Champions League
Bayerns Barça-Feinschliff mit Urlaubsflair

Hansi Flick weiß, wie wichtig für ein Team eine leistungsfördernde Turnieratmosphäre ist. An der Algarve können die Bayern oberhalb des Atlantiks «abgeschottet» die letzten Triple-Schritte vorbereiten.

Montag, 10.08.2020, 16:44 Uhr aktualisiert: 10.08.2020, 16:47 Uhr
Bayern-Coach Hansi Flick im Gespräch mit Robert Lewandowski.
Bayern-Coach Hansi Flick im Gespräch mit Robert Lewandowski. Foto: Matthias Balk

Lagos (dpa) - Hansi Flick plauderte erst noch angeregt mit seinem im Muskelshirt vor Kraft strotzenden Torjäger Robert Lewandowski, dann pfiff der Trainer das erste Training des FC Bayern in Portugal an.

Der Countdown für das Finalturnier der Champions League begann für den Mitfavoriten auf den Titelgewinn in Lissabon im Gegensatz zu dem von Corona-Fällen getroffenen möglichen Finalgegner Altético Madrid ganz nach Plan. Die Stimmung im Münchner Fußballtross war jedenfalls blendend. Flick öffnete am Montag für die wenigen mitgereisten Reporter sogar kurz die Tore zum Luxusresort «Cascade».

«Wir haben nur noch Barcelona im Kopf», sagte Lewandowski mit dem Blick auf den Viertelfinalkracher am Freitag im Lissaboner Estádio da Luz. Sonne, Strand und Meer - im Urlaubsambiente auf den Klippen oberhalb des Atlantiks will Flick seinem Starensemble den letzten Feinschliff für die finalen Triple-Schritte verpassen. Der 55-Jährige hat mit seiner Weltmeistererfahrung von 2014 alles akribisch geplant für die eigene Triple-Blitzkrönung nur neun Monate nach der Übernahme der Position als Bayern-Cheftrainer.

«Es ist etwas ganz Besonderes. So ein Turnier gab es noch nie auf Vereinsebene», sagte Flick der Deutschen Presse-Agentur zu Beginn der letzten Münchner Titelmission in dieser verflixten Corona-Saison. «Wir wollen das Glück erzwingen!» Flick will mit den Bayern den Königsweg erfolgreich beschreiten: Erst Barça im Viertelfinale, dann womöglich Manchester City mit Pep Guardiola im Halbfinale und zum Abschluss am 23. August die Krönung möglicherweise gegen Paris Saint-Germain - oder in einem deutschen Finale gegen RB Leipzig?

«Ich hoffe, dass wir lange hier bleiben und möglichst viel erreichen», sagte Kapitän Manuel Neuer. Das Trainingslager begann mit guten Nachrichten. Die zuletzt angeschlagenen Jérôme Boateng und Kingsley Coman mischten vor den Augen der beiden Vorstandsmitglieder Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic wieder auf dem Platz mit. Abwehrchef David Alaba begnügte sich dagegen zwei Tage nach dem 4:1 im Achtelfinalrückspiel gegen den FC Chelsea mit einer Laufeinheit.

Die stimulierende Ferienumgebung soll für die nötige Lockerheit sorgen, aber auch den Triple-Geist im Team weiter verstärken. «Wenn man jetzt zwei Wochen hat, wo man gut miteinander arbeitet, kann man viel erreichen. Wir sind alle sehr hungrig», sagte Neuer. Der Kapitän kennt aus der Nationalelf - ebenso wie Flick, Thomas Müller und Boateng - das Campo-Bahia-Feeling des WM-Triumphes 2014 in Brasilien.

Die Bayern sind in Lagos aber nicht zur Erholung, sondern vor allem zur Arbeit. «Wir sagen jetzt nicht, wir sind in Portugal, wir sind in der Nähe des Meeres und machen eine Urlaubsreise», sagte Vize-Kapitän Müller. Den passionierten Golfspieler dürfte es dennoch freuen, dass es im Hotelkomplex eine Driving Range und Putting-Greens gibt. Zumal Flick dem Team am Montag einen freien Nachmittag gönnte. «Wir müssen die Akkus aufladen», sagte Flick. Drei kraftraubende K.o.-Spiele sind schließlich das Ziel nach dem Umzug nach Lissabon am Donnerstag.

Die Corona-Fälle bei Leipzig-Gegner Atlético Madrid durften die Bayern als Bestätigung dafür nehmen, das Luxusresort «Cascade» als Vorbereitungscamp ausgewählt zu haben. Der Bayerntross bewegt sich abseits der normalen Urlauber. Die zwei Trainingsplätze liegen auf dem Hotelareal, unters Volk mischen müssen sich Lewandowski und Co. nicht. Vorbildlich mit Mund-Nasen-Schutz absolvierten die Profis am Montag den kurzen Weg von den Zimmern zum Training. «Wir müssen wirklich vorsichtig sein», sagte Flick zum Infektionsrisiko.

«In Lissabon hätten wir nicht so gute Bedingungen gehabt. Hier können wir gut trainieren. Hier ist alles abgeschottet», betonte der Coach. Das bei Fußballvereinen beliebte Trainingsquartier wollte auch Paris Saint-Germain buchen. Die Bayern waren aber flotter. PSG mit Trainer Thomas Tuchel musste ins 90 Kilometer entfernte Faro ausweichen.

© dpa-infocom, dpa:200810-99-109637/5

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