Früherer DFL-Geschäftsführer
Rettig: Solidargedanke in Fußball-Bundesliga wird kleiner

Berlin (dpa) - Der frühere DFL-Geschäftsführer und Bundesliga-Manager Andreas Rettig hat die neue Verteilung der Fernsehgelder im deutschen Profi-Fußball kritisiert.

Mittwoch, 09.12.2020, 20:03 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 20:08 Uhr
Andreas Rettig hat an der neuen Verteilung der Fernsehgelder im deutschen Profi-Fußball Kritik geäußert.
Andreas Rettig hat an der neuen Verteilung der Fernsehgelder im deutschen Profi-Fußball Kritik geäußert. Foto: Christian Charisius

«Ich denke, es ist ein schlechtes Signal, das von diesem Verteilerbeschluss ausgeht. In dem Wissen, dass ein Veränderungswillen proklamiert und eine Task-Force gegründet wurde und viele sich demütig gezeigt haben. Dann kommt ein solcher Beschluss heraus, der ein Schritt zur Seite ist und nicht nach vorne», sagte der 57-Jährige dem TV-Sender Sky.

Wenn das Argument Stabilität und Perspektive, Planungssicherheit für die Clubs im Vordergrund gestanden habe, «dann verwundert das, denn die Auswirkungen dieser Pandemie werden die Clubs die nächsten Jahre und vornehmlich die kleineren Clubs mit sich tragen. Die Großen werden größer und die Kleinen werden kleiner in dieser Phase, in der sie dann ihre Darlehen tilgen müssen. Dem kann ich wenig abgewinnen.»

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) habe es verpasst, neue Impulse zu setzen. Zudem würden nicht den kleineren oder mittleren Clubs, «sondern tendenziell die international ausgerichteten Clubs bevorteilt», sagte Rettig.

Laut Rettig habe der Solidargedanke in der Liga abgenommen. «Der FC Bayern beispielsweise war früher deutlich solidarischer zu Bochum und Bielefeld, wenn ich an das damalige Verteilungssystem denke. Da gab es eine Umverteilung, die auch der FC Bayern mitgetragen hat. Heute ist der FC Bayern solidarisch auf dem Wege in die Super League mit Juventus Turin und Manchester United. Das hat sich verschoben und das ist zu bedauern und auch zu beklagen», sagte Rettig.

Weil die Spannung in der Bundesliga, wo die Meisterschaft «ja ohnehin schon vergeben ist», auf der Strecke bleibe, «wird es meiner Meinung nach perspektivisch dazu führen, dass auch die Medienrechte weniger werthaltig werden, da haben wir dann am Ende alle ein Problem damit».

© dpa-infocom, dpa:201209-99-633454/2

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