Bundesliga
«Klassenerhalt gefährdet»: Augsburg trennt sich von Schmidt

Bei seiner Verpflichtung sprach Martin Schmidt von einer «Ehe» - jetzt folgt die Scheidung. Der FC Augsburg trennt sich überraschend von dem Schweizer Coach. Sein noch nicht benannter Nachfolger hat einen Vorteil in den kommenden Wochen.

Montag, 09.03.2020, 16:42 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 16:46 Uhr
Der FC Augsburg stellte Trainer Martin Schmidt frei.
Der FC Augsburg stellte Trainer Martin Schmidt frei. Foto: Matthias Balk

München (dpa) - Trainer Martin Schmidt muss nach nicht einmal einem Jahr beim FC Augsburg wieder gehen.

Der abstiegsbedrohte Fußball-Bundesligist trennte sich nach einer enttäuschenden Bilanz in der Rückrunde am Tag nach dem 0:2 beim FC Bayern München überraschend von dem Schweizer Coach. Wer Schmidts Nachfolger beim Tabellen-14. wird und wer das Team auf das Heimspiel am Sonntag (18.00 Uhr/Sky) gegen den VfL Wolfsburg vorbereitet, ließ der Verein am Montag zunächst offen. Dem 52-jährigen Schmidt wurde eine Serie von sieben Niederlagen in neun Spielen zum Verhängnis.

«Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, aber aufgrund der Bilanz von lediglich vier Punkten aus neun Begegnungen sind wir zu der Überzeugung gekommen, auf der Trainerposition eine Veränderung vorzunehmen», sagte Manager Stefan Reuter. «Es wird immer wieder schwierige Phasen geben, die es zu überstehen gilt. In der aktuellen Situation sehen wir unser Ziel Klassenerhalt jedoch als gefährdet an, so dass wir zu diesem Entschluss gekommen sind.» Das Aus für Schmidt bedeutet den siebten Trainer-Wechsel in der laufenden Liga-Saison.

In den acht Rückrundenspielen gab es sechs Niederlagen, der Abstand auf den Relegationsrang beträgt nur noch fünf Zähler. Der neue Trainer hat den Vorteil, dass er die schwierigen Aufgaben gegen die Spitzenteams Dortmund, Leverkusen, Mönchengladbach und eben Bayern schon hinter sich hat. An den kommenden neun Spieltagen muss der FCA liefern.

Schmidt hatte im April 2019 die Nachfolge von Manuel Baum angetreten. Am Saisonende jubelte er über den Klassenverbleib. Der zunächst bis 2020 vereinbarte Kontrakt verlängert sich durch den Nichtabstieg bis 2021.

«Ich akzeptiere die Entscheidung der Vereinsführung und bedanke mich für das Vertrauen und die Chance, die ich hier bekommen habe. Ich hoffe, dass ich ein paar Spuren hinterlassen konnte, auch wenn die Punkte auf dem Platz letztlich fehlten», sagte Schmidt. «Der Verein steht immer über jedem Einzelnen. Daher wünsche ich dem FCA und dem Team alles Gute und hoffe, dass mit einem neuen Impuls die Wende gelingt.» Auch sein Co-Trainer Stefan Sartori wurde von seinen Aufgaben entbunden.

Die Kritik an Schmidt war zuletzt wieder lauter geworden. Schon in der Hinrunde war die Situation für den Schweizer schwierig, doch sechs Spiele ohne Niederlage sorgten für Ruhe. Der FCA überwinterte auf Rang zehn, doch schnell ging es wieder nach unten. In der Rückrunden-Tabelle sind die Augsburger Letzter. Bei allen Emotionen und viel Leidenschaft, die Schmidt vorlebte, beobachteten die Verantwortlichen Spielweise und Entwicklung der Mannschaft mit Sorge.

Vor allem die Defensivbilanz ist mit 52 Gegentoren erschreckend. Wiederholt hatte es in Schmidts Amtszeit auch hohe Niederlagen gegeben. Alleine in zwei der acht Rückrundenspiele kassierte sein Team fünf Gegentore. Ein Negativerlebnis war auch das 1:8 in der vergangenen Saison beim VfL Wolfsburg.

Schmidt hatte schon vor dem Bayern-Spiel geahnt, dass es für ihn ungemütlich werden könnte. «Wir brauchen uns nicht anzulügen. Wenn du sieben Spiele hast und fünf verlierst und den Trend nicht stoppen und positive Resultate bringen kannst, ist es legitim, dass der, der in der Verantwortung steht, Fragen beantworten muss», hatte der Coach noch am Freitag gesagt. Bei seiner Vorstellung vor elf Monaten hatte Schmidt bei seiner Beziehung zur Bundesliga über «Ehe» und «Liebe» sinniert - jetzt beginnt für den früheren Mainzer und Wolfsburger Trainer wieder das Single-Leben.

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