Arsenal-Leihgabe
Rückkehrer Kolasinac absolviert erstes Training auf Schalke

Robust, kampfstark, kompromisslos - Rückkehrer Kolasinac soll der anfälligen Schalker Abwehr mehr Stabilität verleihen. Weitere Neuzugänge scheinen beim Tabellenletzten kaum finanzierbar. Ein alter Bekannter könnte helfen, wäre bei vielen Fans aber nicht willkommen.

Dienstag, 05.01.2021, 19:08 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 19:11 Uhr
Als Leihgabe zurück bei Schalke 04: Sead Kolasinac.
Als Leihgabe zurück bei Schalke 04: Sead Kolasinac. Foto: Karsten Rabas

Gelsenkirchen (dpa) - Selbst die prekäre sportliche Ausgangslage konnte seine Vorfreude nicht trüben. Rückkehrer Sead Kolasinac wirkte wenige Minuten vor seinem ersten Training beim FC Schalke 04 geradezu euphorisch.

Der 27 Jahre alte Linksverteidiger, der für ein halbes Jahr vom FC Arsenal ausgeliehen wurde, will beim Bundesliga-Schlusslicht nicht nur die Abwehr stabilisieren, sondern auch für einen Stimmungsumschwung sorgen. «Ich kann es kaum erwarten, mit den Jungs wieder auf dem Platz zu stehen. Ich möchte der Mannschaft helfen und Verantwortung übernehmen», sagte er bei seiner Vorstellung am Dienstag.

Zur Heim-Premiere des neuen Trainers Christian Gross gegen die TSG 1899 Hoffenheim soll Kolasinac erstmals seit der Saison 2016/17 wieder das königsblaue Trikot tragen. Als Hauptgrund für sein Comeback führt er das «familiäre» Verhältnis zum Revierclub an: «Ich wurde hier ausgebildet und habe den Sprung in die Profimannschaft geschafft. So etwas vergesse ich nicht. Dieser Verein ist mir ans Herz gewachsen.»

Übertrieben schien diese Liebesbekundung nicht. Wie Kolasinac verriet, trug neben Sportvorstand Jochen Schneider auch der auf Schalke als Kultfigur verehrte A-Jugend-Trainer Norbert Elgert in mehreren langen Telefonaten zur Rückholaktion bei. «Er war immer mein Mentor. Er ist für mich immer ein Ansprechpartner, auch wenn es mal nicht so gut läuft», beschrieb der Abwehrspieler sein intensives Verhältnis zu seinem ehemaligen Jugend-Coach, der ihn nach eigener Aussage «mental» auf die neue Aufgabe als Hoffnungsträger vorbereitete.

Mit der immensen Erwartungshaltung kann Kolasinac nicht nur wegen des Zuspruchs von Elgert gut leben. Selbstbewusst verwies er auf seine Fortschritte: «Ich bin als Jugendlicher gegangen und kehre als Familienvater zurück. Sportlich ist die Premier League die beste Liga der Welt, da lernt man viel - auf dem Platz und außerhalb des Platzes.»

Um den Abstieg zu verhindern, sucht Sportvorstand Schneider weitere Verstärkungen. Zumindest ein Rechtsverteidiger und ein Stürmer stehen auf der Wunschliste. Nach dem 0:3 bei Hertha BSC hatte auch Offensivspieler Mark Uth neue Leistungsträger gefordert: «Die Verantwortlichen müssen auf dem Transfermarkt noch tätig werden. Wir brauchen Spieler, die uns sofort weiterhelfen können.»

Angesichts der finanziellen Lage kommen wohl nur Leihgeschäfte oder vereinslose Spieler in Frage. Als Kandidat für die rechte Abwehrseite wird Julian Korb gehandelt, der bis zum Sommer beim Zweitligisten Hannover 96 unter Vertrag stand. Auch Angreifer Dimitri Oberlin, der im Dezember beim FC Basel aussortiert wurde, oder der Ex-Gladbacher Fabian Johnson werden genannt.

Dass Schalke die von Ex-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies angebotene finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen wird, scheint unwahrscheinlich. Auch wenn Schneider die Verdienste von Tönnies am Wochenende hervorhob und sich in der Frage nicht eindeutig positionierte: «Das werden wir intern klären und besprechen.»

Doch die Fans würden dem Vorstand eine neuerliche Einmischung von Tönnies in Clubangelegenheiten nach dem Rücktritt im Zuge der Corona-Vorfälle in dessen Fleischfabrik im Vorjahr wohl nicht verzeihen. Bereits nach dessen rassistischen Äußerungen im Jahr 2019 hatte es viel Kritik gegeben. Dass Tönnies danach seine Ämter für drei Monate ruhen ließ, werteten viele Anhänger als unzureichend.

Vor diesem Hintergrund sorgen die jüngsten Spekulationen über finanzielle Hilfen von Tönnies im Vereinsumfeld für neuerlichen Unmut. «Ein Schalke 04 mit Clemens Tönnies darf es nie wieder geben», twitterte die Fan-Grupe «Schalke nur als e.V.!». Ähnlich kritisch äußerte sich Stefan Barta, der kurz vor Tönnies' Rückzug eine große Demonstration gegen den einstigen Vereinspatron organisiert hatte. «Ich glaube, dass Clemens Tönnies ein Narzisst ist, dem es meiner Meinung nach nie wirklich nur um Schalke ging, sondern mehr um sich selbst», sagte er dem «Spiegel».

© dpa-infocom, dpa:210105-99-906449/5

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