Bundesliga
Promi-Faktor hin oder her: Union will mit Heimsieg glänzen

An der Alten Försterei verändert sich gerade wieder viel. Elf Neue sind da, mit Torwart Karius gibt es neben Kruse einen weiteren Promi-Faktor.

Donnerstag, 01.10.2020, 14:45 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 14:48 Uhr
Torwart Loris Karius steht jetzt beim 1. FC Union Berlin unter Vertrag.
Torwart Loris Karius steht jetzt beim 1. FC Union Berlin unter Vertrag. Foto: Fredrik Varfjell

Berlin (dpa) - Der Boulevard in Berlin präsentierte schon mal den möglichen Tribünenplatz von Schauspielerin, Model und Influencerin Sophia Thomalla.

Dabei ist noch nicht einmal klar, ob ihr Lebensgefährte Loris Karius schon am Freitag auf dem Rasen Einfluss nehmen kann und Andreas Luthe als Nummer eins des 1. FC Union ablöst. Die Eisernen oder die Schlosserjungs, wie Spieler und Fans des Fußball-Bundesligisten aus Berlin-Köpenick wegen der Club-Geschichte gern genannt werden, bekommen plötzlich einen neuen Glamour-Faktor. Auch wenn der nicht als Entertainer bekannte Trainer Urs Fischer zu seinen Promi-Zugängen Karius und Max Kruse sagte: «Das sind ganz normale Typen, das löst bei mir nichts aus.»

Union hat nach Ex-Nationalspieler Kruse als Vertreter der extrovertierten Fußball-Profis in dieser Woche die Liverpool-Leihgabe Karius an die Alte Försterei gelockt - und muss jetzt auch mit den Nebenschauplätzen leben. Denn in der Öffentlichkeit löst der Transfer vor dem Freitag-Spiel gegen den sportlich gebeutelten FSV Mainz 05 schon durchaus eine Kontroverse aus. Passen Karius und Kruse ins Bild eines Clubs, der sich bisher vor allem durch Volksnähe, Bodenständigkeit, Stehplatzränge und Bratwurst definierte? Der Schweizer Fischer hat darauf eine klare Antwort: «Am Schluss geht es um die Leistung auf dem Platz. Das ist das, was für mich zählt.»

Doch die Club-Verantwortlichen wissen auch längst, dass sich Union trotz aller Bestrebungen, das Besondere zu bewahren, auch gewissen Vermarktungsregeln der hochkommerziellen Kicker-Branche unterwerfen muss. Denn immerhin will der noch kleinere Berliner Erstliga-Club nach dem Aufstieg im Vorjahr dauerhaft «zu den Top 20 in Deutschland» zählen, wie Vereinspräsident Dirk Zingler schon vor einiger Zeit verkündete. Neue Stadionpläne sind längst erstellt. Das Budget dafür muss erarbeitet werden. Dafür kann mehr Aufmerksamkeit nicht schaden.

Natürlich bleibt der sportliche Erfolg auch bei Union für das Wohl und Wehe das Entscheidende. Und so wollen die Berliner am dritten Spieltag nach einer bitteren Heimniederlage gegen Augsburg und einem bemerkenswerten Remis in Mönchengladbach nun den ersten Saisonsieg feiern. «Wichtig ist, etwas in den Händen zu halten. Die Mannschaft hat diese Zuversicht mitgenommen. Auch wenn du 0:1 im Rückstand liegst, kannst du etwas mitnehmen», bemerkte Chefcoach Fischer nach dem 1:1 beim Champions-League-Starter Gladbach.

Unions aktueller Gegner Mainz zeigt exemplarisch, wie schnell auch ein jahrelang gefestigter Bundesligist den Boden unter den Füßen verlieren kann. Disharmonien mit dem Trainer, ein Spieler-Streik, null Punkte: Nun soll Interimscoach Jan-Moritz Lichte die Wende schaffen. Ob die Zeit nach der Ablösung von Achim Beierlorzer bis zum Anpfiff in Berlin schon reicht, muss sich zeigen. «Nach meinem Gefühl haben die Spieler kein Problem damit, dass ich jetzt derjenige bin, der die Ansprache hält und der die Kritik in ungewohnter Lautstärke vornimmt», bemerkte der bisherige Assistent Lichte.

Union setzt in der zweiten Erstliga-Saison vor allem auf personelle Veränderungen im Spielerkader. Die Ex-Mainzer Torwart Karius (27) und Taiwo Awoniyi (23) aus Nigeria, der ebenfalls vom Jürgen-Klopp-Club FC Liverpool ausgeliehen wurde, sowie der Leverkusener Leihstürmer Joel Pohjanpalo (26) sind schon die Neugänge Nummer neun bis elf. Und damit muss nicht Schluss sein. «Wir unterhalten uns täglich. Und wenn wir das Gefühl haben, noch was zu machen, werden wir's tun», sagte Fischer. Promi-Faktor hin oder her.

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