Champions League
Bayers brotlose Kunst - Tahs Disput mit Fan

Von sechs Champions-League-Spielen mit Borussia Dortmund hat Peter Bosz keins gewonnen. Und auch das erste mit Leverkusen ging verloren. Weil seine Offensiv-Künstler derzeit nur brotlose Kunst boten. Hinzu kamen gegen Moskau groteske Abwehrfehler.

Donnerstag, 19.09.2019, 16:33 Uhr aktualisiert: 19.09.2019, 16:36 Uhr
Kai Havertz (r-l) und Lars Bender und Leverkusens Nadiem Amiri (l) sind nach der Niederlage enttäuscht.
Kai Havertz (r-l) und Lars Bender und Leverkusens Nadiem Amiri (l) sind nach der Niederlage enttäuscht. Foto: Rolf Vennenbernd

Leverkusen (dpa) - Das Genörgel über Bayers brotlose Kunst ging Jonathan Tah zu weit. Ausgerechnet der Nationalspieler, sonst eher der Typ gutmütiger Bär, leistete sich nach der bitteren 1:2 (1:2) Heimniederlage in der Champions League gegen Lokomotive Moskau ein Wortgefecht mit einem Fan.

«Kurz, aber hitzig» soll es laut «Bild»-Zeitung gewesen sein. «Ich habe gar nicht genau gehört, was er gesagt hat», sagte Tah später: «Ich habe nur Meckern gehört und habe zurückgemeckert.» Das Ganze sei aber schon «ein bisschen emotional» gewesen.

So oder so handelt es sich sicher um keinen Vorfall, den man überdramatisieren müsse. Doch er steht bezeichnend dafür, dass die Stimmung rund um Bayer offenbar auf der Kippe steht. Extern wie intern. In der vergangenen Rückrunde und zum Saisonauftakt begeisterten die Leverkusener mit Offensiv-Fußball und vielen Toren. Weil das 1:1 aus einem Eigentor von Ex-Weltmeister Benedikt Höwedes resultierte, ist ihnen aber nun seit drei Spielen kein selbst erzielter Treffer geglückt. Trotz insgesamt 48 Torschüssen, 31 Eckbällen und einem Ballbesitz von 63 Prozent aufwärts. Gegen Moskau waren es 78 Prozent.

Wie groß aber die Verunsicherung ist, zeigen die höchst unterschiedlichen Analysen nach der Niederlage. Während Trainer Peter Bosz vor allem die beiden grotesken Fehler von Leon Bailey und Torhüter Lukas Hradecky vor den Toren durch Grzegorz Krychowiak (16.) und Dimitri Barinow (37.) als Hauptursache ausmachte, glaubte Hradecky an «zu viel Euphorie und Nervosität». Tah erkannte derweil «mangelnde Präsenz und Entschlossenheit in der Box». Das kommt der Sache nahe, ist aber auch nur die halbe Wahrheit.

Viel mehr liegt es an der Einfallslosigkeit, mit der die hochveranlagte Mannschaft gegen tief stehende Gegner agiert. Der mangelnden Variabilität und Kreativität, auch bei Standards. In der Liga am Samstag gegen Aufsteiger Union Berlin dürfte das nächste Abwehr-Bollwerk warten. «Davon ist auszugehen», sagte Sportdirektor Simon Rolfes: «Aber das müssen wir hinkriegen.» Für rund einen Monat aber nun auch noch ohne Leon Bailey. Der Flügelstürmer aus Jamaika erlitt gegen Moskau einen Muskelfaserriss.

Für Bosz bleibt die Champions League ein hartes Pflaster. Auch von seinen ersten sechs Spielen in der Königsklasse 2017 mit Borussia Dortmund hatte er bei nur zwei Punkten keines gewonnen. Die Bilanz noch in dieser Saison entscheidend zu verbessern, wird nicht leicht. Die beiden anderen Gegner in der Gruppe heißen Juventus Turin, Finalist von 2017 und Nummer fünf der UEFA-Rangliste, und Atlético Madrid, Finalist von 2014 und 2016 und Nummer zwei der Clubtabelle.

Obwohl diese beiden übermächtig erscheinen und nach dem Patzer gegen Moskau nun auch das Überwintern in der Europa League gefährdet ist, gaben die Leverkusener am Mittwoch trotzige Parolen von sich. «Dann müssen wir eben an anderer Stelle für eine Überraschung sorgen», sagte Rolfes. Und Bosz forderte: «Wir müssen jetzt Punkte holen, wo es keiner von uns erwartet.»

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