Bundesliga
Schalke-Frust vor Revierderby: «Schaut nicht so toll aus»

Ein Mutmacher war es nicht. Nach dem 1:1 gegen Hoffenheim gehen die Schalker ohne Rückenwind in das Derby gegen den Erzrivalen BVB. Nach sieben Spielen ohne Sieg erinnert nur noch wenig an die starke Hinserie. Dagegen werteten die Hoffenheimer das Remis als Erfolg.

Sonntag, 08.03.2020, 10:10 Uhr aktualisiert: 08.03.2020, 11:24 Uhr
Die Schalker Markus Schubert (l) und Jean-Clair Todibo sind nach dem 1:1 gegen Hoffenheim enttäuscht.
Die Schalker Markus Schubert (l) und Jean-Clair Todibo sind nach dem 1:1 gegen Hoffenheim enttäuscht. Foto: David Inderlied

Gelsenkirchen (dpa) - Von Vorfreude auf das Revierderby war keine Spur. Eine Woche vor dem Prestigeduell mit Borussia Dortmund überwog auf Schalke der Frust. Selbst der aufmunternde Applaus der Fans nach dem 1:1 (1:0) gegen 1899 Hoffenheim spendete kaum Trost.

Eher freudlos bedankten sich die Profis nach dem Schlusspfiff vor der heimischen Nordtribüne für den Support. Wie sehr die Ansprüche nach nunmehr sieben Spielen ohne Sieg gesunken sind, verriet der Kommentar von Trainer David Wager zum eigentlich tristen Auftritt des Tabellensechsten: «Das war für unsere Verhältnisse ein gutes Spiel.»

Das aktuell schwächelnde Team hat nur noch wenig mit der starken Mannschaft aus der Hinrunde zu tun. Auch gegen Hoffenheim tat sich der Revierclub schwer, die vielen Ausfälle zu kompensieren. Immerhin fehlten gleich sechs Stammkräfte, die das bescheidene Niveau hätten anheben können. Obwohl sich an dieser Situation bis zum Duell mit dem BVB am Samstag kaum etwas ändern wird, sprach Angreifer Guido Burgstaller allen Beteiligten Mut zu: «Das Derby ist ein eigenes Spiel. An die vergangenen Spiele im Stadion der Schwarz-Gelben haben wir gute Erinnerungen.»

Angesichts der anhaltenden Personalmisere sah sich der als Freund des Offensivfußballs bekannte Wagner wie schon im Pokalspiel gegen den FC Bayern (0:1) vier Tage zuvor zu einem Paradigmenwechsel gezwungen. «Es ist was komplett anderes als das, was wir sieben, acht Monate lang gemacht haben. Wir haben einen total defensiven Ansatz gewählt», sagte der Coach. Mit festem Blick fügte er an: «Etwas anderes steht uns nicht zu, weil wir dafür einfach nicht das Personal haben. Wenn wir Punkte haben wollen, müssen wir einen anderen Ansatz wählen.»

Dabei sahen die Schalker in der ersten Halbzeit wie der Sieger aus. Doch der erste Treffer der zuletzt angriffsschwachen Schalker seit dem 8. Februar, für den Weston McKennie (20. Minute) sorgte, reichte nicht zum Sieg. Denn das Wagner-Team agierte nach dem Wiederanpfiff zu passiv, um die Führung über die Zeit zu retten. Wie Wagner warb auch Burgstaller um Nachsicht: «Das schaut nicht so toll aus, aber das ist der Situation geschuldet.»

Dass der Ausgleich ein kurioses Vorspiel hatte, sorgte beim Revierclub für zusätzliche Verärgerung. Denn schon kurz zuvor hatten die Hoffenheimer den vermeintlichen Treffer zum 1:1 bejubelt - vorschnell. Nach später Intervention annullierte der Videoassistent das Kopfballtor von Benjamin Hübner wegen Abseitsstellung. Und doch wirkten die Gäste danach wie ausgewechselt. «Das war für alle ein Weckruf. Okay, da geht was», kommentierte Einwechselspieler Christoph Baumgartner, der vier Minuten später wirklich traf.

Nach einer Ecke nutzte der Österreicher die Verwirrung in der Schalker Hintermannschaft und beförderte den Ball aus kurzer Distanz ins Netz. Damit belohnte er sein Team für die Leistungssteigerung nach der Pause. «In der ersten Halbzeit haben wir uns zu wenig zugetraut, da waren wir zu ängstlich», befand Baumgartner. Seinem Landsmann Burgstaller verdarb der Ausgleich dagegen die Stimmung: «Es ist extrem bitter. Wenn du schon kurz vorher einen reinkriegst, musst du danach eigentlich wacher sein.»

Anders als die Schalker werteten die Hoffenheimer den Punkt als Erfolg. Trainer Alfred Schreuder verwies auf das deprimierende 0:6 eine Woche zuvor gegen den FC Bayern: «Wir waren noch verunsichert, das hätte ich nicht erwartet. Aber wir sind keine Roboter, sondern Menschen.» Dennoch fand sein Team nach schwacher erster Halbzeit zurück in die Spur. Das stimmte Abwehrspieler Hübner zuversichtlich, dass die seit nunmehr fünf Partien anhaltende Sieglos-Serie bald zu Ende geht: «Wenn wir weitermachen wie in der zweiten Hälfte, dann kommen auch die Ergebnisse zurück.»

Nachrichten-Ticker