der Reiz auch ist, voll auf die Karte Fußball zu setzen und der Leidenschaft freien Lauf zu lassen – Marvin Benjamins bleibt mit beiden Füßen auf dem Boden. Natürlich ist das Ziel, so weit wie möglich nach oben zu kommen. „Die erste Mannschaft der Preußen wäre super, vielleicht auch noch in Richtung höhere Ligen“, lächelt der 18-Jährige. Aber sicher ist: Zunächst steht die Ausbildung zum Industriekaufmann im Vordergrund. Danach will der Coesfelder, der ab dem Sommer zum Oberliga-Kader der U 23 von Preußen Münster zählt, sehen, wohin die Reise geht.

Samstag, 17.04.2021, 12:45 Uhr aktualisiert: 17.04.2021, 12:50 Uhr
Fußball: Marvin Benjamnis setzt auf die U 23 von Preußen Münster und eine Ausbildung: Nach oben – mit Bodenhaftung
Die Nummer elf trägt Marvin Benjamnis als Stammspieler in der U 19 des SC Preußen Münster. Ab dem Sommer wird der Coesfelder zum Oberliga-Kader der U 23 zählen. Foto: Frank Wittenberg

Den Preußen-Adler auf der Brust trägt er schon gefühlte Ewigkeiten. „Das ist jetzt schon mein sechstes Jahr“, blickt Marvin zurück, der im zarten Alter von vier Jahren bei den Minikickern der SG Coesfeld 06 unter Guido Hamburger und Andreas van Deenen seine ersten Pässe geschlagen hat. In der D-Jugend durfte er seine Fertigkeiten zunächst unter Christoph Klaas und dann unter Patrick Steinberg weiter verfeinern, ehe er in der U 14 den Schritt wagte: Gemeinsam mit Gabriel Cavar schloss er sich den Preußen an.

Und da ging der Coesfelder seinen Weg. Regionalliga als höchste Spielklasse bei den C-Junioren, anschließend insgesamt drei Jahre Junioren-Bundesliga in der U 16 sowie nun bei den „Youngstars“, den A-Junioren – an Herausforderungen mangelte es nicht. Vier Trainingseinheiten pro Woche, dazu am Wochenende ein Spiel, da geht bei Auswärtsfahrten schon mal der komplette Tag drauf. „Darauf muss man schon Bock haben“, gibt der Oswald-von-Nell-Breuning-Schüler zu. Es ist ein Hobby mit reichlich Zeitaufwand.

Zumindest in normalen Zeiten. Denn die Corona-Pandemie hat auch die U 19 der Preußen knallhart ausgebremst. Dabei waren Benjamins und Co. ordentlich gestartet: Zwar ging nach der befürchteten 0:5-Niederlage gegen Borussia Dortmund mit drei Toren von Youssoufa Moukoko auch das zweite Spiel bei Fortuna Düsseldorf unglücklich mit 1:2 verloren, dann aber folgten ein 2:0 gegen den SC Paderborn und ein 3:0-Auswärtssieg bei Fortuna Köln. „Das nächste Spiel wäre beim VfL Bochum gewesen“, zuckt der Abwehrmann mit den Schultern. Auf das Wiedersehen mit seinen ehemaligen SG-Kollegen Gabriel Cavar und Luca Tersteeg im VfL-Trikot hatte er sich riesig gefreut, aber dann kam Ende Oktober die Corona-Zwangspause.

Aus der gibt es bislang kein wirkliches Entrinnen. Zwei Monate lang ging gar nichts, seit Anfang Januar darf Marvin Benjamnis an einem Fördertraining teilnehmen. Zehn Spieler aus verschiedenen Altersklassen gehören zu diesem Perspektivkader, für den ihn seine Trainer Arne Barez und Janis Hohenhövel gemeldet haben. Seit gut vier Wochen darf wieder in gesamter Mannschaftsstärke trainiert werden – Fortgang ungewiss. „Ansonsten hatten wir unsere Pläne und haben über Zoom mit unserem Athletiktrainer gearbeitet.“ Was aber nicht mit dem „normalen“ Training zu vergleichen sei. Und schon gar nicht mit dem Gefühl, in einem Spiel und echten Wettbewerb auf dem Platz zu stehen. So fehle auch die Konkurrenz, der Kampf um den Stammplatz unter der Woche. „Jeder hat richtig Bock, wieder loszulegen“, sagt Marvin Benjamins. „Das ständige Warten drückt auf die Motivation.“

Die Hoffnung, noch einmal für die U 19 auflaufen zu können, schwindet mit jedem Tag. Also bleibt nur der Blick voraus, und da ist der Weg des Coesfelders fest vorgezeichnet. Frühzeitig schon haben sich die Preußen gemeldet, um sich weiter die Dienste des Linksfußes zu sichern. In der U 23 unter Trainer Sören Weinfurtner und dem Co Daniel Feldkamp wird er künftig in der Oberliga auflaufen – was auch mit seiner Ausbildung kompatibel ist, die er im August in Reken antritt. Beim Regionalliga-Team hat Marvin Benjamins schon mitgemacht, aber aktuell wäre ein Training unter Profibedingungen für ihn eben nicht möglich: „Aber das läuft mir ja nicht weg.“

Das SG-Eigengewächs geht es Schritt für Schritt an. Nie die Bodenhaftung verlieren, sich in Ruhe entwickeln, das ist das Motto. Dazu will sich der 18-Jährige in der U 23 der Preußen möglichst viele Spielanteile holen – was auch seinen größten Fan freuen würde: Oma Lilo, die früher immer dabei war, wenn Marvin gegen die Kugel getreten hat. Jetzt ist die 83-Jährige nicht mehr so mobil. „Wir haben ihr aber auf dem Tablet einen Live-Ticker zu den Preußen-Spielen eingerichtet“, lacht Marvins Vater Marco Benjamnis. Wenn der Enkel im Einsatz ist, bleibt die Oma so immer auf Ballhöhe.

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