Coronavirus-Krise
Debatte über Gehaltsobergrenzen im Fußball

Die Coronavirus-Pandemie zeigt: In der Krise sind viele Fußballclubs trotz hoher Einnahmen finanziell nicht besonders sicher aufgestellt. Gehaltsobergrenzen könnten helfen, Rücklagen zu bilden. Dem Manager des 1. FC Köln ist ein Punkt in der Diskussion besonders wichtig.

Sonntag, 10.05.2020, 15:49 Uhr aktualisiert: 10.05.2020, 15:52 Uhr
Kann sich Gehaltsobergrenzen im Fußball europaweit vorstellen: Horst Heldt, Sportchef vom 1. FC Köln.
Kann sich Gehaltsobergrenzen im Fußball europaweit vorstellen: Horst Heldt, Sportchef vom 1. FC Köln. Foto: Thomas Frey

Frankfurt/Main (dpa) - Mitten in der Coronavirus-Krise und unter dem Eindruck immer neuer Kritik am Milliardengeschäft Profifußball nimmt die Diskussion über die mögliche Einführung von Gehaltsobergrenzen weiter Fahrt auf.

«Ich bin dafür, das zumindest zu versuchen», sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Christian Seifert, im «Aktuellen Sportstudio» des ZDF. Solche Grenzen könnten sich nicht nur auf die teils exorbitanten Spielergehälter, sondern auch auf Beraterhonorare und Ablösesummen beziehen.

Manager Horst Heldt vom 1. FC Köln kann sich einen sogenannten Salary Cap ebenfalls vorstellen. «Das müsste aber mindestens europaweit eingeführt werden, sonst wäre es für den deutschen Fußball nicht mal ansatzweise sinnvoll», sagte der 50-Jährige dem «Weser-Kurier» und fügte hinzu: «Bevor wir also darüber nachdenken, wie sinnvoll das wäre, müsste das EU-Parlament den Rahmen dafür schaffen. Denn wenn man das nur in Deutschland einführt, müsste sich jeder im Klaren darüber sein, dass Lewandowski dann nicht mehr bei Bayern spielt. Und jeder BVB-Fan müsste wissen, dass Haaland dann nicht nach Dortmund gewechselt wäre.» Laut Heldt brauche es «mindestens eine europäische, wenn nicht sogar eine globale Lösung».

Inhaltlich könnte eine solche Lösung so aussehen, dass die Löhne in Relation zum Umsatz der Clubs gesetzt werden. Hannovers Mehrheitsgesellschafter Martin Kind hatte beim «Sportbuzzer» zuletzt eine solche «Gehaltssummenobergrenze» ins Gespräch gebracht und damit eine «maximale Lohnsumme» für alle Spieler eines Kaders gemeint.

Nach dieser Idee sollten Vereine nur noch einen festgelegten Anteil ihres Etats ins Team investieren dürfen. Dieses Modell würde laut Kind dafür sorgen, dass «Spitzenspieler weiter anders bewertet und bezahlt werden als Nachwuchsspieler». Umsatzstarke Clubs wie der FC Bayern München könnten dann weiter höhere Gehälter zahlen als kleinere Vereine.

Wie die Vertreter der Clubs weiß auch Seifert, dass Begrenzungen nur länderübergreifend Sinn machen. «Ich habe darüber selber mit dem UEFA-Präsidenten Aleksander Čeferin gesprochen, dass das sicherlich Gespräche sein werden, die wird man führen müssen», sagte der DFL-Chef. Seifert sei «sehr motiviert», das Thema im europäischen Kontext anzugehen.

Auch Nationalspieler Lukas Klostermann von RB Leipzig zeigt Verständnis für eine Diskussion um Gehaltsobergrenzen. «Im Hinblick auf die Nachhaltigkeit der Vereine, wo ja einige Vereine arg in Schieflage geraten sind, macht es unter Umständen Sinn, darüber zu sprechen», sagte der Verteidiger in einer Video-Konferenz und fügte an: «Ich hab mich in der Tiefe mit dem Thema noch nicht befasst, um sagen zu können, das sind die Vorteile oder die Nachteile dabei.»

Zwei Tage nach seiner Vertragsverlängerung bei RB bis 2024 sieht er aufgrund der Corona-Pandemie die Diskussion gerechtfertigt. «Gerade mit Blick auf die Situation jetzt, wo ja alle möchten, dass der Fußball und der Sport generell solche Krisen auch überstehen kann, ist es bestimmt ein Thema», sagte der 23-Jährige und zog Vergleiche zu anderen Profiligen weltweit.

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