Leichtathletik: Speerwerferinnen Nele Dieker und Mirja Lukas trainieren im „goldgas Talent-Team“
Volle Kraft voraus Richtung DM

Coesfeld. Nein, ganz selbstverständlich ist der Ehrgeiz in diesen Zeiten nicht. Denn Thomas Stienemeier weiß genau, dass es für seine Athletinnen zurzeit nicht einfach ist, ein konkretes Ziel ins Visier zu nehmen. „Mit der Aussicht auf Wettkämpfe ist es nach wie vor schwierig“, zuckt der Speerwurf-Landestrainer mit den Schultern. „Wir wissen nicht, worauf wir hintrainieren.“ Umso glücklicher ist er, dass seine beiden Schützlinge im Trikot der LG Coesfeld mit so viel Einsatz anpacken. „Sport macht immer Spaß“, lächelt Nele Dieker und findet die volle Zustimmung von Mirja Lukas. „Wir sind motiviert!“

Montag, 26.04.2021, 07:22 Uhr aktualisiert: 26.04.2021, 07:30 Uhr
Leichtathletik: Speerwerferinnen Nele Dieker und Mirja Lukas trainieren im „goldgas Talent-Team“: Volle Kraft voraus Richtung DM
Hervorragende Siebenkämpferin mit der Spezialdisziplin Speerwurf: Mirja Lukas will die DM-Norm knacken. Foto: az

Die beiden 16-Jährigen zählen zum Speerwurf-Landeskader, gehören dem sogenannten „goldgas Talent-Team“ an. Nele schon seit dem vergangenen Jahr, Mirja ist nun neu dabei. Allerdings wirkt sich auch hier die Corona-Pandemie massiv aus, denn das Fördertraining kann nicht in gewohnter Form stattfinden. Eigentlich würde zusätzlich zum Heimtraining einmal in der Woche eine gemeinsame Einheit mit dem Landeskader stattfinden. „Aber ein überregionales Training ist aktuell nicht gewollt und in vielen Kommunen auch gar nicht möglich“, erklärt Thomas Stienemeier. Auch das Trainingslager, das ursprünglich für die zweite Woche der Osterferien geplant war, musste abgesagt werden.

Folglich dreht Stienemeier an diesem Abend den Spieß um: Wenn die Athletinnen nicht zu ihm kommen können, besucht er sie vor Ort. Und das nicht mit leeren Händen, denn im Gepäck hat der Landestrainer die goldgas-Ausstattung mit Trainingsanzug, T-Shirt Rucksack und Trainings-Tagebuch, in dem Aufwand und Leistungen festgehalten werden können. Dass dieses Buch bei Nele Dieker und Mirja Lukas voll wird, daran hat der 46-Jährige aus Wadersloh keinen Zweifel. „In Coesfeld wird hervorragende Arbeit geleistet“, weiß Stienemeier aus Erfahrung. Ein gesteuertes Fördertraining sei zurzeit leider nicht möglich, also nehme er vornehmlich eine beratende Funktion ein, gebe Pläne und Anregungen weiter. Aber wenn seine beiden Schützlinge im Stadion Nord corona-konform unter der Leitung von Sandra und Matze Bertels sowie Bernd Bohmert trainieren, dann kann er sich darauf verlassen, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht.

Zumal mit den steigenden Temperaturen auch der Spaß immer mehr zurückkommt. „Im Winter war es nicht immer ganz einfach, sich zu motivieren“, gibt Mirja ehrlich zu. Die Hallen und Plätze dicht, die Trainingspläne „irgendwo draußen“ abarbeiten, das auch nur mit Bällen und nicht mit dem Speer – keine einfache Situation für die jungen Sportlerinnen. „Seit Anfang März dürfen wir wieder ins Stadion.“ Eine Erleichterung, wenn auch nach wie vor alle Hygienevorschriften strikt beachtet werden müssen.

Bereit sein für den Moment, wenn sie wieder richtig loslegen dürfen, darum geht es. Seit den Westälischen Meisterschaften in Hagen im September 2020 hängen sie in der Warteschleife. Wann die erste Wettkämpfe anstehen? Thomas Stienemeier muss passen. „Einige Veranstaltungen sind in Planung“, sagt er. „Aber ob sie tatsächlich stattfinden, ist völlig offen.“ Jetzt im April hätten bereits die ersten Werfertage stattgefunden, im Mai die ersten Regionalmeisterschaften. Zum Beispiel die Münsterlandmeisterschaften in Lüdinghausen, die für den 30. Mai geplant waren, jetzt aber erstmal in die zweite Jahreshälfte verschoben sind.

Ein großes Ziel haben die Coesfelderinnen dennoch vor Augen: Stand jetzt sollen vom 30. Juli bis 1. August die Deutschen Jugendmeisterschaften U 20 und U 18 in Rostock durchgeführt werden. Und das im Speerwurf möglichst mit Nele Dieker und Mirja Lukas. „Für die Sportler in unserem Landeskader gilt immer die Zielsetzung, sich für die Deutschen Meisterschaften zu qualifizieren“, sagt Thomas Stienemeier. Den beiden LG-Athletinnen traut er das Rostock-Ticket zu. „Mirja schnuppert daran und Nele hat es drauf, wenn sie belastbar ist.“

Aktuell liegt Mirjas Bestweite bei 42,54 Metern, für die Qualifikation sind 44 Meter gefordert. „Ich werde bis dahin die Zeit nutzen, meine Technik zu verbessern“, kündigt die 16-Jährige an, die in der vergangenen Saison bewiesen hat, auch eine hervorragende Siebenkämpferin zu sein. Auch Nele Dieker sollte die Qualiweite draufhaben, allerdings steht für sie in Kürze eine OP an, um die hartnäckigen Fußprobleme zu beheben. „Dann sind sicherlich sechs Wochen Pause angesagt, bis ich langsam wieder loslegen kann“, blickt sie voraus. „Ich hoffe, in dieser Saison noch zu meiner alten Form zu kommen.“

Das wird schon klappen. Thomas Stienemeier ist jedenfalls optimistisch, weil er um die Motivation seiner beiden Werferinnen weiß – und darum, wie gut sie bei der LG gefördert werden. „Alles machen, was möglich ist“, gibt er als Ziel in schwierigen Zeiten aus. „Hier in Coesfeld stehen alle dahinter.“

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