1. FC Köln
Wie einst Poldi: Thielmann und junge Wilden lassen FC hoffen

Im Vorjahr war Jan Thielmann schon einmal ein Symbol des Aufbruchs beim 1. FC Köln. Nur ein Bundesliga-Tor wollte dem Teenager einfach nicht gelingen. Am Samstag schoss er sein erstes - und er hatte sich einen besonderen Moment für die Vereinschronik ausgesucht.

Sonntag, 06.12.2020, 10:27 Uhr aktualisiert: 06.12.2020, 10:30 Uhr
Kölns Spieler feiern das Tor zum 1:0 von Jan Thielmann (M/29).
Kölns Spieler feiern das Tor zum 1:0 von Jan Thielmann (M/29). Foto: Federico Gambarini

Köln (dpa) - Genau wie Lukas Podolski: Eine herzerwärmendere Überschrift kann eine Geschichte über einen Fußball-Profi des 1. FC Köln in diesem Jahrtausend nicht haben.

Jan Thielmann hat eine solche Geschichte geschrieben. Er erzielte beim 2:2 gegen den VfL Wolfsburg sein erstes Tor in der Bundesliga und war dabei genau 18 Jahre, sechs Monate und neun Tage alt. Exakt so alt wie der in Köln verehrte spätere Weltmeister Podolski bei seinem ersten Profi-Tor im Dezember 2003 beim 1:1 in Rostock.

Vergleichen mit der lebenden Kölner Legende will sich Thielmann nicht. Und das nicht nur, weil Podolski schon im vierten Spiel getroffen hatte und er nun erst im 20. Versuch. Auch die Unterschiede der beiden beim Interview danach waren offensichtlich. Während Podolski damals gewohnt frisch von der Leber weg geredet hatte und x-mal das Wort «Scheiße» benutzte, präsentierte sich Thielmann als mediengeschulter Jungprofi seiner Generation.

Er habe «ein bisschen Glück gehabt» bei seinem Tor in der 18. Minute, sagte der im Moseldorf Föhren geborene Thielmann, der als 15-Jähriger nach Köln gekommen war. Er könne das «ganz gut einordnen, schnell abhaken und den Fokus auf die nächsten Wochen setzen». Feiern wolle er das Premieren-Tor «alleine mit der Freundin».

Auch fußballerisch ist Thielmann nicht mit dem inzwischen 35 Jahre alten Podolski, der noch bei Antalyaspor aktiv ist, vergleichbar. Er ist nicht der hochtalentierte Instinkt-Fußballer, sondern ein gewissenhafter Fußball-Arbeiter. «Wenn es zehn Sachen zu tragen gibt nach dem Training oder dem Spiel, dann ist er der Erste, der die zehn Sachen alleine runtertragen will», sagte Trainer Markus Gisdol.

Schon im Vorjahr war Thielmann phasenweise Stammspieler, stagnierte dann und verkrampfte offenbar ein wenig. «Wenn man als 17-Jähriger frisch zu den Profis kommt, wird man zu Beginn noch etwas in Watte gepackt», sagte er vor einigen Wochen dem «Express». Nun sei «der Welpenschutz vorbei. Jetzt bekomme ich auch auf den Deckel, wenn es sein muss.»

Am Samstag bekam er von allen Seiten Lob. «Jan hat sein bestes Spiel gemacht, unabhängig vom Tor», sagte Gisdol. Da die Torjäger Sebastian Andersson und Anthony Modeste angeschlagen waren, hatte er den Teenager an der Seite des an dessen 26. Geburtstag ebenfalls erfolgreichen Ondrej Duda (43.) quasi als falsche Doppel-Neun aufgeboten. «Man darf nicht vergessen, dass er nebenher auch noch sein Abitur macht», sagte der Coach: «Deshalb ist seine Leistung und Entwicklung nicht hoch genug zu bewerten. Ich freue mich, dass ich mit Jungs arbeiten kann, die so einen klaren Kopf haben.»

Und so könnte Thielmann, der es beim 2:1-Coup in der Vorwoche in Dortmund erstmals seit zwei Monaten wieder in die Startelf geschafft hatte, sinnbildlich stehen für Aufbruchstimmung durch junge Wilde in Köln. Wie im Vorjahr. Damals galt der FC als hoffnungsloser Fall, als Gisdol Thielmann für das Derby gegen Leverkusen (2:0) aus dem Hut zauberte. Es folgte eine eindrucksvolle Siegesserie. Am Samstag war Kölns erste Elf im Durchschnitt 23,26 Jahre alt. So jung wie zuletzt vor knapp 54 Jahren. Und Thielmann war immer noch der Jüngste von ihnen. So jung wie damals Podolski.

© dpa-infocom, dpa:201206-99-589569/2

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