Champions League
PSG nach der Tuchel-Ära vor dem ultimativen Härtetest

Bloß kein Déja-vu. Paris Saint-Germain hat die Finalniederlage gegen die Bayern noch in schmerzvoller Erinnerung. Noch mal muss das nicht sein. Ein Duo kann den Ausschlag geben - doch es leidet an Harmonie-Hemmnissen.

Dienstag, 06.04.2021, 19:19 Uhr aktualisiert: 06.04.2021, 19:22 Uhr
Wollen mit PSG Revanche gegen Bayern: Neymar (l) und Kylian Mbappé.
Wollen mit PSG Revanche gegen Bayern: Neymar (l) und Kylian Mbappé. Foto: Michael Regan

Paris (dpa) - Wohl und Wehe der Ära nach Thomas Tuchel bei Paris Saint-Germain dürfte maßgeblich vom Wiedersehen mit dem FC Bayern abhängen.

In der französischen Meisterschaft nicht mehr der souveräne Alleinherrscher will und muss das Ensemble um Weltmeister Kylian Mbappé die eigene, aber auch die Sehnsucht der schwerreichen Besitzer mit dem Gewinn der Champions League endlich mal stillen - das verlorene Finale gegen die Münchner im vergangenen Sommer ist mindestens soviel Mahnung wie Motivation.

«Selbst wenn die Weltmeisterschaft der absolute Gral ist, für mich in einem Verein ist die Champions League das Beste», sagte Mbappé jüngst in einem Interview dem Sender RMCSport. Die WM habe er mit 19 praktisch ohne Rückschläge gewonnen. In der Champions League habe er schon gelitten - besonders an jenem 23. August 2020 in Lissabon im ersten Endspiel von PSG, das der neunmalige französische Fußballmeister gegen den 30-maligen deutschen Meister mit 0:1 verloren hatte. Damals noch mit Tuchel. Der Deutsche musste über Weihnachten gehen, für ihn kam der Argentinier Mauricio Pochettino.

«Für uns ist es eine Herausforderung, eine Mannschaft wie Bayern München zu schlagen. Es ist eine oder die beste Mannschaft der Welt. Wir sind da, um diese Herausforderung anzunehmen», kommentierte der Argentinier Pochettino am Tag vor dem Spiel. Angesichts des im Vorjahr verlorenen Finales sagte er: «Die Umstände sind jetzt komplett anders. Aber was die sportliche Revanche angeht, die ist natürlich immer dabei.»

Drei Niederlagen in den vergangenen sechs Spielen in der Ligue 1 drücken bei PSG aber schon wieder aufs Gemüt. Die Gelb-Rote Karte gegen Neymar (29) zuletzt bei der 0:1-Pleite gegen den neuen Tabellenführer OSC Lille soll einem Bericht der «L'Équipe» zufolge zu einem frostigen Kabinenklima geführt haben. Dabei bräuchte der seit seinem aufsehenerregenden Wechsel für die Rekordsumme von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona mit Privilegien eines Exzentrikers ausgestattete Neymar vor allem Spielpraxis. Gegen Lille hatte der Südamerikaner das erste Mal seit dem 10. Februar in einem Pflichtspiel in der Startelf gestanden.

Von einer Corona-Infektion über eine Rotsperre und Adduktoren-, Sprunggelenk- und wieder Adduktorenbeschwerden ausgebremst, absolvierte Neymar gerade mal 13 Einsätze in 31 Ligaspielen. Auch beim Weiterkommen im Champions-League-Achtelfinale gegen seinen alten und womöglich irgendwann mal wieder neuen Club Barcelona hatte er gefehlt, von einem harmonischen brasilianisch-französischen Duo Neymar/Mbappé ist derzeit auch nicht viel zu spüren. Das Magazin «France Football» stellte bereits die Frage: «Gehört Neymar noch in die Kategorie der ganz großen Spieler?»

In München und auch im Rückspiel in Paris am 13. April Neymar die Möglichkeit, seine Kritiker zu widerlegen. Von einem «der wichtigsten Spiele der Saison» sprach Neymars Landsmann und Teamkollege Marquinhos bereits vor dem Hinspiel.

«Wir hatten eine schwere Gruppe, dann ging es gegen Barça und nun sind es die Bayern», betonte Leandro Paredes. Er selbst wird gesperrt fehlen, andere wie Marco Verratti oder dessen italienischer Nationalmannschaftskollege Alessandro Florenzi fehlen wegen positiver Corona-Befunde im 23-köpfigen Kader, zu dem aber die beiden deutschen Nationalspieler Julian Draxler und Thilo Kehrer gehören. Beide sind Kandidaten für die Startelf. «Die Mannschaft ist zu 100 Prozent bereit», versprach Paredes: «Dieses Aufeinandertreffen motiviert uns besonders.»

Denn eines ist auch klar: scheitert PSG an den Bayern, wird der Kampf um den Trostpreis Meisterschaft auch nicht leichter. Hinzu kommt, dass Neymars Wechselspekulationen sicher noch mehr Fahrt aufnehmen würden und auch die aktuellen Vertragsverhandlungen mit dem 22 Jahre alten Mbappé, dessen Kontrakt wie der von Neymar bis Ende Juni 2022 datiert ist, schwieriger werden könnten. Den WM-Titel hat er ja schon gewonnen, die Champions League will er noch gewinnen.

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