Bundesliga
Neuer FCA-Coach Herrlich fordert «Leidenschaft und Biss»

Heiko Herrlich ist neuer Trainer des FC Augsburg. Der 48-Jährige soll als Nachfolger von Martin Schmidt den Negativtrend der Schwaben in der Fußball-Bundesliga stoppen. Die gemeinsame Vergangenheit mit Stefan Reuter hält eine Warnung parat.

Dienstag, 10.03.2020, 13:38 Uhr aktualisiert: 10.03.2020, 13:44 Uhr
FCA-Manager Stefan Reuter (r) begrüßte Heiko Herrlich als neuen Trainer.
FCA-Manager Stefan Reuter (r) begrüßte Heiko Herrlich als neuen Trainer. Foto: Stefan Puchner

Augsburg (dpa) - Als den neuen Augsburger Trainer Heiko Herrlich die Nachricht von Stefan Reuter erreichte, schlummerte der 48-Jährige schon tief und fest.

«Ich glaube, die SMS kam um Viertel vor Elf oder so. Ich habe aber ab zehn geschlafen», schilderte Herrlich den Kontaktversuch. «Am nächsten Morgen habe ich mich dann zurückgemeldet.» Am Montag erfolgte dann nach nur elf Monaten beim kriselnden Tabellen-14. der Fußball-Bundesliga die Trennung von Martin Schmidt; einen Tag später wurde sein Nachfolger präsentiert. Herrlich, der einen Vertrag bis zum 30. Juni 2022 erhielt, soll den Abstieg der Schwaben verhindern.

«Wir hatten große Sorgen, dass wir unser Ziel nicht erreichen können, weil es in die falsche Richtung geht», begründete Manager Reuter das überraschende Aus von Schmidt. «Es war eine sehr gefährliche Entwicklung zu beobachten, und die Situation hat sich zugespitzt.»

Nach sechs Niederlagen in acht Rückrundenspielen und nur noch fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang wünscht sich Reuter schnell andere Auftritte - und vor allem Ergebnisse. «Ich glaube, dass Heiko für Gier, Leidenschaft und Siegermentalität steht.» Zwar habe die Mannschaft immer viel Lob bekommen, doch das sei eben auch gefährlich, warnte der Sport-Geschäftsführer.

Der frühere Regensburger und Leverkusener Trainer Herrlich spielte lange Jahre mit Reuter bei Borussia Dortmund zusammen. Aus dieser Zeit brachte er gleich eine Warnung mit. «Wir haben das in unserer gemeinsamen Vergangenheit mal erlebt», erinnerte Herrlich. Eine mit einer Rekordsumme verstärkte BVB-Mannschaft, ein Team mit Welt- und Europameistern sei immer tiefer in der Tabelle abgerutscht - und erst spät von Udo Lattek gerettet worden.

Die Schwierigkeit der aktuellen FCA-Notlage «müssen wir der Mannschaft so schnell wie möglich vermitteln», sagte Herrlich. «Spieler unterschätzen, wie schwierig die Situation ist.» Sieben Trainingseinheiten hat Herrlich bis zu seiner Premiere am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg, gegen den unabhängig aller äußerer Bedingungen wegen des Coronavirus der Neustart glücken soll.

«Meine Mannschaften haben in den letzten Jahren eigentlich immer gezeigt, dass wir Fußball mit Leidenschaft und Biss spielen wollen. Das sind Dinge, für die auch Augsburg steht», sagte Herrlich.

Nach dem Aus in Leverkusen Ende 2018 verfolgte der frühere DFB-Juniorentrainer den Fußball weiter intensiv, hospitierte bei verschiedenen Teams. Er berichtete von Besuchen der Trainingslager des FC Augsburg und von Borussia Mönchengladbach, war aber auch bei Real und Atlético Madrid zu Gast. Anfragen gab es laut Herrlich auch, sogar ein «paar exotische Geschichten» aus China oder Dubai. Und aus der Bundesliga. «Aber es war nie so konkret, dass ich gesagt habe, jetzt passt es 100 Prozent», sagte Herrlich. «Jetzt ist die Situation die, dass ich das Gefühl habe, das ist ein toller, interessanter Verein, ich möchte ihn wieder auf die Spur bringen.»

Herrlich ist der sechste Augsburger Trainer seit dem Aufstieg im Jahr 2011. Die Engagements von Dirk Schuster, Manuel Baum und eben Schmidt endeten zuletzt vorzeitig. Im Vergleich zur Liga hätten nur Freiburg und Gladbach in diesem Zeitraum weniger Trainer in der Verantwortung gehabt, sagte Reuter. «Entscheidend ist, dass man den Blick wieder nach vorne richtet. Die Entscheidung wäre nicht so gefallen, wenn wir die Überzeugung gehabt hätten, dass gemeinsam drehen zu können.»

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