DFB-Pokal
Eintracht Frankfurt träumt von Berlin

Eintracht Frankfurt entwickelt sich immer mehr zu einer Pokal-Mannschaft. Nach dem Sieg gegen Bremen wollen die Hessen nun wie 2017 und 2018 ins Endspiel. Für Werder geht der Bundesliga-Abstiegskampf weiter - ausgerechnet in Berlin.

Donnerstag, 05.03.2020, 12:17 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 12:20 Uhr
Frankfurts Torschütze Daichi Kamada (2.v.r) jubelt mit Teamkameraden nach dem zweiten Tor.
Frankfurts Torschütze Daichi Kamada (2.v.r) jubelt mit Teamkameraden nach dem zweiten Tor. Foto: Arne Dedert

Frankfurt/Main (dpa) - Beseelt vom dritten Halbfinal-Einzug innerhalb von vier Jahren sangen die Fans von Eintracht Frankfurt den Pokal-Klassiker «Berlin, Berlin - wir fahren nach Berlin».

Während die Hessen vom sechsten Cup-Triumph der Vereinsgeschichte träumen, müssen die von Videobeweis, Verletzungspech und dem Viertelfinal-Aus gefrusteten Profis von Werder Bremen schon am Samstag im Berliner Olympiastadion bei Hertha BSC die sportliche Wende im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga einleiten.

«Ich kämpfe weiter und weiß, dass auch die Mannschaft weiterkämpft. Wir sind keine Opfer. Wenn wir uns das einreden, wäre das unser größter Fehler. Wir werden das am Ende zu einem erfolgreichen Abschluss bringen», sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt nach dem Pokal-Knockout durch das 0:2 (0:1) in Frankfurt mit Blick auf den Bundesliga-Existenzkampf.

Besonders ärgerte sich der 37-Jährige über den Handelfmeter nach Videobeweis, den André Silva (45.+6 Minute) kurz vor der Pause zur Eintracht-Führung verwandelte. «Keiner der Zuschauer oder der Spieler hat irgendwas gesehen. Dann beginnt die forensische Suche», kritisierte Kohfeldt das Eingreifen des Video-Assistenten beim zunächst unbemerkten Handspiel von Ludwig Augustinsson im Werder-Strafraum.

«Ich äußere mich zu dem Thema stets dezidiert und bin niemand, der das immer grundsätzlich auf die Schiedsrichter schiebt. Aber meiner Meinung nach soll der Video-Assistent bei klaren Fehlentscheidungen eingreifen. Das habe ich nicht gegeben gesehen», sagte Kohfeldt. Selbst Eintracht-Trainer Adi Hütter räumte ein: «Das war eine glückliche Entscheidung für uns und die Schlüsselszene des Spiels.»

Am Morgen nach dem neuerlichen Frust-Erlebnis vor 51.500 Zuschauern gab es bei Werder zumindest Entwarnung für den verletzten Ömer Toprak. Der Abwehrspieler war nach einem üblen Tritt von Filip Kostic, der dafür Rot sah und der Eintracht im Pokal in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung stehen wird, kurz vor Schluss mit Verdacht auf Wadenbeinbruch ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Dort wurde bei dem 30-Jährigen eine Riss-Quetschwunde an der Wade diagnostiziert und genäht. «Eine sehr schmerzvolle Angelegenheit für Ömer, aber zum Glück ist nichts gebrochen», teilte Kohfeldt am Donnerstag mit. Die Ausfalldauer ist ungewiss, in Berlin wird Toprak definitiv fehlen.

«Das ist ein ganz wichtiges Spiel für uns», betonte Sport-Geschäftsführer Frank Baumann die Bedeutung der Partie am Samstag. Der Rückstand des Tabellenvorletzten auf das rettende Ufer in der Bundesliga beträgt bereits acht Punkte. Bis zum Relegationsplatz sind es immerhin vier Zähler.

«Die Mannschaft ist charakterlich in Ordnung, sie hat die Situation grundsätzlich angenommen. Ich bin überzeugt, dass wir den Bock umstoßen werden. Aber wir haben nicht mehr viel Zeit, deshalb wäre es sehr wichtig, wenn wir am Samstag damit anfangen würden», sagte Baumann.

Um die Reisestrapazen zu minimieren, trainieren die Bremer bis zum Freitag in Frankfurt und fliegen von dort aus in die Hauptstadt. Das ist auch der Zielort der Eintracht - im Mai zum Pokalfinale. «Wer schon mal in Berlin war, will wieder dorthin. Wer den Pokalfilm gesehen hat, noch umso mehr», erinnerte Torwart Kevin Trapp an die Jubelbilder nach dem Endspiel-Triumph 2018 gegen Bayern München.

Der Gegner im Halbfinale, das am Sonntag ausgelost wird, ist den Hessen egal. «Wer nach Berlin will, muss jeden schlagen», sagte Mittelfeldspieler Timothy Chandler. Für Hütter zählt daher nur eins: «Mein Wunsch ist, dass wir wieder ein Heimspiel haben», sagte der Eintracht-Trainer. «Denn man sieht, dass die Mannschaft sehr viel leisten kann, wenn sie zu hundert Prozent unterstützt wird.»

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